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Baedeker (ReisefĂźhrer)
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Als Baedeker wird ein ReisefĂźhrer fĂźr Reiseziele im In- und Ausland bezeichnet. Er erschien erstmals 1832 in dem vom Namensgeber Karl Baedeker 1827 gegrĂźndeten Verlag in Koblenz, der ab 1872 in Leipzig und ab 1956 in Freiburg im Breisgau arbeitete. Seit 1997 gehĂśrt der Verlag zur MairDumont-Gruppe mit Sitz in Ostfildern.
Durch seinen prägnanten Sprachstil, die Genauigkeit der Reiseinformationen und die groĂzĂźgige kartographische und sonstige Ausstattung wurde er im 19. Jahrhundert vor allem im deutschsprachigen Raum mit seinem roten Leineneinband und der goldfarbenen Beschriftung im Prägedruck zum Synonym des ReisefĂźhrers schlechthin. Die frĂźhzeitige Aufnahme fremdsprachiger Ausgaben in das ReisefĂźhrerprogramm â fĂźr den internationalen Markt änderte der Verleger sogar die Schreibweise seines Nachnamens (nun ohne den deutschen Umlaut âäâ)cite-ref-1[1] â verschaffte dem Baedeker auch einen weltweiten Ruf. Zudem wurden fĂźr die Bearbeitung der Bände oft in ihren Bereichen ausgewiesene Fachleute herangezogen, was zu einer hohen Qualität der Texte fĂźhrte.
Neben der 2010 eingestellten Reihe Baedekers StadtfĂźhrer erschienen von 1979 bis 2012 die Baedeker unter dem Titel Baedeker Allianz ReisefĂźhrer in den Kennfarben der beteiligten beiden Unternehmen âRot/Blauâ. Seit 2013 tragen sie wieder den alleinigen Namen Baedeker. Die nun eingefĂźhrten Kennfarben wurden zunächst beibehalten; beim 2018 grundlegend Ăźberarbeiteten Einbanddesign ist nur noch der Reihenname âallianz-blauâ unterlegt.
Contents
⢠Einband
⢠Schutzumschläge
⢠Typografie
⢠CD-ROMs
⢠E-Books
⢠Vorbemerkungen
⢠Auszeichnungen
⢠Verlagsprospekte
⢠Lizenzausgaben
⢠Pseudo-Baedeker
⢠Sonstiges
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Anmerkungen
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GesamtĂźbersicht zur Entwicklung der ReisefĂźhrer-Reihe
Ausgangspunkt der Baedeker-ReisefĂźhrer war die von J. A. Klein im Koblenzer Verlag F. F. RĂśhling sehr erfolgreich publizierte âRheinreise von Mainz bis KĂślnâ, die durch Karl Baedeker schrittweise Ăźberarbeitet wurde und 1839 einen gelben Biedermeiereinband erhielt, dessen Typus auch bei mehreren anderen von ihm neu ins Programm genommenen ReisefĂźhrern (Schweiz, Belgien, Holland) verwendet wurde. Beim inhaltlichen Aufbau orientierte sich Karl Baedeker Ende der 1830er Jahre zunächst an dem englischen Vorbild von John Murray, fand jedoch bald seinen eigenen, auf die BedĂźrfnisse der in den deutschen Landen ansässigen Käufer seiner ReisefĂźhrer zugeschnittenen Stil. 1846 hielten erstmals das BaedekerâRot und Sterne fĂźr besonders wichtige SehenswĂźrdigkeiten beim ReisefĂźhrer fĂźr Deutschland und Ăsterreich Einzug. Der rote Leineneinband erhielt dann ab Ende der 1870er Jahre seine klassische Gestaltung und schmĂźckte Ăźber 70 Jahre die inzwischen international renommierten ReisefĂźhrer. Lagen unter der Ăgide des bereits 1859 verstorbenen Karl Baedeker nur ReisefĂźhrer fĂźr Deutschland und einige europäische Nachbarländer vor, dehnten die folgenden Baedeker-Generationen die Reisebeschreibungen bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 auf fast ganz Europa und Nordamerika sowie Teile von Nordafrika, Arabien und Ostasien aus. Die Titel wurden teilweise auch in franzĂśsischer und englischer Sprache, vor allem im Ausland, angeboten.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam die ReisefĂźhrerproduktion fast vollständig zum Erliegen, was den Verlag in eine äuĂerst schwierige Lage brachte. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation auch weiter Kreise der Käuferschaft nach dem Kriegsende 1918 durch die anschwellende Inflation und die damit einhergehende Devisenknappheit, die auch dem seit 1872 in Leipzig ansässigen Baedeker Verlag sehr zusetzten, fĂźhrte ab den 1920er Jahren zu einem Ausbau der ReisefĂźhrerproduktion insbesondere fĂźr deutsche Regionen, fĂźr deren Bereisen keine ausländischen Geldmittel erforderlich waren. Ăberarbeitungen gab es fĂźr viele europäische Reiseziele (Ăsterreich, Schweiz, Benelux, Italien, GroĂbritannien, Iberische Halbinsel u. a.), das Mittelmeer sowie Kanada und Ăgypten, neue Bearbeitungen dagegen nur wenige (Dalmatien, Madeira). Der Zweite Weltkrieg fĂźhrte 1943 zur Vernichtung des Verlagsarchivs und wesentlicher Grundlagen der Produktion (Verlagsaufzeichnungen, Pläne und Karten).
Erst 1948 war der Verlag mit der VerĂśffentlichung eines StadtfĂźhrers fĂźr den Verlagssitz Leipzig wieder auf dem Buchmarkt präsent. Angesichts der politischen Lage im Nachkriegsdeutschland grĂźndete der Urenkel von Karl Baedeker, Karl Friedrich Baedeker, den Verlag mit altem Namen in Malente (Schleswig-Holstein) neu und verlegte ihn 1956 nach Freiburg i.Br. In den 1950er Jahren wurden erneut vor allem die Regionen der alten Bundesrepublik und viele ihrer touristisch und/oder wirtschaftlich bedeutenden Städte bearbeitet. In dem 1951 von Karl Friedrich Baedeker, Kurt Mair und Oskar Steinheil zusätzlich gegrĂźndeten Baedekers AutofĂźhrer-Verlag wurden auf die BedĂźrfnisse von Autofahrern zugeschnittene AutofĂźhrer vor allem fĂźr das Gebiet der alten Bundesrepublik und ausgewählter europäischer Länder hergestellt. 1987 schlossen sich schlieĂlich die beiden Verlagshäuser Baedeker AutofĂźhrer-Verlag und Karl Baedeker Verlag zur Karl Baedeker GmbH mit Sitz in Ostfildern/Kemnat zusammen. Die bereits 1979 begonnene Kooperation des Baedeker AutofĂźhrer-Verlags mit der Allianz-Versicherung, verbunden mit dem schrittweise Ausbau der ReisefĂźhrerproduktion fĂźr fast alle Gebiete der Erde, wurde fortgesetzt. Dabei war im Erscheinungsbild das AllianzâBlau an die Seite des BaedekerâRot getreten. Diese Farbkombination ist auch in der aktuellen ReisefĂźhrerproduktion nach Ausscheiden der Allianz-Versicherung aus der Kooperation im Jahre 2013 noch zu finden. Aktuell umfasst die Baedeker-Reihe ein breites Sortiment von Titeln zu Reisezielen in der ganzen Welt, so dass im Hinblick auf das gar nicht mehr so fern liegende 200. Jubiläum des Erscheinens des ersten BaedekerâReisefĂźhrers im Jahre 1832 die Strahlkraft der Marke âBaedekerâ gegenwärtig ungebrochen scheint.
Reihengeschichte im Einzelnen
Die vom Verlagsgrßnder von 1832 bis 1859 bearbeiteten Bände
Rheinreise
Rheinreise
(D 0)
Rheinlauf von Mainz bis CĂśln
(Lithographie der Druckerei
Gebr. Becker, Coblenz (um 1830))
⢠Erwerb des Verlags von Franz Friedrich RĂśhling mit Kleins âRheinreiseâ durch Karl Baedeker 1832
Ăhnlich wie eine Verlegergeneration vor ihm Friedrich Arnold Brockhaus seinen Erfolg auf dem deutschen Lexika-Markt durch den Erwerb und die Ăberarbeitung eines zuvor dort schon angebotenen Lexikons begrĂźndet hatte, sollte der verlegerische Erfolg des Karl Baedeker Verlags mit seinem Kauf des Verlags von Franz Friedrich RĂśhling im Jahre 1832 seinen Anfang nehmen. Mit diesem Erwerb durch den 1801 geborenen VerlagsgrĂźnder, der am 1. Juli 1827 in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung erĂśffnet hatte, ging nämlich auch das 1828 von dem Historiker Johann August Klein (1778â1831) verfasste Buch Rheinreise von Mainz bis KĂśln, Handbuch fĂźr Schnellreisendecite-ref-2[2], das der damals in voller BlĂźte stehenden Rheinromantik entsprang, in das Eigentum von Karl Baedeker Ăźber. Klein war ein intimer Kenner der Geschichte und der Ăśrtlichen Verhältnisse der Rheinlandschaft. Die mit Ăźbernommenen Restbestände der Rheinreise, die mit 12 Umrisszeichnungen von Johann Adolf Lasinsky von am Rheinufer gelegenen Orten und Bauwerken geschmĂźckt war, wurden nun mit einer von den Gebr. Becker in Koblenz lithographierten Karte des Rheinlaufs verkauft. Da die erste Ausgabe im Karl Baedeker Verlag noch nicht von Karl Baedeker verfasst worden war, erhielt sie von Alex Hinrichsen in seiner Bibliografie der Baedeker-Ausgaben die Zählnummer âD 0â.cite-ref-3[3]
⢠Von Karl Baedeker Ăźberarbeitete Auflage von Kleins âRheinreiseâ von 1835
1835 (das Titelblatt ist ohne Jahresangabe) erschien dann die zweite, durch Karl Baedeker stark erweiterte und verbesserte Auflage unter dem Titel Rheinreise von StraĂburg bis Rotterdam (D 1) â der deutschsprachige Baedeker begann, den ReisefĂźhrermarkt zu erobern.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5] Sie enthielt wiederum die 12 Umrisszeichnungen von Lasinsky. Zusätzlich zur bisherigen, bis StraĂburg verlängerten Karte des Rheinlaufs Mainz bis KĂśln, auf der nun auch eine Teilkarte des im Buch besprochenen Laufs der Mosel von Trier bis Coblenz eingedruckt war, musste entsprechend der Ausweitung des behandelten Reisegebiets auf den Niederrhein eine zweite Flusslaufkarte von Coblenz bis Amsterdam und Rotterdam mitgeliefert werden. Zum im Wesentlichen noch Kleinschen Text fĂźr den Flussabschnitt von Mainz bis KĂśln steuerte der Bau-Inspektor von Lassaulx auf 65 Seiten architekturhistorische Berichtigungen und Zusätze zu den dort besprochenen Bauwerken bei, ihre Einarbeitung in den Text selbst war aus ZeitgrĂźnden nicht mehr mĂśglich gewesen. Unter der Redaktion von Karl Baedeker wurden Abschnitte Ăźber den Flusslauf von StraĂburg bis Mainz und von KĂśln bis Amsterdam und Rotterdam mit der Beschreibung der wichtigeren holländischen Städten hinzugefĂźgt, ebenso AusflĂźge u. a. zu Mosel und Nahe, in die Bäder des Taunus, nach Aachen und Spa. Sie sollten das Buch fĂźr den Reisenden brauchbarer machen und wurden deshalb schon in einer deutlich knapperen, auf das Wesentliche beschränkten Sprache verfasst, die sich wenig später zum sprichwĂśrtlichen Baedeker-Stil entwickeln sollte. Als Anhang wurden Preisangaben zur rheinischen Dampfschifffahrt und zu den so genannten Eiljachten auf der Mosel zwischen Trier und Koblenzcite-ref-6[6] geliefert. Die beiden dafĂźr bis 1841 auf der Mosel eingesetzten hĂślzernen Schiffe, âStadt Trierâ und âMosellaâ, mussten aufgrund des noch unregulierten Flusses mit häufig nur geringem Tiefgang zum groĂen Teil getreidelt werden. SchlieĂlich gab es noch eine Aufstellung der wichtigsten GasthĂśfe und Wirtshäuser am Rhein von StraĂburg bis Rotterdam, an Mosel, Ahr und Nahe sowie in den Taunusbädern.
Der schmucklose braune oder blau-grĂźne Leinenband im Format 17 Ă 11 cm trug nur ein aufgeklebtes RĂźckenschild mit der Titelangabe âKleinâs Rheinreise. Zweite Auflage.â.
⢠VĂśllige Neubearbeitung von Kleins âRheinreiseâ durch Karl Baedeker 1839 im Biedermeier-Einband
1839 erschien bereits die dritte Auflage der Rheinreise (D 2).cite-ref-8[8] Der beschriebene Reiseweg war von StraĂburg bis DĂźsseldorf wieder verkĂźrzt worden, und dementsprechend hielt der Autor auch nur noch eine Karte des Rheinlaufs, allerdings nur von Mainz bis KĂśln (Lithographische Anstalt von J. Lehnhardt in Mainz), fĂźr nĂśtig; an den zwĂślf Umrisszeichnungen der Vorauflagen wurde aber festgehalten.
Im Vorwort wies Karl Baedeker ausdrĂźcklich darauf hin, dass diese Auflage trotz des Vorhandenseins einer Anzahl von Exemplaren der Vorauflage erscheine. Der Autor wolle mit dieser Ausgabe vor allem den praktischen Bedarf der Reisenden befriedigen und diesem Winke geben, die âihm MĂźhe, Zeit und Geld zu sparen geeignet sindâ â ein konzeptioneller Grundgedanke der Baedeker-ReisefĂźhrerproduktion, der sich durch alle späteren Titel zieht und so immer wieder vom Verlag den einzelnen Ausgaben vorangestellt ist. So schrumpfte das Format auf handliche 14,7 Ă 9,7 cm, das Buch konnte also in der Rocktasche mitgefĂźhrt werden. Erstmals gab es zeitgleich mit den neuen Baedeker-Bänden fĂźr Belgien und Holland aus demselben Jahr einen gelben, von David Levy Elkan gezeichneten Biedermeiereinband in Pappe mit Rheinmotiven. Abgebildet wurden u. a. die Wappen der damals fĂźnf deutschen Rheinuferstaaten, berĂźhmte Aussichtspunkte und in Tracht gekleidete Landmädchen aus Rheingegenden.
Diesen Band hatte Karl Baedeker inhaltlich und typografisch grundlegend Ăźberarbeitet und den Text insgesamt deutlich gestrafft. Die inhaltliche Ăberarbeitung stĂźtzte sich auf das ReisefĂźhrerkonzept des Londoner Autors und Verlagsbuchhändlers John Murray fĂźr dessen seit 1837 auf dem ReisefĂźhrermarkt präsenten Band fĂźr SĂźddeutschland Southern Germany. Baedeker erklärte dazu im Vorwort zu seinem 1842 fĂźr Deutschland und Ăsterreich aufgelegten Reisehandbuch (siehe unten), dass das so genannte ârothe Buchâ (A Handbook for Travellers on the Continent, A Handbook for Travellers in Southern Germany)cite-ref-9[9], mit dem er die Engländer, als das vorzugsweise reisende Volk stets umherwandern sah, ihn auf die Idee fĂźr die Neugestaltung der Rheinreise und der ebenfalls 1839 erschienenen Bände fĂźr Belgien und Holland nach den Prinzipien der Murrayschen HandbĂźcher fĂźr Reisende gebracht habe. An der eigentlich obsolet gewordenen Autorenangabe âJ. A. Kleinâ hielt Baedeker gleichwohl weiter fest, weil der Titel auf dem Buchmarkt so eingefĂźhrt war und er sich damit â noch â bessere Verkaufschancen versprach.
⢠Weitere Auflagen der âRheinreiseâ (âRheinlandeâ) von Karl Baedeker
Der erst 1856 durch das Baedeker-Rot abgelĂśste Biedermeiereinband wurde bei der 5. Auflage von 1846 (D 4) nochmals Ăźberarbeitet. An die Stelle der Wappen und allegorischen Darstellungen traten nun ebenfalls Bauwerke des Rheinlands. Ab 6. Auflage von 1849 (D 5) war neben dem ursprĂźnglichen Autor âK. Bädekerâ als Bearbeiter genannt; und erst bei der folgenden 7. Auflage von 1852 (D 6) war J. A. Klein gar nicht mehr auf dem Titelblatt zu finden. Bis 1858 (D 9) hatte die Rheinreise, ab 1854 (von 1854 bis 1856 mit Illustrationen im Eisenblaudruck) unter dem Titel Rheinlande (D 7a), der bis 1931 Verwendung finden sollte, und nun bis zur holländischen Grenze reichend, 10 Auflagen erreicht. Die Folgeauflage von 1860 (D 10) erschien dann schon unter der Ăgide von Ernst Baedeker.
Die bereits 1829 in einer Bildfolge erschienenen Umrisszeichnungen von Johann Adolf Lasinsky wurden den Ausgaben von 1835 bis zumindest 1846 beigegeben; ab 1849 ist auf diesen nur noch die âLitho. Anst. v. Wagner u. Kohl, Darmstadtâcite-ref-10[10], ohne Angabe eines KĂźnstlers genannt. 1860 wurden die Umrisszeichnungen zunächst mit Vollzeichnungen gemischt, bevor sie zugunsten letzterer wegfielen. Die Anzahl der Illustrationen schwankte zwischen 12 und 16. Ab 1866cite-ref-11[11] wurde bei diesem Band auf jegliche Illustration durch Ansichten verzichtet.
Moselreise
1835 wurde ein Auszug aus der 2. Auflage der Rheinreise, die Textseiten 309 bis 372, als gesonderter Band unter dem Titel Moselreise (D 34) verlegt, der den Fluss von Trier bis Koblenz beschreibt und mit geschichtlichen Bemerkungen ergänzt wird. Nur zwei weitere Auflagen folgten 1839, ergänzt durch Vorbemerkungen und eine Karte, und 1846, zusätzlich noch durch einen Plan. Zu Ăbersetzungen kam es nicht.
Bad Bertrich
Erst sehr spät wurde in der Bibliothek des British Museum noch eine kleine Baedeker-Ausgabe von 1847 Bad Bertrich im Uesbachthale an der Mosel (D 37) entdeckt, zu der Alexander von Humboldt eine in Briefform gefasste Einleitung geschrieben hatte.cite-ref-12[12] Dieser Band behandelte auf 128 Seiten und einer âSituationskarteâ den in der Eifel gelegenen Ort Bad Bertrich mit seinen Heilquellen und wĂźrdigte den Geognosten Ernst Heinrich von Dechen. Inzwischen liegen fĂźr das Bändchen Katalogisierungen von mehreren Ăśffentlichen Bibliotheken vor.cite-ref-13[13] Der im Band Rheinreise von 1849 erwähnte Titel fand keine Folgeauflage, entsprach er doch auch nicht dem endgĂźltigen Konzept Karl Baedekers, mit seinen ReisefĂźhrern grĂśĂere Reisegebiete und ansonsten nur europäische Hauptstädte, die touristisch besonders attraktiv sind, in Einzelausgaben zu bearbeiten.
Holland und Belgien
Noch im Jahr 1839 erweiterte der Verlag sein Angebot zunächst um den mit 2 Karten ausgestatteten Band Belgien (D 262)cite-ref-14[14], das 1830 als neues KĂśnigreich auf der europäischen Landkarte erschienen war. Technik- und kulturgeschichtlich äuĂerst interessant ist der in der fĂźnften Auflage von 1853/1855 (D 266a-c)cite-ref-belgienxv-15-0[15]cite-ref-16[16] enthaltene Abriss des belgischen Eisenbahnwesens, der die gesetzlichen Grundlagen, den Ausbau und die Struktur des Schienennetzes, die Beschaffung des rollenden Materials und die Fahrpreise umfasst. Sogar die Durchschnittsbeschaffungskosten fĂźr die Dampflokomotiven (37.500 bfr) oder Waggons (2428 bfr) sind angegeben. Dabei wurden den belgischen Streckenkosten vergleichend auch diejenigen fĂźr die deutschen und englischen Hauptstrecken in Taler-Beträgen gegenĂźbergestellt. Die AusfĂźhrungen waren sicher auch eine Hommage an das erste kontinentaleuropäische Land mit einer Eisenbahnlinie (5. Mai 1835: Mechelen-BrĂźssel), aber sind vor allem ein Beleg dafĂźr, welch immensen Stellenwert der Autor dem noch jungen Verkehrsmittel beimaĂ, erĂśffnete es doch dem Reisenden ein ungleich billigeres, rascheres und bequemeres Fortkommen zu den in den Baedekern beschriebenen Reisezielen und erhĂśhte damit letztlich auch den Bedarf an ReisefĂźhrern. Freilich schoss Karl Baedeker ein wenig Ăźber das Ziel hinaus, wenn er bei der Abhandlung zur Benutzung der Eilwagen (Diligencen und Messagerien [Botenfuhrwerke]) angibt, dass âalle grĂśssern Strassen, die noch nicht durch Eisenbahnen nutzlos geworden sind, ⌠täglich mehrfach von solchen Eilwagen befahren (werden)âcite-ref-belgienxv-15-1[15] â das Kraftfahrzeug, das sich 100 Jahre später bei einer neuen Baedeker-Generation zur Basis des Fernreisens aufschwingen und die StraĂen schlieĂlich bevĂślkern sollte, war eben noch nicht erfunden.
SchlieĂlich erschien dann auch noch 1839 im gelben Biedermeier-Einband erstmals der Band Holland (D 259) mit einem EinfĂźhrungstext von XXXI (31) und einem Hauptteil von 210 Seiten, dem nur eine Karte beigegeben war. Bis 1854 folgten zwei weitere Auflagen (1845, 2. Auflage: D 260,cite-ref-17[17] und 1854, 3. Auflage: D 261b), der Umfang war auf XXXVIII (38) bzw. 216 Seiten mit fĂźnf Plänen angewachsen.
Beide Biedermeier-Einbände wurden von David Levy Elkan gestaltet, wobei nur der Holland-Band den Gestalter ausweist.
Deutschland und Ăsterreich
Deutschland und der
Ăsterreichische
Kaiserstaat
(1842, D 38)
Gesamtband
1842 erlebte die bis in die 1930er Jahre in vielen Modifizierungen fortgefĂźhrte Beschreibung der Reisegebiete Deutschland und Ăsterreich mit dem Band Deutschland und der Oesterreichische Kaiserstaat (D 38)cite-ref-18[18] ihren Auftakt. Der voluminĂśse Band im Format 155 Ă 100 mm, dessen Routenbeschreibungen im Osten bis Lemberg (heute: Lwiw) und Tilsit (Sowetsk), im SĂźden bis nach Venedig, Pesth/Ofen und Triest/Pola, im Westen bis Aachen sowie im Norden bis Hamburg und zur Insel RĂźgen reichten, gab mit reichlich 600 Seiten, 8 Stadtplänen, darunter Wien, Prag und Berlin, und einem Ortsverzeichnis seinen Einstand. Noch keine Beschreibung erfuhren die HerzogtĂźmer Schleswig und Holstein, da diese bis zum Deutsch-Dänischen Kriegs 1864 mit dem KĂśnigreich Dänemark verbunden waren; gleichwohl wird aber Holstein (Kiel, PlĂśn, Rendsburg etc.) samt einem Ausflug nach Kopenhagen schon in der 3. Auflage von 1846 behandelt. Die auf dĂźnnes Leinen gedruckte Karte Deutschland und anliegende Länder mit den HauptstraĂen nebst Entfernungsangaben hatte Adolf Stieler bereits 1820 gezeichnet; sie war berichtigt nach dem Stand der Postkarte von Franz M. Diez, wurde hier aber nur schwarz/weiĂ gedruckt.cite-ref-19[19] Der Band mit goldfarbener Titelei ist bislang in â zum Ausbleichen neigendem â rosafarbenen, seltener auch grĂźnlichen, Leinen bekannt. Die Buchdeckel wurden mit einem längere Zeit verwendeten Kassettenrahmen versehen.
Schon 1844 folgte die 2., sehr verbesserte Auflage (D 39) im braunen Leineneinband. Auch die Reisekarte war noch einmal auf dßnnes Leinen gedruckt. Hinzu waren Pläne von Mailand und Venedig gekommen. Beide Städte fielen allerdings im Zuge der Italienischen Unabhängigkeitskriege bald an das KÜnigreich Italien, Mailand schon 1859 nach dem Sardinischen Krieg und Venedig im Frieden von Wien 1866, so dass sie bald danach nicht mehr in den deutsch-Üsterreichischen Gesamtbänden beschrieben wurden.
Zum Vergleich:
John Murrays
Hand-Book [...]
Northern Germany
(1841)
Bei beiden Bänden lehnte sich Baedeker gestalterisch (Einbandbeschriftung, Verwendung von Zierelementen und Reisekarte) und inhaltlich noch stark an die Werke des englischen Reisebuchautors John Murray an (z. B. Northern Germany, 2. Aufl., 1838cite-ref-21[21]), wies aber in seinen Vorworten darauf hin, dass die spezifischen BedĂźrfnisse des deutschen Reisepublikums eine erhebliche Ăberarbeitung der Texte mit sich brachte, so dass letztendlich ein doch durchaus eigenständiges Werk von ihm geschaffen worden sei. Auch hatte er das Buchformat fĂźr eine bessere Handhabbarkeit verkleinert. Es bestand in jener Zeit aber auch eine gewisse Wechselwirkung: In den dem Handbuch fĂźr den Reisenden auf dem Kontinent (Northern Germany) von 1845 (5., berichtigte und erweiterte Auflage) vorangestellten Notizen (Notices) wĂźrdigte Murray Baedeker als einen fähigen Buchhändler aus Coblenz, von dessen deutscher Ăbersetzung seiner FĂźhrer er wiederum selbst beträchtlichen Nutzen gezogen habe, da Baedeker als sorgfältiger Herausgeber groĂe Teile Deutschlands bereist und entsprechende Ergänzungen vorgenommen hat, die wiederum in die Murrays einflossen.cite-ref-22[22] Bei der Ausstattung mit Stadtplänen war Karl Baedeker aber Vorreiter. Zur besseren Orientierung der Reisenden hatte er schon in die erste Auflage fĂźr Deutschland und Ăsterreich von 1842, wie schon beschrieben, Stadtpläne aufgenommen. Murray folgte bei seinen Bänden fĂźr Kontinentaleuropa erst später; allerdings legte er zusammen mit JĂźgel (Frankfurt am Main) 1840 einen gesonderten Band mit Karten und vielen Plänen unter anderen der wichtigsten Städte in Deutschland auf.cite-ref-23[23] In der 5. Auflage des Bandes fĂźr Kontinentaleuropa und Norddeutschland von 1850 (Hand-Book for Travellers on the Continent [...]) sind dann auch sechs Stadtpläne fĂźr die wichtigsten Städte zu finden. Die Ausstattung mit von Auflage zu Auflage wachsender Anzahl von Karten und Plänen entwickelte sich zu einem der prägenden Elemente der Baedekerschen ReisefĂźhrerproduktion; sie ist dann auch bei den anderen ReisefĂźhrerreihen zu finden.
Deutschland und der
Ăsterreichische
Kaiserstaat
(1847, D 40b)
In der dritten Auflage von 1846 (D 40a), deren Einband noch an die MurrayâBände erinnert, fĂźhrte Baedeker die legendären Sterne als Hinweis fĂźr den Leser auf bemerkenswerte SehenswĂźrdigkeiten ein. Beim im Format etwas vergrĂśĂerten Einband von 163 Ă 108 mm hatte nun das so prägnante âBaedekerâRotâ Einzug gehalten; es kommen allerdings auch noch Bände in dem fĂźr die 2. Auflage von 1844 verwendeten braunen Leinen vor. Die Sterne und die rote Einbandfarbe folgten wieder dem englischen Reisehandbuch von Murray. Die Reisebeschreibungen wurden insbesondere um den schon erwähnten Ausflug nach Kopenhagen und ein Inhaltsverzeichnis mit den Reiserouten ergänzt; bei der Beschreibung Triests findet nun auch die aufstrebende, 1836 gegrĂźndete Reederei Ăsterreichischer Lloyd Erwähnung. In der Auflage 3b von 1847 (D 40b) standen den Reisenden auch erstmals kleine Spezialkarten fĂźr einzelne Reisegebiete (hier: Harz, Sächsische Schweiz, Riesengebirge und Salzkammergut) zur VerfĂźgung.
Ăsterreich, SĂźd- und West-Deutschland (I) sowie Mittel- und Nord-Deutschland (II)
Um seinen Anspruch, mĂśglichst handliche ReisefĂźhrer anzubieten, teilte Karl Baedeker bereits 1851 den Gesamtband Deutschland-Kaisertum Ăsterreich, der bis Ende der 1850er Jahre bereits auf Ăźber 800 Seiten anschwellen sollte (1858, 8. Auflage, D 45) und damit recht unhandlich war, zusätzlich in die Bände Ăsterreich, SĂźd- und West-Deutschland (Teil I, D 53) und Mittel- und Nord-Deutschland (Teil II, D 95). Bis 1858 war unter Mitzählung der Gesamtbände jeweils die 8. Auflage erreicht worden war. Die beigefĂźgten Eisenbahnkarten dokumentieren mit ihren von Auflage zu Auflage stets vorgenommenen Aktualisierungen den rasanten Aufbau des Fernbahnnetzes in Deutschland und Ăsterreich in jener Zeit.
1859 erschien noch die 9. Auflage von Mittel- und Nord-Deutschland (Teil II, D 100); es sollte der letzte, unter der Ăgide von Karl Baedeker â er verstarb in jenem Jahr vĂśllig Ăźberraschend an einem Herzinfarkt â redigierte Band werden. Der entsprechende Band fĂźr Ăsterreich, SĂźd- und West-Deutschland (Teil I, D 58) und die Gesamtausgabe (D 46) wurden erst 1860, nach seinem Tod ausgeliefert.
Ăsterreich(-Ungarn)
Parallel zu den vorgenannten Bänden offerierte der Verlag den Reisenden, die ausschlieĂlich das Ăśsterreichische Kaiserreich bereisen wollten, ab 1853 auch einen Band Ăsterreich (D 172). Er umfasste das Gebiet Ăsterreich-Ungarns einschlieĂlich des ab 1866 zu Italien gehĂśrenden Venetiens, Dalmatiens sowie â in späteren Auflagen â der 1908 von Ăsterreich-Ungarn annektierten Gebiete Bosniens und der Herzegowina.
SĂźdbayern etc. (1855, D 132)
SĂźdbayern, Tirol und Salzburg, Ober-Italien
1855 wurde aus der 6. Auflage des Gesamtbands der die deutsch-Üsterreichische Alpenregion und Norditalien (Mailand, Venedig) betreffende Teil einer erweiterten Bearbeitung unterzogen und erschien erstmals unter dem Titel Sßdbayern, Tirol und Salzburg, Ober-Italien, der auf dem Einband in kursiver Schreibschrift ausgefßhrt war,cite-ref-27[27] gesondert. Der mit einem XII-seitigen Einfßhrungsteil, 220 Seiten Hauptteil und zunächst nur mit drei Karten ausgestattete Band erlebte mit dem zunehmenden Alpentourismus bis 1914 30 Folgeauflagen, zuletzt mit einem Gesamtumfang von 703 Seiten, 75 Karten und 11 Panoramen.
Schweiz
1844 folgte das im gelben Biedermeierpappband aufgebundene Reisehandbuch Schweiz (D 289) und umfasste neben einem schon recht umfangreichen Textteil von 567 Seiten zunächst nur eine Schweizkarte und das Panorama des Bergmassivs Rigi. 1848 bis 1852 (2. bis 4. Aufl.) wurde der Band in jeweils unterschiedlichem Biedermeiermuster in rotem Leinen ausgeliefert. Auf einer farbigen Tafel vor dem Titel umrahmten ab 1851 (bis 1867) die Kantonswappen einen Reisläufer; 1852 wurde die Gestaltung ßberarbeitet und durch die Landesbezeichnung ergänzt. Erst jetzt erscheint Karl Baedeker als Autor auch auf dem Titelblatt. Sein Lieblingsprojekt hatte es bis zu seinem Ableben auf 8 Auflagen gebracht (D 296a). Das neue stilistische Konzept der Textverknappung hatte nun zu einer Seitenreduzierung auf nur noch rund 450 gefßhrt, gleichzeitig war der Band aber schon mit 7 Karten und 9 Plänen, 2 Bergansichten und 2 Panoramen sowie 16 Umrissansichten ausgestattet worden.
Paris
Als letztes deutschsprachiges Werk des GrĂźnders der Reihe erschien nach achtjährigen Vorarbeiten schlieĂlich 1855 Paris und Umgebung (D 329) zwar termingerecht zur groĂen Pariser Weltausstellung, allerdings hatte Baedeker dieses Ereignis in den Text nicht mit eingearbeitet, sondern reagierte darauf mit einem in der Pariser Druckerei W. Remquet und Comp. hergestellten gesonderten Doppelblatt als Einlage.cite-ref-28[28] Mit diesem wurde u. a. das System des Pariser Omnibus-Verkehrs erläutert. Bei diesem Band (D 329) hatte Karl Baedeker erstmals einen aus drei zusammengefalteten Streifen (Nord-Mitte-SĂźd) bestehenden Stadtplan verwendet â einen Plantyp, der als kartographische Ergänzung auch bei den Beschreibungen von London ab 1862, Rom ab 1866 und Berlin ab 1878 langjährig verwendet werden sollte.
Bände auf FranzÜsisch
Le Rhin (1852, 2. Aufl.)
⢠Le Rhin
Der FirmengrĂźnder bearbeitete insgesamt drei Bände in franzĂśsischer Sprache. Teilweise handelte es sich inhaltlich um weitestgehende Ăbersetzungen deutschsprachiger Ausgaben, andere Bände hatten einen eigenständigeren Text. Da Baedeker die Rheinreise bereits 1832 in der franzĂśsischen Ăbersetzung als Voyage du Rhin (F 1) unter dem eigenen Verlagsnamen auf den Markt gebracht hatte, muss dieser Band sogar als die eigentliche Geburtsstunde des âBaedekerâ betrachtet werden. Ihr folgte 1846 Le Rhin de Bâle Ă Dusseldorf. Der Band erschien bis Mitte der 1850er Jahre in einem im Biedermeierstil gestalteten gelben Pappband. Dieser war vollständig bedruckt mit Landschaftsansichten und Abbildungen prägnanter Bauwerke, wie dem noch unvollendeten KĂślner Dom, den Domen von Speyer und Worms sowie der Heidelberger Schlossruine und den Denkmälern von Goethe in Frankfurt und Gutenberg in Mainz (Abbildungen) mit franzĂśsischer Beschriftung. Teilweise wurde auch deutschsprachig gedrucktes Einbandpapier verwendet, das fĂźr die Titelei mit Aufklebern in FranzĂśsisch versehen wurde (so z. B. F 3, 1852). Dieser Band erlebte zu Lebzeiten Baedekers in den Jahren von 1852 bis 1859 noch vier Folgeauflagen (F 2-5). Ab 1859 trug er den Titel Bords du Rhin. Allen Ausgaben waren neben Karten des Rheinlaufs und Stadtplänen noch Ansichten beigegeben.
⢠Suisse und La Hollande et la Belgique
Die 1852 folgende Ausgabe Suisse (F 41) im roten Biedermeiereinband, die bis 1859 vier Auflagen erleben sollte, enthielt neben 4 Stadtplänen, 2 Karten und 16 Ansichten zusätzlich zwei Panoramen vom Faulhorn und vom Rigi. Die Ăbersetzung lieferte der Baseler Universitätsprofessor C. F. Girard. Später sollte sich die Anzahl der Panoramen auf 15 (1928) erhĂśhen. Kurz vor seinem Tode konnte Karl Baedeker schlieĂlich noch den Band La Hollande et la Belgique (F 71) vollenden, der von 1859 bis 1910 im Verlagsprogramm war.
Inkognitoreisen Karl Baedekers
Karl Baedeker hatte viele seiner beschriebenen Reisewege und Aufenthaltsorte noch selbst absolviert beziehungsweise besucht. Dabei reiste er wohl mit behÜrdlicher Billigung zumeist inkognito, um einen unvoreingenommenen Eindruck von den Hotels und Gasthäusern zu erhalten, wie aus einer Zeitungsnotiz ßber seinen Besuch in Gotha im Jahre 1857 hervorgeht.cite-ref-29[29]
Karl Baedeker als Pionier moderner ReisefĂźhrer im deutschsprachigen Raum
Mit seinen ab Ende der 1830er Jahre neu konzipierten ReisefĂźhrern (Rheinreise, Belgien, Holland, Deutschland/Ăsterreich sowie Schweiz), war Karl Baedeker im deutschsprachigen Raum ein Pionier auf diesem Gebiet. Erst 1850 erschien Theobald Griebens âGriebens Reise-Bibliothekâ, die später mit ihren preiswerten gelb-blauen Broschurausgaben auch eine sehr weite Verbreitung finden sollte. Die zumeist in braunen Leinenausgaben mit goldfarbener Titelei im Verlag des Bibliographischen Instituts in Gotha erschienenen, von Herrmann Julius Meyer begrĂźndeten âMeyers ReisebĂźcherâ kamen erst von 1862 (bis 1936) auf den Markt und noch später, nämlich 1878, begrĂźndete Leo Woerl seine ReisehandbĂźcher.
Von Ernst Baedeker von 1859 bis 1861 bearbeitete Bände
Neue Ausgaben
Nach dem Tod Karl Baedekers am 4. Oktober 1859 Ăźbernahm sein 1833 geborener Sohn Ernst, der im Rahmen seiner Ausbildung auch in London bei der Firma Williams & Norgate, einem späteren Partnerunternehmen des Baedeker-Verlags, tätig war, das Verlagsgeschäft. In seiner kurzen Tätigkeitszeit bis zu seinem Ăźberraschenden Ableben am 23. Juli 1861 konnte er jedoch neben dem Band Ober-Italien in deutscher (D 355) und franzĂśsischer Sprache (F 91) sowie L'Allemagne (F 20) nur noch den ersten englischsprachigen Titel, The Rhine (E 1), auf den Weg bringen; auĂer L'Allemagne (1860) kamen die Novitäten sämtlich 1861 in den Buchhandel. Bereits 1853 war Heinrich Ritter (1837â1917) in den Verlag eingetreten, 1862 Prokurist und 1878 Teilhaber geworden; er sollte bis zum Ersten Weltkrieg maĂgeblich an der Herausgabe der ReisefĂźhrer mitwirken.
FortgefĂźhrte Titel
Während Ernst Baedekers Verlagsleitung wurde das von seinem Vater aufgebaute ReisefĂźhrerprogramm fortgefĂźhrt. So erschienen in deutscher Sprache die Rheinlande (D 10, 11. Auflagecite-ref-30[30]), wobei in dieser Auflage, die beigegebenen Ansichten teilweise noch als Umrisszeichnungen aber auch schon als Lithographien ausgefĂźhrt sind, sowie Deutschland (D 47a), Ăsterreich, SĂźd- und West-Deutschland (D 59a) und Mittel- und Nord-Deutschland (D 101a) â jeweils in 10. Auflage â, SĂźdbayern (D 135 und 136a, 9. cite-ref-31[31] und 10. Auflage), Ăsterreich und Ober-Italien (D 176, 9. Auflage), Belgien und Holland (D 268, 7. Auflage), die Schweiz (D 296, 8. Auflage) und Paris (D 331, 3. Auflage). In FranzĂśsisch gab es Le bords du Rhin (F 5, 4. Auflage) sowie La Suisse (F 44) und La Hollande et la Belgique (F 71), beide in 5. Auflage.
Kooperation mit John Murray
Ab 1860 bestand eine Kooperationsabsprache mit dem englischen Verleger John Murray, der 1836 mit der VerĂśffentlichung einer ReisefĂźhrerreihe begonnen hatte. Danach vertrieb dieser Baedeker-Bände in England zu einem hĂśheren Preis (vier Schilling sechs Pence) als in Deutschland (umgerechnet vier Schilling). Im Gegenzug vertrieb Baedeker unter anderen Murrays Handbook for Northern Germany in Deutschland. Später, ab 1878 bis 1918, wurden die englischsprachigen Bände von den aus Schottland stammenden BrĂźdern James und Findlay Muirhead herausgegeben, die danach ein eigenes ReisefĂźhrerprojekt, die noch heute auf dem Markt befindlichen Blue Guides (âBlauer FĂźhrerâ), realisierten.cite-ref-32[32]
Von Karl Baedeker junior und Fritz Baedeker von 1861 bis 1914 bearbeitete Bände
Vorbemerkungen
⢠Umzug nach Leipzig
Der 1837 geborene Karl Baedeker junior musste nach dem frĂźhen Tod seines Bruders Ernst den Verlag Ăźbernehmen. Am 1. März 1869 wurde auch sein Bruder Fritz (1844â1925) Teilhaber des Verlages. Die elterliche Sortiments-Buchhandlung wurde 1870 verkauft, um im Gegenzug das Verlagsgeschäft mit den immer erfolgreicheren ReisefĂźhrern auszubauen. Beide BrĂźder verlegten den Verlagssitz 1872 aus der rheinischen Provinzstadt Koblenz in die damalige deutsche Buchhandelsmetropole Leipzig, zunächst in die KĂśnigstraĂe 8 (heute: GoldschmidtstraĂe), 1877 in die NĂźrnberger StraĂe 43b (später: 46); die Buchauslieferung befand sich zuvor schon in der NĂźrnberger StraĂe 23.cite-ref-33[33] Bereits 1867 war Paris und Nordfrankreich zur Weltausstellung in der 6. Auflage erschienen.
Aber schon 1877 ereilte Karl Baedeker junior eine psychische Erkrankung, die eine weitere Mitarbeit im Verlag ausschloss, so dass Fritz Baedeker 1878 die weitere Firmenentwicklung und das Verlagsprogramm allein prägte. Insbesondere sein Verdienst ist die Entwicklung des sachlich-knappen âBaedekerstilsâ, bei dem unter Konzentration auf die wesentlichen Informationen jegliche Textredundanz entfiel. GroĂes Augenmerk legte er auch auf die Verbesserung des Kartenmaterials. Angesichts der im Verlag weit gesteckten Pläne zu Ausgaben fĂźr Fernreiseziele war die bisherige Vorgehensweise, zur Gewinnung der Reiseinformationen die Routen im Wesentlichen durch den Verlagsinhaber selbst zu absolvieren und nur im Ausnahmefall auf sachkundige Gewährspersonen zurĂźckzugreifen, nicht mehr durchfĂźhrbar. Es mussten dafĂźr nun vor allem externe Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen Ăźber die zu bearbeitenden Gebiete gewonnen werden.
⢠Informationsbeschaffung fßr die Reisefßhrer
In der FrĂźhzeit der BaedekerâProduktion wurden die fĂźr eine zuverlässige Reiseplanung der Benutzer notwendigen Informationen im Reisehandbuch zu einem noch relativ groĂen Teil durch Inaugenscheinnahme durch den Verlagsinhaber beschafft. So unternahm der VerlagsgrĂźnder Karl Baedeker sehr viele Reisen durch Deutschland, die Schweiz, Belgien und Holland sowie nach Paris selbst, um sich ein zuverlässiges Bild von den touristischen Gegebenheiten vor Ort zu verschaffen. Seine Nachfolger waren aufgrund der inzwischen eingetretenen weiteren Auffächerung der behandelten Reisegebiete schon Ăźberwiegend auf Angaben Ăśrtlicher Gewährsleute oder Berichte und die Vorlage von Rechnungen fĂźr UnterkĂźnfte etc. von Reisenden, die dem Verlag als verlässlich bekannt waren, angewiesen. So teilte beispielsweise auf einer Postkarte vom 20. März 1897 der in Uleaborg ansässige schwedische Konsul Victor Emil HĂśckert (1852â1917) dem Verlag in franzĂśsischer Sprache u. a. Angaben zum franzĂśsischen Konsulat und zu im Ort ansässigen Hotels mit. Diese flossen in den Inhalt der Baedeker RuĂland (1897, D 460) und Russie (1897, F 211) ein.
⢠FranzÜsischsprachige Titel
Die franzĂśsischsprachigen Titel wurden laut Titelblattangaben ab 1883 in Kooperation mit dem Pariser Buchhändler und Verleger Paul Ollendorff herausgegeben. Er hatte sein Geschäftslokal zunächst in Paris, Rue de Richelieu 28bis. FĂźr seine verlegerischen Aktivitäten grĂźndete er 1898 die SociĂŠtĂŠ d'Ăditions littĂŠraires et artistiques und verlegte sein Unternehmen in die ChaussĂŠe d'Antin 50. Laut Werbeblatt der Gesellschaft zeichnete Ollendorff auch fĂźr den Vertrieb der englisch- und deutschsprachigen Ausgaben verantwortlich.
Bände fßr deutschsprachige Reisegebiete
⢠Deutschland und Ăsterreich in einem Band
Der erstmals 1842 edierte Gesamtband fĂźr Deutschland und Ăsterreich wurde weiter aufgelegt, erfuhr aber aufgrund seiner zunehmenden Unhandlichkeit durch die seit 1851 zusätzlich angebotenen beiden Teilbände I und II eine deutliche Reduzierung seiner Verkaufszahlen und ist dementsprechend heute nicht mehr allzu häufig zu finden, zumal die nicht sehr robuste Einbindung durch die hohe Seitenzahl bei häufigerem Gebrauch in Mitleidenschaft gezogen wurde, so dass die lädierten Bände häufig entsorgt wurden. FĂźr die in ihm enthaltenen Teilbände I und II, die jeweils eine eigene Seitenzählung hatten, wurden neben dem Gesamttitelblatt zusätzliche separate Titelblätter, EinfĂźhrungen und Ortsverzeichnisse verwendet. Letztmals erschien der Band 1872 in 15. Auflage (D 52) mit einem recht unhandlichen Ăźber 1000-seitigen Umfang, rechnet man die zahlreichen Karten und Pläne hinzu. Zu einer Neuauflage des Deutschland-Bandes, aber nun ohne Ăsterreich und dadurch nur noch mit einem halb so groĂen Umfang, kam es 1906 unter dem Titel Deutschland in einem Bande (D 223). Er sollte bis 1913 drei Auflagen erleben und auch nach 1918 bis 1936 (6. Auflage) seine Fortsetzung finden. In einigen Bänden der dritten Auflage von 1913 (D 225) ist die Beilage fĂźr âDie Internationale Baufach-Ausstellung in Leipzig 1913â (Doppelblatt nebst Plan des Ausstellungsgeländes) zu finden.
⢠Teilbände I und II fĂźr Deutschland und Ăsterreich
Ab 1872 (D 64) trug der in 15. Auflage erschienene Teilband I den Titel SĂźd-Deutschland und Ăsterreich. Bereits 1873 folgte wegen der Wiener Weltausstellung die 16. Auflage (D 65). Sie erhielt dazu einen Anhang âDie Wiener Weltausstellung von 1873â und wurde im Stadtplan Wiens mit einer nach Osten um das Ausstellungsgelände erweiterten Abbildung des Praters versehen; spätere Ausgaben haben dann wieder die ursprĂźngliche PlangrĂśĂe.
Seit der 21. Auflage von 1887 wurden die Reisegebiete SĂźddeutschland und Ăsterreich nur noch in separaten Bänden bearbeitet (D 70 ff. und D 84 ff.).
⢠Ăsterreich-Ungarn
Der seit 1853 laufende Separatband Ăsterreich (D 172 ff) wurde fortgefĂźhrt. Von 1873 bis 1913 folgte der Bandname mit Ăsterreich-Ungarn (D 183-196) auch dem beschriebenen Gebiet. Seit 1887 (D 84, 21. Auflage) bot Baedeker den Ăsterreich-Band auch âohne Ungarn, Dalmatien und Bosnienâ an. 1913 kam die 29. Auflage (D 92) heraus.
⢠Sßdbayern
1914 erschien Sßdbayern in der 36. Auflage (D 162), damit erreichte der Band noch vor der Schweiz bis zum Ersten Weltkrieg die hÜchste Auflagenzahl bei den klassischen Baedekern ßberhaupt. Neben einem Gesamtband legte der Verlag fßr Bergwanderer auch eine Variante in fßnf einzelnen Bändchen nebst einem Registerband in einem mit der abgekßrzten Titelei der Ausgabe bedruckten grauen Pappschuber vor, die mit 9 Mark trotz der deutlich aufwändigeren Herstellung nur eine Mark teurer als die Normalausgabe war.
⢠Mittel- und Norddeutschland
Berlin erhielt aufgrund seiner durch die ReichsgrĂźndung gewachsenen Bedeutung als Reichshauptstadt mit der Auflage von 1878 (D 109) eine stark erweiterte Bearbeitung einschlieĂlich eines besonderen, herausnehmbaren Plananhangs; umfangreiches Material zur bedeutenden Museenlandschaft wurde dem Verlag durch den Direktor der Berliner Gemäldegalerie, Julius Meyer, zugearbeitet. Auch lieferte der Arzt Hermann Reimer fĂźr die wachsende Schar gesundheitsorientierter Reisender Hinweise auf Sommerfrischen und Kurorte. Ab 1880 (19. Auflage, D 110) steuerte der Ordinarius fĂźr Kunstgeschichte an der Universität Leipzig, Anton Springer, auch dem Teilband II Mittel- und Norddeutschland, der auf dem Vorderdeckel seit der Vorauflage von 1878 nur noch den Titel Nord-Deutschland trug und im klassischen Leineneinband ausgeliefert wurde, im Vorwort eine bis 1914 im Wesentlichen unveränderte 20-seitige Abhandlung âZur kunsthistorischen Orientirungâ bei, die im 10. Jahrhundert begann und bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts reichte. Zuvor hatte Springer schon Beiträge zu einzelnen Orten, wie Leipzig, beigesteuert.
Aus Umfangsgrßnden musste 1889 in der 23. Auflage der Band Nord-Deutschland nochmals in die Teilbände Nord-West-Deutschland (D 114 ff.) und Nord-Ost-Deutschland (D 123 ff.) aufgegliedert werden, wobei Springers kunsthistorische Einfßhrung beiden neuen Teilbänden beigegeben wurde.
⢠Nord-Ost-Deutschland
Dieser Band enthielt alle Gebiete des Kaiserreichs Ăśstlich der Linie Hof-Leipzig-Wittenberge-Hamburg-Cuxhaven und zusätzlich Berlin, Magdeburg, Brandenburg sowie die nordfriesischen Inseln mit Helgoland. Auch der Ausflug nach Dänemark wurde hier beschrieben. Der 31. Auflage von 1914 (D 131) wurde teilweise die Beilage âDie Internationale Ausstellung fĂźr Buchgewerbe und Graphik (Bugra) in Leipzig vom Mai bis Oktober 1914â (Doppelblatt nebst Plan des Ausstellungsgeländes) beigegeben.
⢠Nord-West-Deutschland
Alle Reichsteile westlich der oben genannten Linie einschlieĂlich der Altmark, des Harzes und ThĂźringens waren hier zugeordnet. Ab 1899 (26. Auflage, D 117) wurden auch Hamburg und die nordfriesischen Inseln mit Helgoland zusätzlich in diesen Band aufgenommen, so dass diese Beschreibungen nun in beiden Teilbänden bis 1914 enthalten waren, was den WĂźnschen der Nutzer nach einer Gesamtbeschreibung der NordseekĂźste auch in diesem Band entgegenkam.
⢠Rheinlande
Aufgrund seiner besonderen touristischen Bedeutung wurde der territorial Ăźbergreifende Band Rheinlande von der 12. (1862, D 11) bis zur 32. Auflage (1912, D 31) fortgefĂźhrt. Waren zuerst noch 12 lithografische Ansichten enthalten, fielen diese 1866 (14. Auflage, D 13) weg. Dagegen wurde die Zahl der Karten und Stadtpläne kontinuierlich erhĂśht von vierzehn bzw. dreizehn auf schlieĂlich 70 Karten und 62 Stadtpläne und Grundrisse (D 31). Auch die englische Ausgabe The Rhine erschien weiter. 1864 erschien sie in 2. Aufl. (E 2) nochmals mit vier Ansichten, die bei den Folgeauflagen wegfielen. Der Kaufpreis von 4 Schilling in GroĂbritannien wurde hier entsprechend der auf der Insel Ăźblichen Buchausstattung auf den BuchrĂźcken gedruckt.
⢠Berlin
Ab 1878 musste ein gesonderter Band fĂźr die Reichshauptstadt, Berlin und Umgebungen (D 200), in das Verlagsprogramm aufgenommen werden, um ein Konkurrenzprodukt vom Verlag Alexius Kiessling, den sog. âBerliner Baedekerâ, abzuwehren. Dieser hatte sich zur Markteroberung einfach der Bekanntheit und Wertschätzung der Baedekerschen Marke bedient. Die Beschreitung des Gerichtswegs wäre zu langwierig gewesen, deshalb wurden bis 1883 zunächst âSeparat-Abdruck[e]â aus Nord-Deutschland (D 109 bis D 111) auf den Markt gebracht.
Der erst mit der vierten Auflage von 1885 (D 203) selbständig bearbeitete Band behandelte auch das nahe gelegene Potsdam mit seinen SchlĂśssern und dem Park von Sanssouci, das die meisten Berlin-Besucher mit aufgesucht haben dĂźrften. Dies spiegelte sich bei den Separat-Ausgaben auch in der Erwähnung Potsdams auf der Titelei des Einbands wider, der 1883 (D 202) auch in einem seltenen Pappband vorkommt, auf den das Titelblatt in einen Zierrahmen eingebettet aufgedruckt wurde; sehr wahrscheinlich waren die roten Standardeinbanddecken ausgegangen, und es musste trotzdem kurzfristig Nachfrage befriedigt werden. Ab der Ausgabe von 1883 ist auch ein Plan der 1865 gegrĂźndeten Berliner Pferdebahnen enthalten, die später von der elektrischen StraĂenbahn abgelĂśst wurde.
Aufgrund der dynamischen Entwicklung Berlins als wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum des Kaiserreichs, das mit einem Anschwellen der Besucherzahlen einherging, erforderte die Nachfrage nach dem Titel bis 1914 (18. Auflage, D 217) einen ungefähr zweijährigen Ausgaberhythmus.
⢠Schweiz
Auch der Schweiz-Band wurde grundsätzlich in einem Zweijahresrhythmus fortgeschrieben; es gab in den 1860er Jahren zeitweise auch eine jährlich aktualisierte Ausgabe. Auch hier fielen die in der neunten Auflage von 1862 (D 297a) noch beigebundenen 9 Ansichten 1864 (10. Auflage, D 298a) weg. Bis 1913 war die 35. Auflage mit nun 77 Karten, 21 Stadtplänen und 14 Panoramen (D 323) erreicht. Der geographische Ăberblick wurde von dem Schweizer Geographen Hermann Walser erstellt.
Ausgaben fĂźr Reiseziele im Ăźbrigen Mitteleuropa
Neben den Ausgaben fĂźr Deutschland und die Schweiz sowie dem Separat-Band fĂźr Ăsterreich-Ungarn, der auch Teile des heutigen Polens (Galizien mit Krakau), Tschechien und die Slowakei umfasste, gab es keine gesonderten Baedeker fĂźr Mitteleuropa. Das weitere polnische Territorium fand im Russland-Band BerĂźcksichtigung, zu dem es bis 1918 staatsrechtlich gehĂśrte.
Ausgaben fĂźr Reiseziele in West- und Nordeuropa
⢠Belgien und Holland
Die Beschreibung der bereits 1858 in einem gemeinsamen Band vereinigten Länder Belgien und Holland erlebte aufgrund der Beliebtheit dieser Reiseziele ab 1861 weitere neunzehn Vorkriegsauflagen. In den frĂźhen Bänden wurde der Kunsthistoriker Karl Schnaase als âGewährsmannâ bei der Beurteilung der beschriebenen Gemälde angefĂźhrt, bevor später Anton Springer, in der Ausgabe von 1914 mit Ergänzungen von Jaro Springer, die ältere niederländische Kunst und Walther Gensel die neuere Kunst beider Länder seit 1800 in kurzen Essays abhandelten. Zuletzt umfasste der Titel Ăźber 550 Seiten und war u. a. mit 18 Karten, 36 Plänen sowie einem StraĂenverzeichnis BrĂźssels ausgestattet.
⢠Paris, ßbriges Frankreich und die Riviera
Fßr Frankreich gab es deutschsprachige Ausgaben weiterhin lediglich fßr den ersten Städteband des Hauses Baedeker, Paris, dessen 1. Auflage von 1855 (D 329) stammte und der bis 1914 in vierzehn Auflagen vorlag. Ab 1865 wurde er auch auf Englisch (E 95) und FranzÜsisch (F 144), beide jeweils in 18. Auflage 1913 bzw. 1914, recht erfolgreich verlegt. Zu in Paris veranstalteten Weltausstellungen wurden den Paris-Bänden in den Jahren 1867, 1889 und 1900 mit Plänen versehene Anhänge lose oder eingebunden beigegeben.
Erst 1889 folgte ein Band fĂźr die auch unter deutschen Touristen immer beliebter gewordene Riviera (D 349, fĂźnf Auflagen bis 1913). Dagegen wurden die Ăźbrigen Landesteile detailliert ab 1884 zunächst nur in franzĂśsischsprachigen Ausgaben vorgestellt. FĂźr Nord-, Central- und SĂźdfrankreich erschienen vor dem Ersten Weltkrieg schlieĂlich die vier Ausgaben Nord-Est (F 178a), Nord-Ouest (F 183), Sud-Est de la France (F 188) und Sud-Ouest (F 193). FĂźr Nord- und SĂźdfrankreich liegen auch englische Ausgaben in sechs Auflagen vor: 1889 wurde mit Northern France (E 115) begonnen, und der ab 1891 auf dem Markt befindliche Band Southern France (E 120) erfuhr von 1895 bis 1898 nochmals eine Aufteilung in einen Ăśstlichen und westlichen Band (South-Eastern- (E 121) und South-Western-France (E 123)).
⢠London und das Ăźbrige GroĂbritannien
Als zweiter Städteband nach Paris folgte anlässlich der Weltausstellung von 1862 der Baedeker London und seine Umgebung nebst Reiserouten vom Continent nach England und zurĂźck (D 420), der zunächst nur AusflĂźge in die nähere Umgebung von London, wie zum Crystall-Palast zu Sydenham, nach Hampton-Court oder Windsor, beschrieb und teilweise mit einem Anhang zur Weltausstellung ausgeliefert wurde. Die 1866 erschienene Folgeauflage (D 421) dehnte die Reisebeschreibungen schon aus auf SĂźdâEngland, Wales und Schottland, fĂźr das eine zusätzliche Karte sowie Pläne von Edinburgh und Glasgow unter gleichzeitigem Verzicht auf die Pläne der kontinentaleuropäischen Ausgangsorte fĂźr die KanalĂźberquerung beigegeben wurden. Die Erweiterungen erfolgten weiter bis zur achten Auflage des London-Bands von 1884. Danach wurde die allgemeine Beschreibung GroĂbritanniens von derjenigen Londons abgetrennt, und es erschien 1889 die erste Auflage von GroĂbritannien, die auch Irland mit umfasste (D 437); die ausfĂźhrliche Architekturgeschichte Englands verfasste Edward Freeman. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges erschienen insgesamt 17 Auflagen der Ausgabe fĂźr London und vier fĂźr GroĂbritannien (zuletzt 1906), wobei letztere nach dem Krieg in deutscher Sprache keine Fortsetzung mehr finden sollte. Die bereits 1887, also zwei Jahre vor der deutschsprachigen, fĂźr GroĂbritannien aufgelegte englische Ausgabe Great Britain (E 215; 7. Auflage: 1910) enthielt im Gegensatz zur deutschsprachigen keine Beschreibung Irlands; eine franzĂśsischsprachige kam Ăźberhaupt nicht auf den Markt.
Die franzĂśsische Ausgabe Londres erschien erstmals zusammen mit der zweiten deutschen im Jahre 1866 (F 194) und zuletzt 1913 in zwĂślfter Auflage.
Dagegen setzten die englischen Parallelausgaben fĂźr London erst 1878 (E 196) ein, zeitgleich mit der sechsten deutschen. An der Erstausgabe, der ein Errata-Zettel vor dem Titelblatt beigegeben ist, wirkten Sachkundige vor Ort, wie Thomas Nicholascite-ref-34[34], Robert Gwynne und George Dodd, mit. Obwohl fĂźr die deutsche London-Ausgabe bereits bei mehreren Auflagen der bewährte 3-teilige Streifenplan von Eduard Wagner (Darmstadt) Verwendung gefunden hatte, wurde der englischen Erstauflage der Plan von London â mit dem orthografisch erstaunlichen Aufdruck âBädeker's Handbookâ â ungeteilt und gefaltet in einer erstmals verwendeten Tasche in der RĂźckendecke (âpocketâ) beigegeben. Er hatte die beachtlichen Abmessungen von 72 Ă 93 cm, so dass eine Benutzung unterwegs vĂśllig unpraktikabel gewesen wäre. Seine Herstellung erfolgte laut Randinschriften durch die Londoner Firma B. R. Daviescite-ref-35[35] fĂźr die Londoner Postdirektion, die die Vervielfältigung fĂźr den Baedeker gestattete. Die schon im Folgejahr verĂśffentlichte 2. Auflage entsprach in ihrer Ausstattung mit einem Streifenstadtplan dann schon den anderen Städtebänden fĂźr Berlin und Paris sowie London in deutscher Sprache.
Die englischen Ausgaben brachten es bis 1915 (E 212) â wie die deutschen â durch den insgesamt kĂźrzeren Ausgaberhythmus ebenfalls auf 17 Auflagen. Zur Verbesserung der Handhabbarkeit aller London-Ausgaben wurden die Stadt- und StraĂenpläne sowie das StraĂenverzeichnis Londons ab 1887 in einem Anhang zusammengefasst, der nach der leicht mĂśglichen Trennung von der Einbindung dem Band entnommen und als gesonderte BroschĂźre verwendet werden konnte.
⢠Schweden und Norwegen
Das wachsende Interesse an Reisen nach Skandinavien dokumentieren die ab 1879 fĂźr dieses Reisegebiet erschienenen Baedeker Schweden und Norwegen (D 441), die es unter Aufnahme von AusflĂźgen nach Spitzbergen und Island bis 1914 auf immerhin 13 Auflagen (D 453) brachten. Da in ihnen auch die Reiserouten durch Dänemark enthalten waren, deckten diese alle skandinavischen Länder ab, ausgenommen Finnland, das von 1809 bis 1918 als GroĂfĂźrstentum Finnland zum Russischen Reich gehĂśrte und im Russland-Band ab 1883 (siehe dort) behandelt wurde. Ebenfalls 1879 lag die englische Ausgabe Norway and Sweden (E 224) â die Länderreihenfolge im Titel war also genau umgekehrt zur deutschen â vor, die dann 1912 in 10. Auflage vorgestellt wurde. Der franzĂśsischsprachige Titel Suède et Norvège (F 206) erschien dagegen erst 1886 und wurde nur dreimal neu aufgelegt, zuletzt 1911. Allen diesen Ausgaben wurde als einzigen aus dem Programm ein separater SprachfĂźhrer, hier fĂźr die skandinavischen Sprachen, beigegeben.
⢠Spanien und Portugal
Erst 1897 widmete der Verlag der damals noch etwas abseits der groĂen TouristenstrĂśme liegenden iberischen Halbinsel eine fĂźr immerhin 16 Mark angebotene Ausgabe (D 472). Dieser folgte 1898 ein Band in englischer (E 239) und 1900 in franzĂśsischer Sprache (F 213). Bereits 1882 hatte der Oberlandesgerichtsrat Ludwig Passarge aus KĂśnigsberg im Verlagsauftrag fĂźr den Band eine zweieinhalbmonatige Reise zur Materialsammlung angetreten und der bekannte Kunsthistoriker Carl Justi eine auf 50 Seiten konzipierte kunsthistorische EinfĂźhrung verfasst. Die so bereits fĂźr 1883 vorgesehene VerĂśffentlichung verzĂśgerte sich jedoch aus vielfältigen GrĂźnden um 14 Jahre. Trotz der langen Bearbeitungszeit hatten sich jedoch viele Fehler eingeschlichen. Dies wurde allerdings erst beim Publikum in vollem Umfang deutlich, als ein unveränderter Neudruck nach der sehr knapp bemessenen Erstauflage erschienen war und nunmehr deutliche Kritik ausgelĂśst hatte. Daraufhin wurde 1899 die grundlegend bearbeitete 2. Auflage (D 473) ohne jeglichen Bearbeitungshinweis verĂśffentlicht.cite-ref-36[36] Während die Bände Spanien und Portugal und Spain and Portugal bis 1914 jeweils vier Auflagen erlebten, brachte es die franzĂśsische Variante Espagne et Portugal nur auf zwei.
Ausgaben fĂźr Reiseziele in SĂźd- und Osteuropa
⢠Balkan
Beschreibungen groĂer Gebiete der Balkanländer sind in dem seit 1873 separat erschienenen Band Ăsterreich-Ungarn (D 183) enthalten. Dieser Baedeker wurde in seiner letzten Vorkriegsauflage von 1913 (31.) mit immerhin 75 Karten und 76 Plänen ausgestattet und beschrieb damit neben den beiden Kernländern der k.u.k.-Doppelmonarchie auch Serbien, Bosnien-Herzegowina, Dalmatien, Rumänien und Montenegro, wobei das Schwergewicht auf den grĂśĂeren Städten dieser Länder lag. Nur der Auflage von 1913 hatte der Verlag eine ausfĂźhrliche landeskundliche Beschreibung des Wiener Privatdozenten Norbert Krebs beigegeben.
Auch der Band Konstantinopel und das westliche Kleinasien enthielt mit den angegebenen Anfahrtswegen Angaben zur Balkanhalbinsel.
⢠Italien
Durch die territorialen Veränderungen in Norditalien zuungunsten Ăsterreichs im Ergebnis des Sardinischen Krieges von 1859, der den entscheidenden Schritt zur Bildung eines geeinten Italiens bildete, musste die Beschreibung Italiens aus dem bisherigen Reisegebiet Deutschland und Ăsterreich ausscheiden. So erschien 1861 die erste Auflage von OberâItalien (D 355), das bis 1911 (D 373) 18 Auflagen erlebte und 1931 enden sollte.
Der Ausgabe fĂźr Ober-Italien folgten 1866 die Bearbeitungen fĂźr Mittel-Italien und Rom (D 375) und Unter-Italien, Sicilien und die Liparischen Inseln (D 390), womit die Apennin-Halbinsel in einer umfassenden Bearbeitung vorlag. Bis 1880 Enthält der Untertal Band (6. Aufl., D 395) noch einen âAusflug nach Athenâ, da erst 1883 eine eigenständige Bearbeitung Griechenlands vorgelegt werden konnte. Die groĂen StrĂśme von Reisenden, die den Spuren vieler berĂźhmter deutscher Italien-Reisender des 18. und 19. Jahrhunderts folgten, hatten eine entsprechende Nachfrage nach beiden Titeln zur Folge, so dass bis 1914 neben dem Oberitalien-Band auch die beiden Folgebände immerhin vierzehn bzw. fĂźnfzehn Auflagen erreichen konnten.
Fßr den nach damaligen Verhältnissen in seinen finanziellen und zeitlichen MÜglichkeiten beschränkten Reisenden bot Baedeker erstmals 1890 einen auf das Gebiet von den Alpen bis Neapel beschränkten Gesamtitalien-Band an, der 1908 seine letzte, sechste Vorkriegsauflage erlebte. Den Auflagen von Ober- und Mittel-Italien wurde ab den 1870er Jahren ein vom Leipziger Kunsthistoriker Anton Springer verfasster Abriss der italienischen Kunstgeschichte vorangestellt; fßr Unter-Italien war der Bonner Ordinarius Reinhard KekulÊ von Stradonitz gewonnen worden.
⢠Griechenland
Nachdem der Reisende zu den klassischen AltertĂźmern Griechenlands zunächst noch auf die in den ersten Auflagen fĂźr Unter-Italien gebotenen Beschreibungen zu AusflĂźgen nach Athen beschränkt war, die von dem in Athen ansässigen und mit dem Hause Baedeker familiär verbundenen Karl Wilberg auch als Separat-Ausgaben angeboten wurden, lag mit dem erstmals 1883 erschienenen Griechenland-Band (D 466) eine detaillierte Reisebeschreibung zu den wichtigsten antiken griechischen Stätten vor. Das Gesamtmanuskript hatte der Archäologe Habbo Gerhard Lolling erstellt. FĂźr die Darstellung Olympias zeichneten der Bauforscher Wilhelm DĂśrpfeld und der Archäologe Karl Purgold verantwortlich, die kunstgeschichtliche Einleitung hatte wiederum Reinhard KekulĂŠ von Stradonitz verfasst; sie wurde fĂźr die 4. Auflage (1904) von dem späteren Direktor der Berliner Antikensammlung Robert Zahn Ăźberarbeitet. FĂźr die GesamtĂźberarbeitung bereiste der Philologe Dietrich Bender (1872-NN) das Land zum groĂen Teil neu.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38]
Die Attraktivität dieses Bandes wurde ab der zweiten Auflage von 1888 durch zwei Illustrationen und ein Panorama der griechischen Hauptstadt noch erhĂśht. Insgesamt wurden bis 1908 fĂźnf Auflagen gedruckt, bei denen die groĂe Ăbersichtskarte sich stets in einer Tasche im RĂźckendeckel befand.
Von der 3. Auflage von 1893 wurde anlässlich der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit im Jahre 1896 eine berichtigte Separatausgabe fĂźr Athen herausgegeben. Sie war zum ausschlieĂlichen Verkauf im KĂśnigreich Griechenland bestimmt. Durch ein Feuer im Auslieferungslager sollen nur ca. 50 Exemplare in Umlauf gekommen sein.
Eine erste englischsprachige Ausgabe Greece erschien 1889 (4. Auflage: 1909, E 237). In franzÜsischer Sprache folgte allerdings erst 1910 eine einzige Ausgabe (Grèce, F 216), deren kunstgeschichtlichen Ausfßhrungen in die Hände des Lyoner Universitätsprofessors Henri Lechatcite-ref-39[39] gelegt worden war.
russland
⢠Russland
Beginnend mit West- und Mittel-Russland 1883 (D 457) wurde das russische Zarenreich erschlossen. Mit diesem Band lag zunächst eine Beschreibung von Polen (Generalgouvernement Warschau), dem Baltikum, des GroĂherzogtums Finnland sowie von Zentral-, Mittel- und SĂźdrussland bis zur Halbinsel Krim vor. Zeitgleich erschien ein Kurzer Leitfaden der russischen Sprache, um den deutschen Reisenden einen praktischen Einstieg in die, im Vergleich zum Englischen oder den romanischen Sprachen wesentlich fremdere, russische Sprache anzubieten. Wie der ReisefĂźhrer erschien er bis 1912 in fĂźnf Auflagen. In der letzten Auflage von Russland (1912, D 462), fĂźr die der renommierte Geograf Alfred Philippson die EinfĂźhrung Zur Landes- und Volkskunde des europäischen RuĂland verfasst hatte, waren dann auch mittelbar Ăźber die transsibirische Eisenbahn von Deutschland aus erreichbare asiatische Fernziele, wie Port Arthur und Peking sowie der Reiseweg zur persischen Hauptstadt Teheran â er fĂźhrte mit der Eisenbahn bis Baku, danach auf dem Wasserweg bis zum Hafen von EnselĂ-Kasian und schlieĂlich per Kutsche Ăźber Rascht â beschrieben worden. Schon damals war der Jagdtourismus in den begĂźterten Schichten beliebt. So konnte man, den âElch ⌠auf Treibjagden, vor der Meute und mit Hilfe der Lockeâ und den Bären âim Winter mit Treibernâ jagen, wie im Russland-Band von 1912 ausgefĂźhrt ist.cite-ref-40[40] Von dem in insgesamt sieben Auflagen erschienenen Band gab es von 1893 bis 1902 drei franzĂśsischsprachige Auflagen (F 210-212), aber nur eine auf Englisch aus dem Jahre 1914 (E 244), die inhaltlich der letzten deutschen von 1912 entsprach. Der Sprachleitfaden erschien 1883 (1888 â 2. Auflage, S. 12, 12b) auch in einer franzĂśsischen Variante als Manuel de langue russe (S 13) und 1914 noch in einer englischen, Manual of the Russian Language (S 14), korrespondierte also mit seinem Erscheinen weitestgehend mit den jeweils aufgelegten ReisefĂźhrerbänden.
Das als Venedig des Nordens gepriesene St. Petersburg, die frĂźhere russische Hauptstadt, das reich an Museen und Kunstschätzen war, zog deshalb schon vor dem Ersten Weltkrieg viele Reisende in seinen Bann, zumal es auf dem Seeweg Ăźber die Ostsee nicht allzu schwer zu erreichen war. Dementsprechend wurde 1901 fĂźr diese Stadt und seine Umgebung ein âSonder-Abdruckâ (D 464) aus der fĂźnften Auflage des Russland-Bandes aufgelegt, dem noch eine weitere Auflage 1913 (D 465) folgte.
Ausgaben fĂźr Reiseziele in West Asien und Nordafrika
⢠Syrien und Palästina
1875 erschien als erster auĂereuropäischer Band der prestigeträchtige Titel Palästina und Syrien (D 478) in einer Bearbeitung des Schweizer Orientalisten Albert Socin, der bis 1910 sieben Auflagen (bis D 484) erleben sollte.cite-ref-thorbecke-41-0[41] FĂźr die Aktualisierung und Verbesserung sorgte ab der 3. Auflage (1891) Immanuel Benzinger. Im Gegensatz zu allen anderen damals aktuellen Ausgaben wurde dieser Band zunächst mit sechs Ansichten von Jerusalem sowie zwei weiteren von Damaskus und Baalbek illustriert angeboten, nachdem letztmals 1867 in den SchweizâBänden Lithographien von Reisezielen in einem Baedeker enthalten waren. Abgebildet wurden z. B. die Klagemauer, die Al-Aksa-Moschee und die Via Dolorosa. Nachdem in der zweiten Auflage 1880 noch zwei Ansichten von Palmyra hinzugefĂźgt wurden, waren in der Folgeauflage von 1891 Ăźberhaupt keine mehr enthalten. Lediglich das bereits der Erstauflage zunächst als Stahlstich beigegebene Panorama von Jerusalem war in allen Auflagen präsent. Mit den umfassenden Angaben zur Geographie, BevĂślkerung, Geschichte, Kunstgeschichte und arabischen Sprache sowie zum Islam nebst entsprechenden Literaturangaben im Rahmen einer Ăźber 120-seitigen Einleitung stellte dieser Band den damaligen Stand der Orientwissenschaften dar und ging damit weit Ăźber einen bloĂen Reiseratgeber hinaus.
1876 folgte das englischsprachige Pendant Palestine and Syria (E 254) mit bereits 10 Ansichten.cite-ref-thorbecke-41-1[41] Es erreichte bis 1912 (E 258) fĂźnf Auflagen; die letzte soll Lawrence von Arabien im arabischen Unabhängigkeitskampf stets mit sich gefĂźhrt haben. Erst sechs Jahre nach der englischen folgte noch eine franzĂśsische Ăbersetzung (F 217) wiederum mit den 10 Ansichten, die bis zum Ersten Weltkrieg nur noch drei Folgeauflagen erreichen konnte (1912, F 220). Alle fremdsprachigen Folgeauflagen erschienen ohne die Ansichten, jedoch stets mit dem Panorama von Jerusalem.
⢠Ăgypten
1877 wurde Aegypten, erster Theil: UnterâAegypten bis zum FayĂťm und die Sinai-Halbinsel (D 485) vorgelegt.cite-ref-42[42] Das zuvor im Kairoer Stadtteil Bulaq untergebrachte Ăgyptische Museum zog 1892 in den vizekĂśniglichen Palast in Gize. FĂźr den 1885 in 2. Auflage erschienenen Band fĂźr Unter-Ăgypten (D 487) gab es dazu einen 24-seitigen Anhang mit zwei Plänen. Der 1894 in dritter und letzter Auflage erschienene Band wurde zunächst von dem Lehrstuhlinhaber an der Leipziger Universität, dem Ăgyptologen Georg Ebers, herausgegeben; er hatte Ăgypten und Nubien 1869/70 bereist. Mitgewirkt hatten u. a. Paul Ascherson sowie der Geologe Karl Alfred von Zittel und der Ornithologe M. Theodor von Heuglin. Erst 1891 folgte in einmaliger Auflage Aegypten, zweiter Theil: OberâAegypten und Nubien bis zum zweiten Katarakt.cite-ref-43[43] Das bereits 1877 abgeschlossene Manuskript von Georg Ebers und Johannes DĂźmichen musste zuvor aufgrund der zwischenzeitlich weiter vorangeschrittenen ägyptologischen Forschung auf den aktuellen Stand gebracht werden, was August Eisenlohr besorgte.
1897 wurden beide Teilbände zum Baedeker Ăgypten (D 489) zusammengefĂźhrt, der bereits von dem Leipziger Ăgyptologen Georg Steindorff neu bearbeitet wurde und bis 1918 (D 493) weitere vier Auflagen hatte. Auch dieser Band war kein einfacher ReisefĂźhrer. Die im Orts- und Sachregister enthaltenen Namen von âerfolgreichen Ăgyptologen, die bei Ausgrabungen und Forschungen maĂgeblich beteiligt warenâ, bildeten âein hervorragendes Kompendium der Ăgyptologieâ.cite-ref-44[44] In diesen Bänden wurde der interessierte Reisende in einem immer weiter ergänzten EinfĂźhrungsteil u. a. mit der alten und neueren Geschichte Ăgyptens, der Bedeutung der Hieroglyphenschrift und der ägyptischen Kunstgeschichte näher vertraut gemacht. Ergänzend wurde in die Alexandrinische Kunst durch Theodor Schreiber und die arabische Baukunst durch FranzâPascha eingefĂźhrt. SchlieĂlich waren in den letzten Ausgaben AusfĂźhrungen zum ägyptischen Dialekt des Arabischen gemacht, die dem Benutzer den Umgang mit der BevĂślkerung vor allem auf den Basaren und abseits der Hauptreiserouten erleichtern sollten. Wie der Syrien-Palästina-Band wurde auch der Unter-Ăgypten-Baedeker bis zur 4. Auflage mit sieben Ansichten ausgestattet. Aufgrund des Umzugs des Ăgyptischen Museums von Gizeh nach Kairo 1902, war die gerade erst erschienene 5. Auflage von Ăgypten (D 490) mit der Museumsbeschreibung von Gizeh insoweit Ăźberholt, und der Verlag lieferte 1904 eine entsprechende BroschĂźre fĂźr das Kairoer Museum gratis nach.
Schon 1878 lag eine englische Ăbersetzung des Bandes fĂźr Unter-Ăgypten vor (Egypt Part First: Lower Egypt, with the FayĂťm, and the peninsula of Sinai, E 245). An dieser arbeitete zusätzlich der britische Ăgyptologe Samuel Birch mit. Auch vom englischen Pendant gab es bis 1929 acht Auflagen (bis E 253). Dagegen folgten der erst 1898 (F 221) erschienenen franzĂśsischen Ausgabe bis 1914 vier Folgeauflagen (bis F 224).
konstantinopel
⢠Konstantinopel und das westliche Kleinasien
Erst 1905 (D 497), also relativ spät im Vergleich zu den anderen orientalischen Reisezielen, wurde den Orientreisenden ein Reisefßhrer an die Hand gegeben, der der ehemaligen ostrÜmischen und später byzantinischen Residenz gewidmet war, die zum Ausgabezeitpunkt bereits ßber 450 Jahre unter osmanischer Herrschaft stand. Die Anreiserouten fßhrten ßber den Balkan, so dass mit diesem Band auch Reisehinweise zu Serbien, Rumänien und Bulgarien mit entsprechenden Plänen ihrer Hauptstädte geliefert wurden. Die mit wesentlichen Erweiterungen bei Text und Kartenmaterial versehene zweite Auflage (D 498) erschien 1913.cite-ref-titelblattangabe-jahr-45-0[45]
Ausgaben fĂźr das Mittelmeergebiet
Im erstmals 1909 aufgelegten Mittelmeer-Band (D 417) wurden die touristisch vorrangig interessierenden, zum Teil jahrhundertealten Hafenstädte und die Meeresregionen aller Anrainerstaaten des Mittelmeers, die in Nordafrika Ăźberwiegend noch einen Kolonial-Status hatten, einer gemeinsamen Bearbeitung unterzogen. Der Band war vor allem fĂźr die Kreuzfahrt-Schiffsreisenden des Norddeutschen Lloyd und der HAPAG bestimmt, die damit fĂźr ihre Zwecke auf die Baedeker-Qualität zurĂźckgreifen konnten, ohne sich fĂźr eine Reise mehrere teure Länder-Bände, wie âGriechenlandâ, âKonstantinopel und das westliche Kleinasienâ, âPalästina und Syrienâ oder âĂgyptenâ, zulegen zu mĂźssen. Er wurde aber auch von den Reisenden des Ăsterreichischen Lloyd genutzt, deren SS Thalia seit 1907 mehrere Mittelmeer-Rundreisen jährlich veranstaltete.cite-ref-46[46] Eine englische Parallelausgabe (The Mediterranean, E 179) erschien 1911, die in Ausstattung und Umfang dem deutschen Band entsprach.
Indien-Ausgabe fĂźr Reiseziele in Asien auĂerhalb des Nahen Ostens
Mit dem Erscheinen des Indien-Bandes Ende 1913cite-ref-titelblattangabe-jahr-45-1[45] (D 499) war vom Verlag ein weiteres, aber auch letztes Fernreiseziel der klassischen Baedeker-Zeit in umfassender Bearbeitung vorgelegt worden. Neben Indien wurden auch die damaligen Länder bzw. Gebiete Ceylon, Vorderindien, Birma, die Malaiischen Halbinsel, Siam und Java behandelt, wenngleich der ursprĂźngliche Plan der Einbeziehung auch Ostasiens aus GrĂźnden des Umfangs wieder aufgegeben werden musste. Der nur deutschsprachig erschienene Titel kam auf erste Anregung des Direktors des Norddeutschen Lloyds, Heinrich Wiegand, und mit UnterstĂźtzung dieses Unternehmens zustande. Das Manuskript wurde von dem Forschungsreisenden Georg Wegener erarbeitet. Dessen ethnografischen und kunstgeschichtlichen EinfĂźhrungstext verfasste der berĂźhmte Indologe und TĂźbinger Ordinarius Richard Garbe, die praktischen Ratschläge steuerte A. Faller bei. Bei der ErschlieĂung der Vorderindischen AltertĂźmersammlung stand der Archaeological Survey of India zur Seite. Baedekers Indien war ein HĂśhepunkt der gehobenen ReisefĂźhrerliteratur, und der Verlag konnte damit zur Konkurrenzreihe Meyers ReisebĂźcher aufschlieĂen, in der bereits 1907 ein einbändiger WeltreisefĂźhrer vorlag, der 1912 Ăźberarbeitet in 2. Auflage, nunmehr allerdings in zwei Bänden, erschienen war und auch Indien und sogar Ostasien mit abdeckte.
Eine Neubearbeitung weiterer vergleichbarer Fernreiseziele, ausgenommen die Folgeauflagen des nur in englischer Sprache erschienenen Bandes fĂźr Kanada (Canada, 1922, 4. Auflage, E 266) und des ĂgyptenâBandes (1928, 8. Auflage) sollte es nämlich durch den Verlag danach fĂźr sehr lange Zeit nicht mehr geben. Der Erste Weltkrieg dĂźrfte schon den Verkauf des Indien-Bandes in nicht allzu groĂem Umfang zugelassen haben, und angesichts der weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland nach 1918 war nur wenig Raum fĂźr die Realisierung von zeit- und kostenintensiven Fernreisen fĂźr einen grĂśĂeren BevĂślkerungsteil vorhanden. Dadurch konnte es auch keinen groĂen Bedarf fĂźr entsprechende ReisefĂźhrer geben. Dies lässt sich auch aus den im Band enthaltenen Hinweisen zur Vorbereitung einer Indienreise folgern, deren finanzieller Rahmen das Budget eines Reisenden selbst mit mittlerem Einkommen Ăźberstiegen haben dĂźrfte, wenn etwa von der MitfĂźhrung eines vollständigen Betts oder eines eigenen Waschbeckens die Rede ist, um die Bequemlichkeit zu vergrĂśĂern.
Erst wieder in der Baedeker Allianz Reihe wurden Indien und vergleichbare Destinationen in umfangreichen Länderbänden oder Bänden fßr Ländergruppen erneut vorgelegt, die allerdings ein viel breiteres Reisepublikum unter grundlegend veränderten wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse ansprechen sollten.
Ausgaben fĂźr Amerika
⢠Nordamerika mit Mexiko
Nachdem während des ganzen 19. Jahrhunderts tausende Deutsche via Bremerhaven oder Hamburg die Heimat in Richtung Nordamerika verlassen hatten, um sich eine neue Existenz aufzubauen, gelangten die USA am Ende des 19. Jahrhunderts auch in den Fokus des deutschen Reisepublikums. Mit dem Band Nordamerika gab der Verlag 1893, dem Jahr der mit siebenmonatiger Verspätung in Chicago abgehaltenen 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas, den Nordamerika-Touristen ein verlässliches RĂźstzeug fĂźr die anstehende Schiffspassage und den Aufenthalt in der Neuen Welt an die Hand. Neben den obligatorischen Reiseinformationen zum Geldwesen, der Sprache, dem MaĂ- und Gewichtssystem sowie den Kommunikationsmitteln wurden dem Leser zusätzlich Informationen Ăźber die Geographie, die Geschichte und auch das Deutschtum in Nordamerika in einer fĂźnfzigseitigen Einleitung geliefert. Das Kartenmaterial erarbeitete der US-Geograph Henry Gannett. Eine zweite, erweiterte Auflage folgte 1904, die u. a. um Karten u. a. von SĂźdkalifornien, Mexiko sowie Plänen von Boston, Brooklyn, Denver, Detroit und Indianapolis ergänzt worden war. Mit nunmehr 25 Karten und 32 Plänen sollte der Band es den Reisenden ermĂśglichen, sich ohne grĂśĂere Probleme im Gastland zurechtzufinden.
Eine inhaltlich weitestgehend eigenständige erste englischsprachige Ausgabe war sogar noch einige Monate vor der deutschsprachigen 1893 erschienen und sollte bis 1909 vier Folgeauflagen erleben. In dieser letzten wurde schon das Erdbeben von 1906, das einen groĂen Teil der City von San Francisco zerstĂśrt hatte, beschrieben. Ihre Einleitung war erkennbar auf den britischen Touristen zugeschnitten und ging mit ausfĂźhrlichen Darstellungen zum Eisenbahnwesen, der Geschichte, der Verfassung und Regierung, der eingeborenen BevĂślkerung und schlieĂlich der Kunstentwicklung merklich Ăźber die deutschsprachige Ausgabe hinaus. Erst 1894 folgte die an die deutsche Ausgabe angelehnte franzĂśsischsprachige Ausgabe Les Etats-Unis, die ebenfalls nur eine Folgeauflage 1905 hatte. In allen Ausgaben war ein Ausflug nach Mexiko aufgenommen; die letzte englischsprachige gab auch Reisehinweise fĂźr einen Besuch Alaskas.
⢠Kanada (Canada)
Als einziger Baedeker, der nur in englischer Sprache erschien, kam Canada 1894 auf den Markt und wurde zunächst bis 1908 in drei, jeweils Ăźberarbeiteten Auflagen nachgedruckt. Autor war wie schon fĂźr die Ausgabe United-States J.F. Muirhead, der laut Vorwort den grĂśĂten Teil der beschriebenen Gebiete Kanadas selbst bereist hatte. Als Abgangsorte fĂźr deutsche Kanada-Touristen waren Hamburg (Hamburg-Amerika-Linie) und Bremen (Norddeutscher Lloyd) angegeben, wobei zunächst New York angesteuert wurde und von dort aus das kanadische Montreal.
Die Verlagstätigkeit unter Fritz Baedeker im Ersten Weltkrieg
⢠London and its environs (17. Auflage)
Mit Kriegsbeginn am 1. August 1914 waren die meisten der klassischen Reiseländer, wie Italien, Frankreich und GroĂbritannien, Feindesland und schieden schon deshalb als Reiseziel aus. Aber auch die Kriegsbedingungen generell schränkten die verbliebenen ReisemĂśglichkeiten so stark ein, dass an eine Fortsetzung der Verlagstätigkeit im bisherigen Umfang Ăźberhaupt nicht mehr zu denken war. Zwar erschien 1915 in New York, wie zuvor in Zusammenarbeit mit Charles Scribnerâs Sons, in 17. Auflage London and its environs, doch der in den VerlagsankĂźndigungen der Vorkriegsbände avisierte Band Mittel-Italien (15. Auflage) kam schon nicht mehr zur Auslieferung â auf das Neuerscheinen von Baedeker-Titeln musste die Leserschaft bis 1919 warten.
⢠Palästina und Syrien (8. Auflage, geplant)
FĂźr das Jahr 1917 ist aus dem Berliner Antiquariatsbuchhandel (2025) ein ohne Titelblatt und den Ăźblichen Reiheneinband aufgebundener Pappband mit LeinenrĂźcken und aufgeklebtem Titelschild bekannt. Auf dem Deckelschild ist handschriftlich vermerkt: âPalästina. 8. Aufl. Korrekturbogen von 1917 ...â. Der Druck war bei Breitkopf und Härtel erfolgt. Zu einer späteren VerĂśffentlichung auch dieser Ausgabe ist es im Ergebnis des Ersten Weltkriegs nicht mehr gekommen.
Baedekerausgaben von 1919 bis 1932
Der Beginn der sogenannten Zwischenkriegszeit stellte den Baedeker Verlag vor extreme Herausforderungen. Durch die inflationäre Entwicklung in Deutschland, die zu dramatischen VermĂśgensverlusten bei weiten Teilen der BevĂślkerung fĂźhrte, war die fĂźr eine Reise ins Ausland unabdingbare Devisenbeschaffung sehr teuer geworden, zumal die Papiermark im Inflationsverlauf international deutlich unterbewertet war. Dies fĂźhrte zu einer starken Verminderung der ReisestrĂśme in klassische Urlaubsländer, wie Frankreich, GroĂbritannien und Italien. An Fernreisen in die Vereinigten Staaten, in den Orient oder nach Indien war fĂźr die meisten Deutschen noch weniger zu denken. Die unmittelbar vor dem Kriegsausbruch fertiggestellten Bände fĂźr diese Regionen, die schon während des Krieges kaum Absatz gefunden hatten, blieben weiterhin nur schwer verkäuflich und belasteten den Verlag durch das darin gebundene Verlagskapital wirtschaftlich sehr stark.
Kaum war die wirtschaftlich äuĂerst schwierige Inflationszeit einigermaĂen Ăźberstanden, starb Fritz Baedeker 1925. Nun mussten seine SĂśhne Ernst, Dietrich und Hans Baedeker den Verlag gemeinsam weiterfĂźhren. In den Goldenen Zwanzigern der Weimarer Republik nahm der Tourismus zwar zunächst einen neuen Aufschwung, um nur desto stärker nach Eintritt der Weltwirtschaftskrise 1929 wieder abzubrechen.
Ab Mitte der 1920er Jahre finden auch die neu entstandenen Luftverkehrsverbindungen, zumeist zwischen den Metropolen und grĂśĂeren Städten, zunehmend Erwähnung. Sie wurden in Deutschland vor allem von der Anfang 1926 gegrĂźndeten Deutschen Luft Hansa bedient, waren aufgrund der hohen Preise aber noch auf das begĂźterte Publikum beschränkt.
FĂźr einige Gebiete druckte der Verlag so genannte Notausgaben. Diese beschrieben Teilgebiete von ursprĂźnglich Ăźbergreifenden Bänden: Holland, Norwegen und Ăsterreich-Ungarn (ohne die neugebildete Republik Ăsterreich). Die Einleitungen der ursprĂźnglichen Ausgaben mit den Angaben u. a. zu Landeskunde, Pass und Zoll, Post- und Verkehrswesen sowie Hotellerie und Gastronomie fehlten, da die Inhalte durch die Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg obsolet geworden waren. So konnte das Haus Baedeker zusammen mit den neu bearbeiteten Teilgebieten zumindest Beschreibungen der restlichen Territorien auf dem Vorkriegsstand anbieten, bis auch diese einer Neubearbeitung entsprechend den veränderten politischen und kulturellen Verhältnissen unterzogen waren. Da sie nur kurzzeitig im Angebot waren, sind sie entsprechend selten.
Ausgaben fĂźr deutsche Reisegebiete
Länderfßhrer fßr Deutschland
Der einbändige Länderfßhrer fßr Deutschland, der zuletzt 1913 in 3. Auflage (D 225) erschienen war, wurde 1925 ßberarbeitet vorgelegt (D 226) und erschien dann nochmals in fßnfter Auflage 1932 (D 227), wobei hier schon das Automobil als Reisetransportmittel konzeptionell stärker in den Blickpunkt gerßckt wurde.
Nord- und SĂźddeutschland, SĂźdbayern und Rheinlande
FortgefĂźhrt in der alten Form wurden bei den deutschen Ausgaben mit mehreren Auflagen zunächst die Titel fĂźr die Rheinlande, SĂźdbayern und Berlin. Die Rheinlande wurden noch zweimal, 1925 (D 32) und 1931 in 34. Auflage (D 33), bearbeitet und um Karten und StraĂenverzeichnisse fĂźr Städte, wie Frankfurt oder KĂśln, ergänzt. Bereits 1921 erschien die Ausgabe fĂźr SĂźdbayern unter einem neuen Titel MĂźnchen und Oberbayern (D 240a), bevor der Verlag mit den Bänden von 1925 (D 163) und 1928 (D 164) zur alten Namensgebung zurĂźckkehrte.
Englischsprachig kamen in jeweils einer letzten Auflage in der klassischen Form 1925 Northern Germany (17th edition, E 31) und 1929 Southern Germany (13th edition, E 449) auf den Markt. Während Southern Germany merklich erweitert und, neben dem ockerfarbigen Text-Schutzumschlag, teilweise mit einem Bild-Schutzumschlag (Stumme Karte) ausgeliefert wurde, blieb der Umfang der Ausgabe fĂźr Deutschlands Norden im Vergleich zur Vorauflage von 1913 in etwa gleich. Dies traf auch auf die letzte Ausgabe von Berlin and its environs aus dem Jahr 1923 zu (6th edition, E 65). Bereits 1919 hatte es einen Nachdruck fĂźr The Rhine von 1911 (E 107b) gegeben, bevor 1926 auch die letzte Ăźberarbeitete und dabei reduzierte Auflage â das durch den Versailler Vertrag an Frankreich zurĂźckgekommene Gebiet ElsaĂ-Lothringen fehlte nun â erschien (18th edition, E 18). FĂźr die franzĂśsischsprachigen Vorkriegspendants dieser drei Titel, die zwischen 1909 und 1911 aufgelegt worden waren, sah der Verlag seit dem Weltkriegsende hingegen keine Verkaufschancen mehr.
Ausgaben fĂźr Berlin
Der vor dem Krieg zweijährige Ausgaberhythmus des Berlin-Bandes konnte vom Verlag nicht beibehalten werden. Immerhin erschien bereits 1921 die von Bruno Graupe Ăźberarbeitete 19. Auflage mit einem Werbeanhang (D 218), in dem das Berliner Schloss nach dem Einzug des Berliner Kunstgewerbemuseums in die bisher von Wilhelm II. und seiner Familie benutzten Räume als Schlossmuseum beschrieben wurde, wobei im Band die ErĂśffnung des Schlossmuseums fĂźr den 1. Oktober 1921 noch nur angekĂźndigt war. Ein unveränderter Neudruck erschien 1923 ohne Werbeanhang. Eine inhaltlich neu konzipierte 20. Auflage (D 220) folgte dann 1927, bei dem der GroĂteil der Karten wieder in einem gesondert paginierten Anhang zusammengefasst wurde, was bereits bei den Bänden fĂźr Berlin und Norddeutschland von 1878 bis 1887 praktiziert worden war.
Regionalbände fßr deutsche Landschaften
Der veränderten Situation bei den deutschen Reisenden Rechnung tragend, die ihre Reiseziele nun vornehmlich im Inland suchten, machte der Verlag unter der FederfĂźhrung von Ferdinand Mollcite-ref-47[47] aus der Not eine Tugend und verĂśffentlichte, indem er dazu sinngemäà den Geographen und Zoologen Friedrich Ratzel zitierte, wonach âder Deutsche ⌠vor allem wissen [solle], was er an seinem Lande hatâ,cite-ref-48[48] seit 1920 Regionalbände sukzessive fĂźr alle nach dem Versailler Vertrag bei Deutschland verbliebenen Teile des untergegangenen Kaiserreichs. Diese fächerten die grĂśĂere Gebiete umfassenden Ausgaben fĂźr SĂźddeutschland, Nordost- und Nordwestdeutschland sehr stark auf. Als erste Ausgaben erschienen 1920 Bände fĂźr Brandenburg (D 229a), den Harz (D 231a), Sachsen (D 234a) und ThĂźringen (D 236a). 1921 folgten Ausgaben fĂźr Hannover nebst der deutschen NordseekĂźste (D 239a), den Schwarzwald (D 241a) und Westfalen (D 244a). SchlieĂlich wurde die Reihe der Regionalbände 1922 durch Ausgaben fĂźr die OstseekĂźste (D 245a), die Landeskunde verfasste Dietrich Baedeker, und Hessen-Nassau (D 246a), 1923 fĂźr Schlesien (D 247), die Landeskunde verfasste hier der Geograph Joseph Partsch, ergänzt. Nach Nordbayern (D 249) 1924 wurde die Regionalband-Reihe erst 1925 mit WĂźrttemberg (D 251) abgeschlossen, dessen geographische Ăbersicht Robert Gradmann lieferte und fĂźr dessen schwäbische Kunstgeschichte Julius Baum verantwortlich zeichnete.
Den bis 1922 aufgelegten Titeln (âaâ-Varianten der Katalognummern) musste aus wirtschaftlichen GrĂźnden erstmals ein umfangreicher Werbeanhang beigegeben werden. Er fehlte bei den späteren, zunächst inhaltlich unveränderten Nachdrucken (âbâ-Varianten) und den Ăźberarbeiteten Folgeauflagen bei mehreren Titeln. Diese gab es zum ersten Mal 1925 fĂźr ThĂźringen, nun ergänzt um eine kunstgeschichtliche Einleitung des Jenaer Kunsthistorikers und Leiters des dortigen Stadtmuseums, Paul Weber, und den Harz. 1927 folgte Schwarzwald. Im Folgejahr erschienen in zweiter Auflage Sachsen mit einer kunstgeschichtlichen EinfĂźhrung von Cornelius Gurlitt und Brandenburg, wofĂźr Paul Ortwin Rave die entsprechenden Erläuterungen gab. 1930 wurde noch Nordbayern Ăźberarbeitet und ergänzt um eine Beschreibung der bĂśhmischen Grenzgebiete mit Pilsen, Budweis und Eger (Cheb) vorgestellt. Dem Band sind deshalb u. a. auch Hinweise zur Sprache, Währung und dem Automobilverkehr in dem Nachbarland beigegeben.
Ein mit einem Ladenpreis von 1,25 RM preisgĂźnstiger Auszug auf Normalpapier aus dem 1925 in zweiter Auflage vorgelegten ThĂźringen-Band erschien als Broschur zum Goethe-Jahr 1932 (D 252). Der Text war anlassbezogen von Gerhard Peters Ăźberarbeitet und in grĂśĂerem Schriftgrad gesetzt worden. Erstmals musste der Verlag aus KostengrĂźnden (Weltwirtschaftskrise) seit der Inflationszeit wieder Werbung, darunter auch: Jenaer Zeiss-Planetarium und Reclams Universal-Bibliothek mit Goethe-Titeln, in den Band aufnehmen, der nach der Kriegsvernichtung grĂśĂerer unverkaufter Restbestände im Jahr 1943 heute zu den recht seltenen Ausgaben nach dem Ersten Weltkrieg zählt.
Ausgaben fßr ausländische Reisegebiete
Gemessen an der raschen Auflagenfolge vor dem Ersten Weltkrieg wurden auch die Bände mit ausländischen Reisezielen nur noch in grĂśĂeren Abständen Ăźberarbeitet vorgelegt. Dies mag einerseits auf den bereits erreichten hohen Standard bei der âBearbeitungsdichteâ der Reisegebiete und andererseits auch die schwieriger gewordenen Absatzbedingungen zurĂźckzufĂźhren sein. Nicht zuletzt vollzog sich aber auch die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der meisten Länder in einem langsameren Tempo, als dies noch in den Zeiten des dynamischen Wirtschaftswachstums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas der Fall war (vgl. den damals raschen Ausbau des Eisenbahnnetzes oder das rapide Wachstum vieler europäischer Hauptstädte). Damit unterlagen auch die Reisebedingungen und -ziele nicht mehr einem so raschen Wandel, dass dem durch in sehr kurzem zeitlichen Abstand Ăźberarbeitete BaedekerâAuflagen Rechnung zu tragen gewesen wäre.
Europa
⢠Balkanstaaten
Unter anderen fĂźr die Balkanstaaten als Nachfolgestaaten der 1918 zerfallenen Ăśsterreich-ungarischen Monarchie wurde 1926cite-ref-49[49] zunächst eine der schon erwähnten Notausgaben (D 197) als unverändert abgedruckter Auszug aus der Gesamtausgabe von 1913 des Bands Ăsterreich-Ungarn unter dem Titel Ăsterreich-Ungarn (Ohne das heutige Ăsterreich) zusammengestellt, der auch die frĂźhere Einleitung mit den reisepraktischen und landeskundlichen AusfĂźhrungen fehlte. Zu der darin angekĂźndigten Neubearbeitung aller Nachfolgestaaten kam es jedoch nur teilweise. So fehlten bis 1945 neben Gebieten des Balkans die Länder Polen und Rumänien sowie groĂe Teile der Tschechoslowakei und Ungarns.
VĂśllig neu erarbeitet wurde von Ferdinand Moll unter Mitwirkung von Franz Babinger (Albanien-Teil) und Norbert Krebs (Landeskunde) dann der dem Adria-Gebiet gewidmete deutschsprachige Band Dalmatien und die Adria (D 419), der auf Ăźber 300 Seiten Reiseziele auf dem Balkan bis zur Insel Korfu und nach Albanien beschrieb.
⢠Belgien und Holland
Zwei der ältesten Länder-Titel der Baedeker-Reihe, Belgien und Holland, die nach Einzelausgaben bis 1855 ab 1858 in einem gemeinsamen Band vorgestellt wurden, erfuhren noch eine letzte, wieder getrennte Bearbeitung. So erschien nach einer Notausgabe fĂźr Holland mit einem Auszug aus der letzten gemeinsamen 25. Auflage von 1914 (D 286b) eine unter Mitarbeit von Franz DĂźlberg erfolgte Neubearbeitung Hollands im Jahr 1927 (D 287), die um ein StraĂenverzeichnis von Den Haag und Amsterdam ergänzt war.
1930 folgte dann der Band Belgien und Luxemburg (D 288), dessen Kunstgeschichte Jacques Mesnil (Paris) neu erstellt hatte und bei dem der Reisende nun auch auf ein StraĂenverzeichnis fĂźr Antwerpen neben demjenigen von BrĂźssel zurĂźckgreifen konnte. Zu einer Auseinandersetzung im Mai 1933 vor einem belgischen Gericht fĂźhrten die Schuldzuweisungen an belgische Zivilisten fĂźr deutsche VergeltungsmaĂnahmen im Ersten Weltkrieg in den Städten Aerschot und Dinant in dieser (Seiten 36 und 284) und in der englischen Ausgabe, Belgium and Luxemburg (16. Auflage, E 195), die allein auf deutschen Quellen basierten.cite-ref-50[50] Zu der gerichtlich angeordneten Textergänzung um die belgische Position kam es aufgrund der weiteren politischen Entwicklung in Deutschland nicht mehr. Im franzĂśsischen Text von Belgique et Luxembourg (20. Auflage, 1928, F 90) waren die beanstandeten Passagen nicht enthalten.
⢠Frankreich
Die franzĂśsischsprachigen Vorkriegsauflagen wurden weiterhin vom Verlag angeboten; Ăberarbeitungen erfolgten jedoch nicht. Nur der Paris-Band wurde in allen drei Sprachen einer kontinuierlichen Aktualisierung unterzogen. Er erschien jeweils in erweitertem Umfang 1923 (D 347) und 1931 in 20. Auflage (D 348) mit einem gesonderten Plananhang wie schon die Ausgaben ab 1900. Sie wurde von Karl Baedeker III (1910â1979) unter Mitarbeit von Jacques Mesnilcite-ref-51[51] und Eduard Reusch (Leipzig) vorgelegt. Da die 20. Auflage von 1931 recht häufig mit einer Beilage zur Pariser Weltfachausstellung von 1937 vorkommt, kann davon ausgegangen werden, dass sie 1937 noch in ausreichenden StĂźckzahlen beim Verlag vorrätig war und erst jetzt grĂśĂere Absatzzahlen erreichen konnte, was ihr der Buchmarkt bei ihrem ersten Erscheinen in den unmittelbaren Nachwehen der Weltwirtschaftskrise noch verwehrt hatte. Analog gab es noch englische und franzĂśsische Ausgaben, die zunächst 1924 zu den Olympischen Spielen (E 113 und F 162) und letztmals 1937, mit abweichendem Ausgabejahr 1932 im Titelblatt (E 114), bzw. 1931 (F 163) herausgebracht wurden.
Der englische Nordfrankreich-Band von 1909 (Northern France. 5. Auflage. E 119) musste 1919 noch einmal nachgedruckt werden, während die letzte Auflage fĂźr die sĂźdliche Landeshälfte von 1914 (E 126) noch ausreichend verfĂźgbar war. Beide lieferte der Verlag bis in die 2. Hälfte der 1930er Jahre aus. Neu gab es in einziger Auflage 1931 den Band The Riviera. South-Eastern France and Corsica. The Italian Lakes and Lake of Geneva (E 127), der neben einer Währungstabelle mit Pfund und Dollar einerseits sowie den Landeswährungen Lira, Francs und Franken andererseits auch StraĂenverzeichnisse fĂźr die âTown Plansâ von Lyon, Mailand, Turin, Marseille und Genua bereithielt; der mitunter anzutreffende rote Schutzumschlag zeigt die im Titel angegebenen Landstriche; seltener zu finden ist die, spätere, Variante mit dem berĂźhmten Pont du Gard bei NĂŽmes.
Bereits ein Jahr vorher und bereits in 6. Auflage war den deutschsprachigen Mittelmeer-Badegästen der von Eduard Reusch erarbeitete Riviera-Band (D 354) noch einmal in leicht erweitertem Umfang an die Hand gegeben, wobei auch hier bei vielen Städten, wie Nizza, Genua oder Marseille, StraĂenverzeichnisse das leichtere Auffinden von Reisezielen ermĂśglichten. Die gewachsene Schar der Automobilisten wurde mit zahlreichen neuen StraĂenbeschreibungen bedient. Diese Auflage sollte den Bedarf bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges befriedigen (Motiv des roten Schutzumschlags auch hier: Stumme Karte des Reisegebiets).
⢠GroĂbritannien und London
Eine deutschsprachige Ausgabe fĂźr GroĂbritannien war zuletzt 1906 erschienen. Auch jetzt wurden nur die englischsprachigen Auflagen fortgesetzt mit dem Band von 1927 (E 222); ihm sollte erst im Dritten Reich eine letzte von 1937 folgen (E 223). Auch London wurde nur dem der englischen Sprache Kundigen in zwei Auflagen von 1923 (E 213) und 1930 (E 214) vorgelegt. Die franzĂśsischsprachigen LondonâAusgaben waren ja bereits 1913 eingestellt worden.
⢠Italien
Fortgeschrieben wurden alle laufenden deutschen Ausgaben fĂźr Italien: Ober-Italien 1928 (D 373) und 1931 (D 374) â die kunstgeschichtliche EinfĂźhrung hatte hier noch der 1939 in die USA emigrierte Hans Nachod Ăźbernommen â, Mittel-Italien und Rom 1927 (D 389) und Unter-Italien 1929 (D 405) sowie der Kompakttitel Italien von den Alpen bis Neapel 1926 (D 413) und 1931 (D 414). FranzĂśsischsprachige Folgeauflagen gab es nur noch 1926 fĂźr Italie des Alpes Ă Naples (F 143), 1929 fĂźr Italie centrale et Rome (15. Auflage, F 124) und 1932 fĂźr Italie septentrionale (19. Auflage, F 119). Dagegen wurden 1930 alle drei englischen Teiltitel fĂźr Italien, Northern Italy (E 142), Rome and Central Italy (E 158) und Southern Italy and Sicily (E 175), ein letztes Mal verlegt, nachdem es bereits 1928 die abschlieĂende dritte Auflage von Italy from the Alps to Naples (E 178) gegeben hatte.
⢠Ăsterreich und Ungarn
Zum ehemaligen Gesamtgebiet der Monarchie vergleiche die einfĂźhrenden Hinweise bei den Balkanstaaten. FĂźr die Liebhaber der Ăśsterreichischen Alpenlandschaft erschien 1923 der Band Tirol, Vorarlberg und Teile von Salzburg und Kärnten in 37. Auflage (D 167) als Teilband der seit 1855 verlegten Ausgabe mit dem ursprĂźnglichen Titel SĂźdbayern, Tirol und Salzburg, Ober-Italien. Die nach der Abtrennung SĂźdtirols von Ăsterreich eingefĂźhrten italienischen Ortsnamen waren nun berĂźcksichtigt; die Landeskunde hatte Dietrich Baedeker (1886â1869) geliefert. Der Band erfuhr bis 1932 noch zwei Nachauflagen, zuletzt 1929 unter dem Titel Tirol und Etschland (D 169). Das Ăźbrige Gebiet Ăsterreichs war bereits ab 1887 im Band Ăsterreich enthalten. Hier gab es 1926 die 30. Auflage (D 93), bei der der später emigrierte Hans Tietze noch den kunstgeschichtlichen Part Ăźbernommen hatte und die Landeskunde von Norbert Krebs beigesteuert wurde. 1931 folgte die letzte Auflage (D 94), die bis 1943 im Verlagsangebot war. Gemeinsam mit der Ăśsterreichischen Hauptstadt wurde dann auch die zweite Hauptstadt der ehemaligen Doppelmonarchie, Budapest, 1931 in einem gemeinsamen Städteband behandelt (D 198), der aber keine Fortsetzung finden sollte.
Der seit 1879 bis vor dem Ersten Weltkrieg unter dem Titel Eastern Alps erschienene englischsprachige AlpenfĂźhrer wurde dem Publikum abschlieĂend 1927 als Tyrol and the Dolomites including the Bavarian Alps (13th edition, E 54) mit leicht verringertem Inhalt vorgelegt. Nach 18 Jahren Pause gab es 1929 auch noch einmal einen Band fĂźr Wien (StraĂenverzeichnis) und die Donaurepublik: Austria together with Budapest, Prague, Karlsbad, Marienbad (12. Auflage, E 59). Er deckte auch die bĂśhmische Bäderwelt ab, dagegen war die Beschreibung des Balkans durch die neuen politischen Verhältnisse an der Donau im Rahmen dieses Bandes obsolet geworden.
⢠Polen und die baltischen Staaten sowie das europäische Russland
Der Russland-Band, der Teile von Polen und das Baltikum beschrieben hatte, wurde sicher wegen der politischen Umwälzungen in Russland, die den Reiseverkehr dahin deutlich abgeschwächt hatten, nicht wieder aufgelegt. Auch fĂźr eine bearbeitete Neuauflage des Bands Ăsterreich-Ungarn, der bis 1914 Galizien mit Krakau enthielt, im alten Gebietsumfang war kein Raum mehr. So waren die Touristen zu diesen Reisezielen weiterhin auf die vielfach Ăźberholten Angaben der letzten Auflage des vorgenannten Russland-Vorkriegsbands von 1912 (D 463) und die oben bei den Balkanstaaten beschriebene sog. Notausgabe fĂźr Ăsterreich-Ungarn von 1926 angewiesen.
⢠Schweiz
Die ursprĂźnglich dritte Ausgabe des Verlags fĂźr das Ausland, die vor dem Ersten Weltkrieg wegen der regen Nachfrage in einem Zweijahresrhythmus vorgelegt werden musste, erfuhr in der Weimarer Republik nur noch drei Auflagen (D 324-327): 1920 (Neudruck: 1924), 1927 und 1930cite-ref-schweiz-1930-52-0[52] â vor seinem letztmaligen Erscheinen 1937. Der letztgenannte Schweiz-Band (38. Auflage), dessen Geographie von Otto FlĂźckiger und Kunstgeschichte von Doris Wild Ăźberarbeitet worden war, wurde 1931cite-ref-schuber-53-0[53] als zweite Ausgabe Ăźberhaupt auch in vier Teilen in einem illustrierten Schuber, vom Verlag als âFutteralâ bezeichnet, ausgeliefert. Dieser wiederholt das Motiv des zu dieser Ausgabe gelieferten Schutzumschlags. Mit dieser erst nachträglich eingerichteten Einbandvariante â im Vorwort findet sich kein Hinweis darauf und wird den Käufern stattdessen, wie allgemein in den Bänden Ăźblich, das Zerteilen des Gesamtbandes erläutert â sollten wohl vor allem Bergwanderer angesprochen werden, die Gewichtsbeschränkungen bei ihrem Gepäck zu beachten hatten.
Noch dreimal wurden zwischen 1922 und 1938 Ăźberarbeitete Folgeauflagen von Switzerland (E 26-28) gedruckt, dagegen vom franzĂśsischen Titel Suisse nur noch 1921 (F 69) und 1928 (F 70).
Norwegen
(Notausgabe (1929, D 455))
⢠Skandinavien
Das Reisegebiet Skandinavien sollte nunmehr in zwei Bänden neu bearbeitet werden. 1929 konnte aber zunächst nur fĂźr Schweden und Finnland nebst Reisewegen durch Dänemark eine Neuausgabe vorgelegt werden (D 454). FĂźr das noch fehlende Norwegen musste deshalb im selben Jahr eine sog. Notausgabe, deren auszugsweiser Inhalt aus der Gesamtausgabe fĂźr Skandinavien von 1914 stammte und auch den SprachfĂźhrer umfasste, aufgelegt werden (D 455). Erst 1931 folgte, wiederum unter Einbeziehung von Dänemark sowie von Island und Spitzbergen, eine neue Norwegen-Ausgabe (D 456), zu der Helmut de Boor die geschichtliche Ăbersicht lieferte. Beide neuen Bände, deren Redaktion bei Ernst Baedeker III lag und deren Landeskunde/Geografie Gustav Braun beisteuerte, wurden nur in deutscher Sprache herausgegeben; ihnen fehlte der der Vorkriegsausgabe beigegebene umfangreiche SprachfĂźhrer.
⢠Spanien und Portugal
FĂźr Spanien und Portugal gab es 1929, rechtzeitig zur Weltausstellung in Barcelona, noch eine letzte fĂźnfte, von Gerhard Peters vĂśllig Ăźberarbeitete Auflage (D 476), der ab Ende 1927 daran gearbeitet und dazu 1928 eine dreimonatige Reise durch die iberische Halbinsel unternommen hatte.cite-ref-54[54] Den geschichtlichen Abriss lieferte Hans Nachod, und die von Carl Justi verfasste kunsthistorische EinfĂźhrung war nun von Gertrud Richert Ăźberarbeitet worden. Bereits 1920 war die dritte Auflage von Espagne et Portugal (F 215) erschienen.
⢠Tschechoslowakei
Umfassende Reisehinweise fĂźr das Gebiet der Tschechoslowakei waren bis 1914 auch im Band Ăsterreich-Ungarn enthalten, der mit dem Wegfall des VielvĂślkerstaats nach 1918 keine Fortsetzung finden konnte. Jeweils in ihrer zweiten Auflage wurden daher in den Regionalbänden von Sachsen (D 235) 1928 die tschechoslowakische Hauptstadt Prag und die beliebten bĂśhmischen Bäder (Karlsbad, Marienbad, Teplitz) sowie von Nordbayern (D 250) 1930 der BĂśhmerwald als wesentliche Reiseziele des neugebildeten Staates aktualisiert beschrieben.
AuĂereuropäische Länder
⢠Ăgypten und der Sudan
Die sensationellen Grabungserfolge im Tal der KĂśnige durch Howard Carter fĂźhrten zu dem Ăgypten-Band in Ăźberarbeiteter Auflage von 1928 (D 494). Er wurde weiterhin von Georg Steindorff redigiert, der auch fĂźr die AusfĂźhrungen zu Geschichte und Kunstgeschichte, Religion und Hieroglyphenschrift Altägyptens verantwortlich zeichnete. U. a. der Islam wurde von C.H. Becker und die EinfĂźhrung in den arabischen Dialekt in Ăgypten von Curt PrĂźfer bearbeitet. Die Landeseinteilung wurde von dem Engländer Henry Lyons und die BevĂślkerung von dem Afrikaforscher Georg Schweinfurth abgehandelt. Die 1929 noch in englischer Sprache vorgelegte Ausgabe (E 253) wurde um einen Abriss der christlichen Kunst von dem italienischen Orientalisten Ugo Monneret de Villardcite-ref-55[55] ergänzt.
⢠Indien
Weiterhin lieferbar blieb ausweislich der Verlagswerbung im vorderen Buchspiegel der Indien-Band (D 499).
⢠Kanada
Bereits 1922 (E 266) war der ausschlieĂlich englischsprachige Canada-Band erweitert in vierter Auflage (3. Auflage 1907, E 265) letztmals ediert worden. Noch immer wird auf den Goldabbau im Gebiet der FlĂźsse Klondike und Yukon hingewiesen, der aber seinen HĂśhepunkt längst Ăźberschritten hatte.
Baedeker in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges
Ausgaben von 1933 bis 1939
Noch immer schwer unter den Auswirkungen der nur allmählich abebbenden Weltwirtschaftskrise leidend, traf den Verlag nach Hitlers Machtantritt zunächst das Gesetz Ăźber die Beschränkung der Reisen nach der Republik Ăsterreich vom 29. Mai 1933, das erst 1936 wieder aufgehoben wurde und eine GebĂźhr von 1000 Mark fĂźr jede private Reise nach oder durch Ăsterreich vorsah.cite-ref-56[56] Gerade die Bände fĂźr Tirol und Ăsterreich, das auch Transitland fĂźr Italien war, wurden in häufig Ăźberarbeiteten Auflagen gedruckt und dĂźrften durch das Gesetz einen Nachfrageeinbruch erlitten haben, ebenso wie die Italienbände. Einen knappen Monat später folgte dann das Gesetz Ăźber den Reichsausschuss fĂźr Fremdenverkehr,cite-ref-57[57] womit auch der Tourismus gleichgeschaltet war und die Titelauswahl der Reihe kĂźnftig mit staatspolitischen Interessen konform zu gehen hatte. Alle diese Schwierigkeiten fĂźhrten dazu, dass der Verlag im Oktober 1934 beim Reichsausschuss fĂźr Fremdenverkehr ein zinsloses Darlehen Ăźber 120 000 Mark aufnehmen musste, um die weitere ReisefĂźhrerproduktion absichern zu kĂśnnen.cite-ref-58[58] Baedekers Hauptkonkurrenten auf dem ReisefĂźhrermarkt, das Bibliographische Institut, bei dem seit 1862 Meyers ReisebĂźcher verlegt wurden, traf es ungleich härter: er musste seine traditionsreiche ReisefĂźhrerreihe zugunsten von Baedeker einstellen; im Gegenzug erhielt der Verlag aber die Druckaufträge fĂźr die Baedeker-Produktion, die zuvor bei den Leipziger Druckhäusern Grimme & TrĂśmel sowie Breitkopf & Härtel untergebracht waren.
Bände fĂźr Deutschland einschlieĂlich Berlin bis 1939
Die den deutschen Gebieten gewidmeten ReisefĂźhrer widerspiegeln in besonderem MaĂe die seit 1933 vollzogene radikale Umgestaltung des Ăśffentlichen Lebens im Deutschen Reich. An den Stadtplänen sind die Umbenennungen vieler markanter StraĂen und Plätze nach den FĂźhrern des nationalsozialistischen Regimes oder seinen Symbolfiguren ablesbar, und das Tilgen der Synagogen nach der Reichspogromnacht 1938 in diesen dokumentiert die fortschreitende Verfolgung der jĂźdischen BevĂślkerung in Deutschland und Ăsterreich. Die Hinweise auf die z. T. neugebildeten BehĂśrden und NSDAP-Dienststellen machen die Ausschaltung aller Ăźbrigen politischen Kräfte aus dem Ăśffentlichen Leben sichtbar. Und schlieĂlich belegen u. a. die Neuaufnahme von vermeintlich wichtigen politisch begrĂźndeten Besuchsorten, so des Sterbezimmers von Horst Wessel in die Berlin-Ausgabe von 1936cite-ref-59[59] oder der Hinweis im MĂźnchen-SĂźdbayern-Band von 1935 auf die in der MĂźnchner Feldherrnhalle gewĂźrdigten Hitlerputschisten von 1923, welche geistige Ausrichtung der Tourismus im Deutschen Reich recht bald nach dem 30. Januar 1933 auch nehmen sollte.
⢠Ausgaben fßr das Deutsche Reich insgesamt
Der seit 1906 verlegte Band fĂźr ganz Deutschland kam im Olympiajahr 1936 in sechster Auflage als das Deutsche Reich und einige Grenzgebiete (D 228) erneut auf den Markt und hatte, wie schon die Vorauflage, eine groĂe Deutschlandkarte in einer Tasche des RĂźckendeckels, auf der die bereits fertiggestellten Autobahnstrecken eingezeichnet waren. Aufgrund der fĂźr die Olympiade 1936 auch von ausländischen Besuchern zu erwartenden Nachfrage wurde diese Ausgabe sowohl in franzĂśsischer (Allemagne, F 40) als auch in englischer Sprache (Germany, E 66) mit derselben Ausstattung vorgelegt. Allemagne war Ăźbrigens der einzige franzĂśsischsprachige Band, der während der Zeit des Nationalsozialismus neu erschien.cite-ref-60[60]
Erstmals erschien dann zwei Jahre später als vĂśllig neuartiger Baedeker-Typ der von Oskar Steinheil bearbeitete AutofĂźhrer Deutsches Reich (D 255). Dieser Band war unmittelbar auf die BedĂźrfnisse eines Autoreisenden zugeschnitten und fungierte dementsprechend auch als offizieller FĂźhrer des Deutschen Automobilclubs (DDAC). Er war in drei Teile gegliedert: die Reichsautobahnen, die ReichsstraĂen sowie die Städte und Landschaften. Im EinfĂźhrungsteil waren Angaben zu den damaligen Entfernungen der Städte untereinander, den geltenden Verkehrszeichen sowie den in- und ausländischen polizeilichen Kennzeichen der Kraftfahrzeuge enthaltenen. 1939 erschien eine zweite Auflage als AutofĂźhrer fĂźr GroĂdeutschland (D 256), die das dem Deutschen Reich inzwischen angegliederte Ăsterreichisch mit umfasste.
⢠Berlin
FĂźr den âeiligen Besucher von Berlin und Potsdamâ wurde Anfang 1933 â die obligatorische Liste des Verlagsangebots vorn weist einen Stand âJanuar 1933â aus â eine textlich stark reduzierte, broschierte Kleine Ausgabe des Berlin-Bandes ausgeliefert (D 222). Sie war auch angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage ausnahmsweise wieder, wie bereits 1921, mit Werbeeinträgen versehen. Neben fĂźhrenden Berliner Hotels, wie Adlon, Esplanade und Eden, sowie kleineren Häusern und Pensionen warben das Haus Vaterland und Pschorr-Schankhäuser um Gäste. SchlieĂlich durfte das in jĂźdischem Besitz befindliche Kaufhaus Nathan Israel zu diesem Zeitpunkt noch Kunden suchen und wurde auf den erst seit wenigen Jahren auf dem Markt befindlichen Farbfilm Agfa-Isochrom aufmerksam gemacht. 1934 erhielt der Band einen zweiseitigen Nachtrag zur Namensänderung von Berliner StraĂen und Plätzen sowie BahnhĂśfen der U- und S-Bahn, zum Teil im nationalsozialistischen Sinne. Dieses Format war Vorbild fĂźr weitere Baedeker-Städteausgaben in den folgenden Jahren, insbesondere auch die StadtfĂźhrer-Reihe ab 1948. Anlässlich der Olympischen Spiele folgte 1936, erneut in Broschurform, die reguläre groĂe Ausgabe (D 221). Erstmals erwähnt in beiden Bänden ist der schon 1928, erst nach Erscheinen der Vorauflage des groĂen Berlin-Bands von 1927 erĂśffnete Verbindungstunnel zwischen Hotel Excelsior und Anhalter Bahnhof, ein Berliner Unikum.
⢠Regionalausgaben
Ausweislich der Auflistungen in den Vorderspiegeln der damals aktuellen Titel waren viele Regionalbände der 1920er Jahre, wie OstseekĂźste, NordseekĂźste, Brandenburg, Sachsen oder Hessen-Nassau, in den 1930er Jahren noch lieferbar, so dass nach 1933 keine Nachauflagen gedruckt werden mussten. Von einigen bevorzugten Reisegebieten, insbesondere den deutschen Gebirgslandschaften, wie Harz, Schwarzwald und SĂźdbayern sowie dem Riesengebirge in Schlesien, wurden jedoch Neubearbeitungen benĂśtigt. So erschien u. a. 1935 zunächst die dritte Auflage von ThĂźringen (D 238); ab 1937 wurde die zunächst broschierte Ausgabe auch gebunden und teilweise mit Schutzumschlag ausgeliefert. Bei diesem Titel musste in den während des Zweiten Weltkrieges verkauften Exemplaren die Karte des Gebiets von Leuna weggelassen werden, um geographische Informationen Ăźber diesen kriegswichtigen Ort nicht in die Hand von Kriegsgegnern fallen zu lassen. Schon in Vorbereitung der Olympischen Winterspiele 1936 dĂźrfte im selben Jahr der Band MĂźnchen und SĂźdbayern in nunmehr 39. Auflage (D 165) aufgelegt worden sein. 1936 folgte die 3. Auflage von Schwarzwald (D 243). Beide vorgenannten Titel wurden sowohl gebunden als auch broschiert verkauft. FĂźr die Besucher ausschlieĂlich MĂźnchens und seiner Umgebung bot der Verlag ab 1935 als BroschĂźre, deren Vorderseite die MĂźnchner Frauenkirche schmĂźckte, den zweiten deutschen Städteband, MĂźnchen und Umgebung. Augsburg (D 253), an. Sein Inhalt war text- und kartenidentisch vom SĂźdbayern-Band desselben Jahres Ăźbernommen worden. Auch als Ausgliederung wurde 1936 der Band Norddeutschland (D 254) insbesondere fĂźr die Besucher der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin aufgelegt, da er aufgrund seines geringeren Umfangs viel handlicher war als die Gesamtausgabe fĂźr das Deutsche Reich vom selben Jahr (D 228). FĂźr Schlesien folgte 1938 eine zweite Auflage (D 248), die von Fritz HĂślzel Ăźberarbeitet worden war. Die geographische Ăbersicht hatte der bedeutende Geograph Joseph Partsch und die schlesische Kunstgeschichte der Breslauer Ordinarius Dagobert Frey beigesteuert. Auch Hinweise zu Jugendherbergen hatten in diesen Band Einzug gehalten. Mitten im Zweiten Weltkrieg gab es 1942 noch eine vierzigste Auflage fĂźr SĂźdbayern (D 166) und 1943 die dritte Auflage des Harz-Bandes (D 233). Auch die im Herbst 1938, also erst nach dem Anschluss Ăsterreichs an das Deutsche Reich, erschienene 40. Auflage von Tirol gehĂśrt in diese Gruppe. Die Volkskunde steuerte Arthur Haberlandt und die Kunstgeschichte Josef Weingartner bei.
In die 1936 erschienenen Bände Norddeutschland und Berlin sowie Deutsches Reich wurde während des Verkaufs zu den Olympischen Sommerspielen eine Beilage zum Reichssportfeld eingelegt.
Ausgaben fßr europäische Reisegebiete
⢠Die bereits 1933 in Angriff genommene einbändige Beschreibung des europäischen Kontinents blieb Fragment.cite-ref-61[61]
⢠Der Band Paris von 1931 (D 348) kam 1937, nun mit einer Beilage zur Weltfachausstellung, auf der Deutschland mit einem repräsentativen Pavillon vertreten war, und einem Plan der Pariser Metro, wieder verstärkt in die Buchhandlungen. Auch in franzÜsischer und englischer Sprache wurde er jeweils in der 20. Auflage von 1931 (F 163) bzw. 1932 (E 114), häufig auch mit einer Beilage wie bei der deutschen Ausgabe, weiterhin angeboten.
⢠Die hauptsächlich von Hermann Augustine Piehler â der Abriss der Architekturgeschichte stammte von Edward Freeman â verfasste neue Bearbeitung des englischsprachigen Bandes Great Britain (9. Auflage, E 223), die nunmehr 96 Karten und Pläne umfasste, erschien 1937 zur KrĂśnung von Georg VI.
⢠Ebenfalls 1937 wurde die letzte Bearbeitung des Bandes Schweiz (D 328), der damit seit 1844 39 Auflagen erreichen konnte, abgeschlossen. Im Vergleich zur Vorauflage war die Anzahl der Karten, trotz einer erstmals mitgelieferten StraĂenkarte, von 82 auf 75 reduziert worden. So verzichtete man u. a. auf die âUmgebung von ZĂźrichâ und die âKehrtunnel der Gotthardbahnâ. Bei den Plänen war Winterthur weggefallen. SchlieĂlich war auch die Seitenzahl des Bands leicht reduziert. Dagegen stieg die Anzahl der Panoramen um drei, wobei einige zuvor verwendete gegen wohl attraktivere, wie BrĂŠvent, âEismeerâ (Jungfraubahn) oder Piz Languard, ausgetauscht wurden. Umfang und Ausstattung der letzten Ausgabe von Switzerland (1938, E 94) entsprachen der deutschen.
Mittelmeer, Kanarische Inseln und Madeira
Ein unverändert beliebtes Reisegebiet, das Mittelmeer, fand 1934 erneut eine â im Vergleich zur Erstauflage von 1909 reduzierte â Beschreibung (D 418), die nur noch 584 Seiten (1909: 635) umfasste. Im Vorwort wurde das âMittelmeergebiet als Erdraumâ von Theobald Fischer in der Ăberarbeitung von Otto Maull vorgestellt. Es war nun auch um einen geschichtlichen Abriss des Reisegebiets von Paul Herre erweitert, und einige Adria-Orte, wie Ragusa und Kotor, waren neu aufgenommen worden. Die Kanarischen Inseln waren dagegen weggefallen. Diese wurden dafĂźr in den ebenfalls 1934 herausgebrachten Baedeker fĂźr Madeira (D 477) aufgenommen. Dieser Broschur-Band sollte wohl auch den Bedarf der Passagiere bei den geplanten Reisen mit den KdF-Schiffen mit abdecken, die auch dieses Reiseziel in mehreren Fahrten ansteuerten. 1939 lag dieser Titel auch noch in einer englischen Ăbersetzung (E 243) vor, der aber nur dreieinhalb Monate bis zum Kriegsbeginn am 1. September 1939 ausgeliefert werden konnte, so dass ein groĂer Restbestand 1943 zerstĂśrt wurde und er damit sehr selten ist.
Weitere touristische Fernziele wurden von 1933 bis 1945 nicht neu bearbeitet; vorhandene DruckbÜgen älterer Ausgaben wurden entsprechend der Nachfrage aber weiterhin aufgebunden und sind an den enthaltenen Auflagen-Auflistungen der lieferbaren Baedeker Reisehandbßcher kenntlich.
Ausgaben während des Zweiten Weltkrieges
Obwohl die Reiseliteratur mit Beginn des Zweiten Weltkrieges keine Priorität bei der Buchproduktion mehr genoss, konnte die Verlagsproduktion zunächst trotz bestehender Materialprobleme und personeller Einschränkungen in einem eingeschränkten Umfang noch fortgefßhrt werden, so dass sogar noch einige neue Titel während der ersten Kriegsjahre erarbeitet werden konnten, so zum Beispiel bis 1943 auch fßr das vom Deutschen Reich eroberte Gebiet des Generalgouvernements. Die allmähliche Konzentration aller verfßgbaren materiellen Ressourcen in Deutschland auf die Kriegsfßhrung fßhrte dann aber zum vÜlligen Zusammenbruch des Reisemarktes, so dass der Verlag in wirtschaftliche Bedrängnis geriet. Zusätzlich war die Fortfßhrung des Verlags in den letzten Kriegsjahren durch die vÜllige ZerstÜrung des Verlagsgebäudes im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges (siehe unten) extrem gefährdet, so dass er bei Kriegsende am Rand des Ruins stand.
Ausgaben fĂźr Deutschland
Nur anhand von zwei Regionalbänden, Der Harz und sein Vorland und Sßdbayern, Mßnchen und die Bayerischen Alpen fßr das alte Reichsgebiet, und den nachfolgend genannten Bänden fßr diesem angeschlossene oder militärisch besetzte Länder lässt sich ablesen, dass der Baedeker Verlag anfänglich auch unter Kriegsbedingungen noch eine laufende Verlagstätigkeit entfalten konnte.
Ausgaben fßr dem Reichsgebiet angeschlossene oder militärisch besetzte Länder
⢠Elsass
FĂźr das von 1940 bis 1944 vom Deutschen Reich annektierte Gebiet von Elsass-Lothringen, das gemäà dem Versailler Vertrag zu Frankreich gekommen war, erschien 1942 der Regionalband Das Elsass, Strassburg und die Vogesen in zwei Ausstattungsvarianten: als sog. franzĂśsische Broschur mit Schutzumschlag und als einfache Broschur. Beide Vorderdeckel zierte eine Ansicht der Westfront des StraĂburger MĂźnsters.
⢠Generalgouvernement
1943 erschien der Band Das Generalgouvernement.cite-ref-62[62] Der Band beschrieb in klassischer Baedeker-Manier polnische Gebiete, die ab 1939, 1941 um den Distrikt Galizien erweitert, als Generalgouvernement verwaltet wurden. Sie hatten bis 1918 als Weichselland zu Russland und als Galizien zu Ăsterreich-Ungarn (bzw. von 1939 bis 1941 zur Sowjetunion) gehĂśrt. Der Band sollte Ăźber den âUmfang der ordnenden und aufbauenden Arbeitâ des Deutschen Reichs im âWeichselraumâ informieren.cite-ref-63[63] Er war auf Veranlassung und mit persĂśnlicher und amtlicher UnterstĂźtzung des Generalgouverneurs Hans Frank zustande gekommen.cite-ref-64[64] Autoren waren bis dahin namhafte Wissenschaftler wie der, nun allerdings NS-belastete, Kunsthistoriker Dagobert Frey, sowie Mitarbeiter des Krakauer Instituts fĂźr Deutsche Ostarbeitcite-ref-65[65] und der Verwaltung des Generalgouvernements. Der Inhalt entsprach den Positionen der nationalsozialistischen Ostforschung, die Polens geschichtlich-kulturelle Entwicklung als von deutscher Kolonialisation geprägt ansah. Wenn bei der Beschreibung von Kulturleistungen âim Weichselraumâ Namen genannt werden, sind es nie polnische, sondern deutsche oder gelegentlich italienische. Ebenso wenig wird auf die bedeutende Geschichte der Juden in Polen eingegangen. Gelegentlich wird angemerkt, eine Stadt sei âjetzt judenfreiâ, wie bei Krakau und Lublin. Bei letzterer war zusätzlich hervorgehoben, dass in der Stadt 1862 noch 57 Prozent Juden lebten und sie eine Talmudschule mit der grĂśĂten TalmudbĂźcherei in ganz Europa besaĂ. Auf aktuelle politische MaĂnahmen, wie die Aktion ZamoĹÄ, wurde nur in Andeutungen eingegangen. Dort ist von einem nahen Pfälzer Siedlungsgebiet aus der Zeit um 1800 die Rede, âdas z. Z. durch neue Ansiedlungen gefestigt wirdâ.cite-ref-66[66]
⢠Tirol
1943 wurde in 41. Auflage nochmals eine Ăźberarbeitete Ausgabe fĂźr âTirol, Vorarlberg, westliches Salzburg, Hochkärntenâ vorgelegt. Sie entsprach im Umfang im Wesentlichen der Vorauflage von 1938. Sehr wahrscheinlich wurde ein GroĂteil der Auflage bei dem Bombenangriff auf das Hauptgebäude des Verlags mit zerstĂśrt, so dass dieser Band äuĂerst selten ist.
⢠Wien und Niederdonau
Als erster Band einer geplanten regionalen Bearbeitung des durch den sog. Anschluss an das Deutsche Reich gefallenen Gebiets von Ăsterreich sowie der im Ergebnis des MĂźnchner Abkommens und der Besetzung der restlichen Tschechoslowakei 1939 angegliederten bĂśhmischen und mährischen Gebiete kam Wien und Niederdonau 1943 auf den Markt. Zu weiteren Neubearbeitungen von Teilen Ăsterreichs, ausgenommen des schon erwähnten Tirols, kam es im Ergebnis des weiteren Kriegsverlaufs nicht mehr.
Sonderausgaben fĂźr die Organisation Todt (OT)
1944 wurden im Auftrag des Reichsministers fĂźr Bewaffnung und Munition Albert Speer vom SchriftleitungsbĂźro des Generalinspekteurs Sonderausgaben jeweils als sog. âHandbuch fĂźr den Frontarbeiterâ fĂźr die an militärischen Bauprojekten beteiligte paramilitärische Organisation Todt und die Transporteinheiten Speer aufgelegt. Sie waren in rotes Halbleinen gebunden und trugen das OT-Logo auf dem Vorderdeckel.cite-ref-67[67] Die Texte enthielten alphabetisch geordnete AuszĂźge aus den fĂźr die abgehandelten Gebiete einschlägigen Baedeker-Bänden, die inhaltlich auf dem Vorkriegsstand waren. Ein Band war fĂźr Italien, Baedekers OT-FĂźhrer Italien,cite-ref-68[68] bestimmt und ein anderer fĂźr die in die Westfront einbezogenen besetzten Staaten Belgien, Frankreich und die Niederlande: Baedekers OT-FĂźhrer West. Ăber AuflagenhĂśhen und Verteilungswege der nur zur internen Verwendung bestimmten Titel ist kaum etwas bekannt; jedenfalls tauchen diese Ausgaben recht selten auf dem Antiquariatsmarkt auf.
Ausgaben fĂźr das Ausland
1942 gab es noch eine letzte Bindequote fĂźr den Indien-Band (D 499), bei der die groĂe Ăbersichtskarte des Subkontinents in einer schrägen Leinentasche im hinteren Deckel beigelegt wurde. Vom Band âMittelmeerâ liegt eine Binderate von 1943 vor, nunmehr aufgrund der Kriegswirtschaft ohne Marmorierung des Buchschnitts. Bei beiden Ausgaben ist im Hinblick auf die kriegsbedingten Reisebeschränkungen eine Verwendung fĂźr militärische Zwecke naheliegend.
ZerstÜrung des Verlagsgebäudes mit dem Verlagsarchiv und im Zweiten Weltkrieg nicht erschienene Ausgaben
In der Nacht vom 3. zum 4. Dezember 1943 wurde das Leipziger Verlagshaus des Baedeker Verlags in der NĂźrnbergerstraĂe 46 bei einem alliierten Luftangriff auf Leipzig vĂśllig zerstĂśrt. Dabei gingen das gesamte Verlagsarchiv und vorhandene Restbestände an frĂźheren Auflagen in Flammen auf. Dies erklärt die groĂe Seltenheit mancher Titel, die ohnehin schon in einer nicht allzu hohen Auflage gedruckt und deren Restbestände nunmehr auch vernichtet worden waren.
Ausweislich der Angaben auf dem Vorderspiegel der Ausgabe Wien und Niederdonau von 1943 waren noch Ausgaben fßr Franken, Wßrttemberg (ßberarbeitete 2. Auflage) und Ungarn geplant. Durch die Kriegsumstände war an eine Fertigstellung dieser Bände in der Kriegszeit nicht mehr zu denken. Auch war aufgrund der Kriegswirtschaft und behÜrdliche Anordnung die Reisetätigkeit der deutschen BevÜlkerung zu diesem Zeitpunkt schon erheblich eingeschränkt,cite-ref-69[69] so dass kaum mehr ein praktischer Bedarf an diesen Reisefßhrern bestanden haben konnte.
Während diverse Manuskripte im Bombenhagel unwiederbringlich vernichtet wurden, lagert dasjenige des fßr 1944 geplanten neuen Bands Jugoslawien im Tresor der Library of Congress in Washington.cite-ref-70[70]
Baedeker von 1945 bis 1949 in Leipzig
Da sich der Sitz des Verlages nach Kriegsende in der sowjetischen Besatzungszone wiederfand, unterlag er den Zulassungsbestimmungen der dortigen MilitärbehĂśrden. Karl Baedeker wurde entsprechend den Lizenzierungsvorschriften eine an seine Person gebundene Verlagslizenz mit der Nummer 345 erteilt, so dass er seine Tätigkeit im Verlagsgebäude Käthe-Kollwitz-Str. 30 (Leipzig C 1) zunächst fortsetzen konnte. Angesichts der Vernichtung des alten Verlagsarchivs â ein neues konnte nur schrittweise wieder aufgebaut werden â, wodurch auch sämtliche Kartenvorlagen und die sonstigen fĂźr die ReisefĂźhrerproduktion notwendigen Aufzeichnungen verloren gegangen waren, war an ein rasches AnknĂźpfen an das Verlagsprogramm vor 1945 nicht zu denken. DarĂźber hinaus war durch die KriegszerstĂśrungen und die wirtschaftliche Nachkriegsnot der Urlaubsreiseverkehr und der Bildungstourismus, auf den die Baedeker primär zugeschnitten waren, weitestgehend zum Erliegen gekommen. Ungeachtet dieser Umstände gelang es dem Verlag, in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Bibliographischen Institut 1948 einen schon vor dem Krieg geplanten Band fĂźr Leipzig, dem eigenen Verlagsort, herauszubringen. Die mit einem Vorwort des damaligen Leipziger OberbĂźrgermeisters, Erich Zeigner, versehene BroschĂźre, die von Hans Baedeker (1874â1959) verfasst wurde, spiegelte einerseits die KriegszerstĂśrungen in der Stadt wider, dokumentierte andererseits aber auch den ungebrochenen Aufbauwillen der Leipziger BevĂślkerung. Aufgrund der Eintragung des Standorts der sowjetischen Militärverwaltung in Leipzig in einem beigefĂźgten Stadtplan mussten nach deren Intervention die noch nicht verkauften Bestände mit einer retuschierten Karte versehen werden, bei der die Objektbezeichnung getilgt war. In ähnlicher Aufmachung kam dann 1949 noch ein FĂźhrer fĂźr Stuttgart in einer Auflage von 20. Tsd. Exemplaren heraus, wobei hier als Mitverleger die Franckhâsche Verlagshandlung in Stuttgart zeichnete und neben Leipzig auch Hamburg als Verlagsort genannt ist.
Mit dieser Ausgabe fand die ßber 70 Jahre andauernde verlegerische Tätigkeit des Baedeker Verlags am Standort Leipzig, von wo aus das Unternehmen seine Weltgeltung erlangt hatte, ein jähes Ende; sie wurde dort auch nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 nicht wieder neu belebt.
Baedekerausgaben von 1949 bis 1978
Länder-, Regional- und Städteausgaben in klassischer Baedekeraufmachung
Vorbemerkungen
Karl Friedrich Baedeker (1910â1979), ein Urenkel des FirmengrĂźnders, grĂźndete 1948 in Malente unter altem Namen einen neuen Verlag, fĂźr den er eine Lizenz der Britischen BesatzungsbehĂśrden erhielt. In diesem erschien ab 1949 eine Reihe mit Regionalausgaben, die in klassischer Manier ausgestattet wurden, wobei Baedeker bei den Regionalausgaben fĂźr Bayern und dem Städteband fĂźr MĂźnchen mit dem in MĂźnchen ansässigen Richard Pflaum Verlag kooperierte. Da der Verlag keinen Lastenausgleich erhalten hatte, konnten viele frĂźhe Nachkriegsausgaben nur mit finanzieller UnterstĂźtzung der Ăśffentlichen Hand oder der Wirtschaft erscheinen.
Der Firmensitz von Baedeker wurde 1956 nach Freiburg i. Br. verlegt.
Auch fĂźr den heutigen Leser der frĂźhen Nachkriegsbände von Anfang der 1950er Jahre dĂźrfte die ausfĂźhrliche Darstellung der enormen KriegszerstĂśrungen vor allem in den deutschen Innenstädten von groĂem historischen Interesse sein. So zeigt eine Karte der Frankfurter Altstadt von 1950 mit weiĂen Flecken fĂźr die total zerstĂśrten Stadtquartiere plastisch das enorme AusmaĂ der im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges verloren gegangenen historischen Bausubstanz.cite-ref-71[71]
In den Bänden dieser Zeit wurde aber auch den wirtschaftlichen Verhältnissen der Städte und Regionen breiter Raum gegeben. So sind beispielsweise die AusfĂźhrungen in dem von Otto U. Brandt und Kurt Eitner bearbeiteten Band Hamburg und die Niederelbe (1951) Ăźber den Hamburger Hafen mit den dort tätigen Reedereien (z. B. F. Laeisz, Rickmers Rhederei AG, Robert Miles Sloman jr.) und Werften (Blohm & Voss, Deutsche Werft, Howaldtswerke) von einer aufgrund gewandelter Benutzerinteressen später nie wieder erreichten AusfĂźhrlichkeit. Ebenso werden beim Band Ruhrgebiet (1959) auf Ăźber 100 Seiten â Autoren waren u. a. Paul Kukuk (Geologie), Walther Däbritz (Industriestruktur) und Wilhelm Brepohl (BevĂślkerung) â der inzwischen untergegangene Steinkohlenbergbau und die mit der Region verbundenen Industrien, wie die Montan-, Chemie- und Metallindustrie, die auch das Erscheinen des Bandes finanziell gefĂśrdert hatten,cite-ref-susanne-m-ller-1945-72-0[72] tiefschĂźrfend abgehandelt.
MĂśglicherweise gab es Ende der 1950er Jahre bei manchen Baedeker-Autoren noch Ressentiments gegenĂźber einigen während der Nazi-Herrschaft exilierten Schriftstellern. Der 1955 verstorbene Nobelpreisträger Thomas Mann fand in der Ausgabe von MĂźnchen und Umgebung von 1960 bei den dort in der âGedenktafelâ aufgefĂźhrten berĂźhmten PersĂśnlichkeiten noch keine Erwähnung, wobei die Auslassung auch mit im Zusammenhang mit seinem kritischen MĂźnchener Wagner-Vortrag von 1933, Leiden und GrĂśĂe Richard Wagners, stehen kĂśnnte.cite-ref-73[73] Auch Stefan Zweig wird bei der eingehenden Beschreibung des Salzburger Kapuzinerbergs im SĂźdbayern-Band von 1953 nicht genannt, obwohl er von 1919 bis 1933 im dort gelegenen Paschinger SchlĂśssl lebte und arbeitete. Dagegen ist bei der Beschreibung der Umgebung von Berchtesgaden auf die Angabe des Berghofs als stark zerstĂśrtes ehemaliges Haus Hitlers nicht verzichtet worden.cite-ref-74[74]
Deutschsprachige Regionalbände
Als die nachkriegsbedingten Startschwierigkeiten ßberwunden waren, konnte den beiden noch in Leipzig erschienenen bzw. erarbeiteten Bänden 1949 der erste Band einer neuen Reihe von Regionalausgaben (Landschaftsbände) folgen: Schleswig-Holstein und Hamburg.cite-ref-freiburger-ausgaben-75-0[75] 1950 folgte in zweiter Auflage (1. Auflage 1935) der schon erwähnte Band Mßnchen und Umgebung sowie im April 1951 Frankfurt am Main. Dieser Band stand damit den Besuchern rechtzeitig zu der inzwischen von Berlin nach Frankfurt umgezogenen Internationalen Automobil-Ausstellung zur Verfßgung. Im selben Jahr folgte noch Hamburg und die Niederelbe.
Schritt fĂźr Schritt wurde die Angebotspalette auf fast alle westdeutschen Regionen erweitert. Der Verlag legte unter AnknĂźpfung an die vor dem Krieg erschienenen Regionalbände 1951 in dritter Auflage Nord-Bayern, 1953 SĂźdbayern (41. Auflage) sowie KĂśln und das Rheinland, 1956 Schwarzwald (4. Auflage), Tirol (42. Auflage) und Wiesbaden/Mainz, 1959 Ruhrgebiet, 1962 Rheingau/Rheinhessen und schlieĂlich 1962 Nordbayern-Ostbayern (4. Auflage) vor. Mehrere Bände, wie Schleswig-Holstein und Hamburg, erhielten auch Nachauflagen, allerdings waren insgesamt âdie Verkaufszahlen (âŚ) ernĂźchterndâ und gelang kein âAnschluss an die Vorkriegserfolgeâ.cite-ref-susanne-m-ller-1945-72-1[72]
Vollkommen umgeschrieben wurde der 1936 zuletzt erschienene Berlin-Band mit fĂźnf Auflagen zwischen 1954 und 1987; dies traf auch auf die erstmals 1933 erschienene, heute recht seltene kleine Berlin-Ausgabe zu, die zwischen 1968 und 2002, nun in der StadtfĂźhrer-Reihe, mehrfach aufgelegt wurde.
Länderband USA
Lediglich ein Länderband, USA, wurde mit zwei Auflagen 1974 und 1979 im traditionellen Baedeker-Format nach 1945 verlegt. Er knßpfte an den zuletzt 1904 erschienenen Band Nordamerika an, spiegelte die sich seitdem vollzogene rasante Entwicklung dieses Bundesstaates wider und sollte dem gewachsenen transatlantischen Reiseverkehr Rechnung tragen. Reiseinformationen fßr Mexiko wie noch im Band von 1904 sind jedoch nicht mehr enthalten. Der Titel wurde formatgleich von 1983 bis 1990 in der Baedeker-Allianz-Reihe fortgesetzt (siehe dort).
Fremdsprachige Ausgaben
Analog zur frĂźheren verlegerischen Praxis (vgl. Canada und Nordest-France etc.) wurden einzelne Titel auch ausschlieĂlich als fremdsprachige Ausgaben konzipiert, weil der Verlag offensichtlich entsprechende Sprachkenntnisse bei den deutschen Benutzern voraussetzte und sicher nicht zuletzt auch an entsprechende ExporterlĂśse dachte. Bereits 1951 erschien so in 20. Auflage der Band London and its environs, der 1955 eine letzte Nachauflage erlebte. In vĂśllig umgearbeiteter Form verĂśffentlichte der Verlag zwischen 1966 und 1970 eine auf vier Bände angelegte, sehr handliche Ausgabe fĂźr GroĂbritannien (Great Britain I bis III); der geplante vierte Band fĂźr Schottland erschien jedoch aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage in GroĂbritannien nicht mehr.
SchlieĂlich wurden auch drei Regionalbände fĂźr touristisch besonders attraktive Regionen, bei denen mit vielen ausländischen Besuchern zu rechnen war, wieder in Ăbersetzungen vorgelegt: Nordbayern, Franken, Oberpfalz, Niederbayern (Northern Bavaria, 1951, 3. Auflage), SĂźdbayern (Southern Bavaria, 1953) und Tirol (Tyrol and Salzburg, 1961, 14. Auflage); auch sie knĂźpften an entsprechende Vorkriegspublikationen an.
Ausgaben des Baedekers AutofĂźhrer-Verlag
Vorbemerkungen
1951 schloss sich Karl Friedrich Baedeker in Stuttgart mit dem Verleger und Kartografen Kurt Mair (1902â1957) sowie mit Oskar Steinheil, der die ersten AutofĂźhrer des Deutschen Reichs von 1938 und 1939 bearbeitet hatte, zusammen und begrĂźndete Baedekers AutofĂźhrer-Verlag in Stuttgart. In diesem erschienen zunächst die Shell-AutofĂźhrer und die AutoreisefĂźhrer, da der PKW in den 1950er Jahren die Eisenbahn als klassisches Verkehrsmittel fĂźr den Reiseverkehr allmählich abzulĂśsen begann, so dass dem mit einer vĂślligen Neukonzeption aller ReisefĂźhrer Rechnung getragen werden musste. Das nun im Hochformat gehaltene Buchformat war deutlich vergrĂśĂert worden, da die ReisefĂźhrer im Pkw auch in dieser Ausstattung problemlos mitgefĂźhrt werden konnten. Erst Ende der 1970er Jahre kam noch einmal das klassische Kleinformat bei der kurzlebigen Reihe der KompaktâReisefĂźhrer zum Einsatz. Der Inhalt aller Bände war durch Zeichnungen aufgelockert.
Shell-AutofĂźhrer
⢠Deutschsprachige Ausgaben
Ab 1952 wurden zunächst Baedekers Shell-AutofĂźhrer fĂźr die deutschen Regionen parallel zu den noch vom Karl Baedeker Verlag bearbeiteten RegionalfĂźhrern, aber in Abkehr vom traditionellen Erscheinungsbild der roten Baedeker-ReisefĂźhrer zum Preis von 4,80 DM vorgelegt. Entsprechend der Firmenfarbe des Shell-Konzerns, mit dem bei der Herstellung kooperiert wurde, waren die BroschĂźren nämlich in gelb-rotem Grundton gehalten und mit dem Shell-Firmenlogo versehen. Auf dem Vorderdeckel trugen sie zumeist ein fĂźr das Titelgebiet typisches Bauwerk, das auch die Schutzumschläge wiederholten. Die unter der Redaktion von Oskar Steinheil erarbeiteten Ausgaben waren einzelnen, eng begrenzten Landschaften gewidmet. Beginnend mit den Bayerischen Alpen, fortgesetzt mit Bänden u. a. zu Franken, Hessen und dem Harz, endete die zehnbändige Reihe mit dem Band Nordsee/Ostsee. Inhaltlich waren sie in fĂźnf Abschnitte geteilt: allgemeine geographische Angaben zum Reisegebiet, StraĂenverhältnisse und Unterkunft, Tourenvorschläge, detaillierte StraĂenbeschreibungen sowie Angaben zu Orten und Landschaften. Diese regionalen ReisefĂźhrer erlebten bis 1973 mehrere Auflagen, was titelabhängig aufgrund unterschiedlicher Nachfrage zwischen drei (Hessisches Bergland) und neun (Schwarzwald) stark variierte.
Die Auflagen ab 1968 erschienen unter dem geänderten Titel Baedekers Autoreisefßhrer in roter laminierter Broschur, deren Gestaltung den nachfolgend behandelten Länderfßhrern der Autoreisefßhrer entsprach.
⢠FranzÜsischsprachige Ausgaben
Unter dem Titel Guide automobile Shell erschienen nur drei Bände ab 1953 auch in franzĂśsischer Ăbersetzung. Beginnend mit Rhin et Moselle (Rhein und Mosel), gefolgt von ForĂŞt-Noir. Lac de Constance (Schwarzwald und Bodensee) und 1956 abgeschlossen mit Alpes Bavaroises (Bayerische Alpen), umfasste die kurze Reihe erstaunlicherweise genau die schlieĂlich auch auflagenstärksten deutschen Titel.
AutoreisefĂźhrer
Von 1953 bis 1979 â fĂźr Deutschland sogar bis 1990 â wurden die âAutoreisefĂźhrerâ in AnknĂźpfung an die LänderfĂźhrer und die ersten beiden AutoreisefĂźhrer fĂźr das Deutsche Reich von 1938 und 1939 verlegt. Der Inhalt war in der Regel viergeteilt: Einem EinfĂźhrungsteil mit allgemeinen Angaben folgte ein grĂśĂerer Routenteil, dem sich eine alphabetisch geordnete Abhandlung der an den Routen gelegenen Ortschaften und Gebiete anschloss. SchlieĂlich wurden dem Benutzer Hinweise zu den an den Reiserouten liegenden UnterkĂźnften gegeben. Allen Bänden war mindestens eine groĂe Ăbersichtskarte fĂźr das Reisegebiet beigegeben. Auf dem roten Schutzumschlag war ein dreifarbiger Kartenausschnitt des behandelten Reisgebiets abgebildet
⢠Ausgaben fßr Deutschland und deutschsprachige Länder
Von 1953 bis 1990 erschien als erster Band der neuen Reihe der auch von Oskar Steinheil betreute Titel Deutschland, der das Gebiet der alten Bundesrepublik und Westberlin abdeckte und bis 1990 in 14 Auflagen erlebte. Die Auflagenzählung knßpfte allerdings an die beiden Vorkriegsausgaben fßr das Deutsche Reich an, so dass der erste Band aus dem Jahr 1953 bereits als dritte Auflage erschien. Ausweislich des Untertitels fungierte er als Offizieller Fßhrer des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs, was dem Buch eine zusätzliche Nachfrage beschert haben dßrfte.
Bereits 1954 folgte fĂźr die Schweiz einer der ersten drei Auslandsbände, fĂźr Ăsterreich lag erst 1956 die erste Auflage (1975: 9. Auflage) vor.
⢠Ausgaben fßr West- und Nordeuropa
Ebenfalls 1954 gab es fĂźr Spanien und Portugal einen weiteren Auslandsband, mit dem erneut ein klassisches Reisegebiet des westlichen Kontinentaleuropas abgedeckt werden sollte. Hinzu kam 1957 Skandinavien, das bis 1976 acht Auflagen erfuhr.
⢠Ausgaben fßr Ost- und Sßdosteuropa
Nachdem dann 1954 Oberitalien und 1958 Mittel- und Unteritalien, noch immer die klassischen Reiseziele deutscher Touristen, bearbeitet worden waren, erschienen bereits 1956 ein Band fĂźr Jugoslawien und Griechenland und 1965 (1973: 3. Auflage) der Band TĂźrkei, der auch die sich anschlieĂenden Routen bis nach Beirut und Jerusalem enthielt, womit er bis nach Asien hineinreichte. Die beiden letztgenannten Ausgaben trugen den von der westdeutschen BevĂślkerung wiederentdeckten Reisezielen auf dem Balkan und im Nahen Osten Rechnung.
⢠Ausgaben fßr sozialistische Länder Europas
Zeitgeschichtlich interessant ist der 1968 auf den Markt gebrachte Tschechoslowakei-Band. Er erschien als rasche Reaktion des Verlages auf die durch den Prager FrĂźhling von 1968 zunächst verheiĂenen politischen Wandlungen in diesem Land. Er wurde aber genau am Tag des Einmarsches der Truppen des Warschauer Pakts in das Land ausgeliefert, so dass dem Band zunächst kein groĂer Erfolg beschieden war.cite-ref-76[76] Abgesehen von dem damals blockfreien Jugoslawien, aufgrund der Transitstrecken im gemeinsamen Band mit Griechenland ab 1956 bearbeitet, folgte dann nur noch ein Band fĂźr das damals sozialistische Bulgarien im Jahr 1969. Einerseits fĂźhrte hier der Tourismus â nicht zuletzt aufgrund der gĂźnstigen Devisenumtauschsätze â viele westdeutsche Reisende an das klimatisch begĂźnstigte Schwarze Meer, andererseits grenzte das Land an Griechenland und die TĂźrkei, so dass es auch auf Transitrouten fĂźr diese Reiseziele durchquert werden musste, so dass der Verlag eine separate Ausgabe wagte. Bei beiden Bänden wurde im Gegensatz zu den Ăźbrigen deutschsprachigen Ausgaben aber keine Folgeauflage nĂśtig.
⢠Fremdsprachige Ausgaben fßr Westeuropa
1955 lag die erste franzĂśsischsprachige Ausgabe zu dem ein Jahr zuvor erschienenen Band fĂźr die Schweiz vor. Es gab bis 1958 noch drei weitere Ausgaben â mit Norditalien, den Benelux-Staaten sowie Spanien und Portugal waren aber lediglich ausgewählte europäische Länder berĂźcksichtigt worden. Mit diesen Ausgaben wollte der Verlag sicherlich ebenso wie mit den acht englischsprachigen Ausgaben zwischen 1957 und 1967 (u. a. Switzerland 1957, 2. Auflage 1967, Austria und Benelux 1958, France 1961, Scandinavia 1963 und Yugoslavia 1964) im Exportgeschäft aktiv werden, da die Käufer kaum in Deutschland zu suchen waren.
Touropa-Baedeker
Im Jahr 1957 erschien eine mit dem ReisebĂźro Touropa veranstaltete, kurzlebige Reihe von drei kleinen ReisefĂźhrern. Diese BroschĂźren enthielten mit den Teilen Allgemeiner StreckenĂźberblick, Praktische Hinweise und Streckenbeschreibung sowie zwei Eisenbahnstreckenplänen kurze Reiseinformationen zu den Gebieten âTirol-Italienâ, âSchweiz-Rivieraâ und âSalzkammergut-Jugoslawienâ, die auszugsweise den gleichnamigen AutoreisefĂźhrern entsprechend den BedĂźrfnissen der mit Touropa auf Urlaubsreise gegangenen Pauschaltouristen entnommen worden waren.
Länderfßhrer USA
In Ăźberarbeiteter Form â nun auch mit Farbfotos, Zeichnungen und Tabellen â wurde der bis 1909 verlegte ReisefĂźhrer fĂźr die USA erneut in 3 Auflagen (1974, 1979 und 1983) ediert. Der im klassischen BaedekerâFormat aufgebundene Band mit Ăźber 800 Seiten wurde in der ersten Auflage noch von dem 1971 verstorbenen Oskar Steinheil konzipiert, die Urmanuskripte stammten von Ingeborg Kramarz und Hans Kramarz. Die landeskundliche EinfĂźhrung verfasste Helmut Blume, und Wolfgang Lindig lieferte eine Ethnologie der Indianer in den USA. Viele Institutionen und Verkehrsunternehmen in den USA und der Bundesrepublik steuerten Illustrationen, Informationen und Pläne bei oder waren inhaltlich beratend tätig. Die Folgeauflagen wurden sachkundig aktualisiert u. a. von Hans Baedeker, Monika I. Baumgarten und Helmut Linde. Teilauflagen wurden gemeinsam mit der Lufthansa herausgegeben, die dann auch auf dem Schutzumschlag genannt ist.
Gemeinsam mit dem Verlagshaus Hachette wurden in der Reihe âLes Guides Bleusâ (Die Blauen FĂźhrer) â also in vollständig blauem Einband â 1976, 1980 und 1983 franzĂśsischsprachige Bände unter dem Titel ĂŠtats-unis ediert. Die Ausstattung der im Format etwas hĂśher gehaltenen Bände steht den deutschsprachigen Ausgaben aber deutlich nach. So wurden sämtliche Karten und Pläne, die laut Verlagshinweisen entsprechend den Nutzerinteressen teilweise Ăźberarbeitet sind, nur in schwarz/weiĂ gedruckt. Auch fehlen die zusätzlichen Fotos und Zeichnungen von wichtigen Reisezielen aus den deutschen Ausgaben vĂśllig. Ebenso wurde auf Aussprachehinweise verzichtet. Umfangreicher sind dagegen die Angaben bei den UnterkĂźnften und Ausflugszielen gehalten, so dass insgesamt eine Seitenzahl von Ăźber eintausend erreicht wird.
KompaktâReisefĂźhrer
Der mit den KompaktâReisefĂźhrern in den Jahren 1976 bis 1979 unternommene Versuch, eine neue inhaltliche Gliederung bei extrem beschränktem Umfang umzusetzen, blieb Episode und fand keine Fortsetzung: Zu einer dem KompaktâReisefĂźhrer vorangestellten Generalkarte eines Reisegebiets von âMairs Geographischem Verlagâ wurden die touristisch interessanten Ziele der einzelnen Planquadrate punktuell beschrieben. Die nur acht Ausgaben dieses ReisefĂźhrertyps, mit denen sowohl ausländische GroĂstädte (New York, Rom und Prag) als auch touristisch attraktive Regionen (SĂźdtirol/Dolomiten, Bodensee und Vogesen/Elsass) sowie die vor allem bei deutschen Urlaubern beliebte Insel Mallorca besprochen wurden, traf offensichtlich die BedĂźrfnisse der Käufer nicht ausreichend. Die im Band Vogesen / Elsass (1978) schon als erschienen verzeichneten Bände fĂźr Pariscite-ref-77[77] und Griechenland (Festland und Inseln) sind ebenso wenig auf den Markt gekommen, wie die nur angekĂźndigten Ausgaben fĂźr die Italienische Riviera,cite-ref-78[78] den Schwarzwald und Kärntencite-ref-79[79] Ceylon, Dänemark und die FranzĂśsische Riviera sowie die Städte Athen, Hongkong und London.cite-ref-80[80]
Stadtfßhrer fßr deutschsprachige Städte von 1963 bis 2010
â
Hauptartikel
:
Baedeker-StadtfĂźhrer
Die Ausgaben dieser zunächst in schmalen Broschurbänden im klassischen Baedekerformat erschienenen Reisefßhrer-Reihe des Karl Baedeker Verlags begannen 1963 und endeten 2010.cite-ref-freiburger-ausgaben-75-1[75] Allerdings gab es zu diesen neben den ab 1878 fßr Berlin verfßgbaren Ausgaben Vorläufer vor dem Zweiten Weltkrieg (Mßnchen und Augsburg 1935) und nach 1945 (u. a. Leipzig 1948, Stuttgart 1949).
Ausstattung
Der Vorderdeckel bildete das jeweilige Stadtwappen ab. Der BuchrĂźcken, anfangs noch unbedruckt, trug ab 1968 den Städtenamen und in den 1980er Jahren teilweise zusätzlich die Bandnummer. Die RĂźckendeckel zierte zunächst ein Bauwerk oder Denkmal der Stadt. Die Broschuren enthielten neben den touristisch notwendigen Informationen Ăźber den Ort und dem traditionellen, mehrfarbigen Plan der Stadt und/oder Innenstadt zumeist auch eine historische Stadtansicht nach Merian und waren mit schwarz-weiĂ Illustrationen ausgestattet. Grundrisse und Lagepläne wurden auch mit roten Bildelementen ergänzt. Am Bandende war teilweise Werbung fĂźr die ReisefĂźhrerproduktion von Baedeker, aber auch von anderen Unternehmen zu finden. Das Format wurde ab 1983 leicht vergrĂśĂert, wobei die Texte in grĂśĂerem Schriftgrad vĂśllig neu gesetzt wurden. Ab 1988 wurden die Wappensupralibros durch ein Foto mit einem markanten Bauwerk abgelĂśst. Ende der 1990er Jahre wurden auf die zuvor leeren Buchspiegel Zeichnungen und Beschreibungen der wichtigsten SehenswĂźrdigkeiten der beschriebenen Stadt gedruckt, und um die Jahrtausendwende änderte sich die auf dem Vorderdeckel und BuchrĂźcken angegebene Titelbezeichnung in âBaedekerâ ohne das Genitiv-âsâ. Bereits seit 1994 war auf der BuchrĂźckseite neben dem Strichcode-Titel der Verkaufspreis eingedruckt. Die ersten Bände kosteten je nach Umfang 2,40 DM oder 2,80 DM und die letzten 6,50 bis 8,95 âŹ.
Die Reihenautoren kamen aus der Verlegerfamilie, waren Historiker, Heimatforscher oder Reisejournalisten. Die Zeichnungen stammen sehr häufig aus der Feder von Gerhard Gronwald (â 1965) und Katja Ungerer. Die Stadtpläne und Landkarten steuerten zumeist die in Lahr ansässigen Firmen Georg Schiffner und Christoph Gallus bei. Permanent wurde der Inhalt der Bände bei Folgeauflagen einer Aktualisierung unterzogen. Der Titelkanon der Reihe hatte seinen HĂśhepunkt Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre. Ab 1989 wurde er schrittweise ausgedĂźnnt. Ăbrig blieben zuletzt nur Ausgaben fĂźr einige wenige grĂśĂere Städte, wie Basel oder Berlin (kleine Ausgabe), sowie fĂźr Touristenhochburgen, wie Bamberg oder Konstanz; an der Jahrtausendwende gab es nurmehr gut anderthalb Dutzend StadtfĂźhrer. Das Gros der anderen Orte war in den Regionalbänden der Baedeker-Allianz-Reihe aufgegangen oder hatte dort Separatausgaben erhalten.
1986 wurde auf der Grundlage der StadtfĂźhrer ein StädtefĂźhrer fĂźr (West-)Deutschland erarbeitet, der die wichtigsten Städte der alten Bundesrepublik und Westberlin beschrieb, allerdings auch einen kurz gefassten âAusflug nach Berlin (Ost)â enthielt und mit farbigen Innenstadtplänen und Wappenzeichnungen aufwartete.
Alte Bundesrepublik und DDR
Fßr das Gebiet der alten Bundesrepublik begann die Reihe 1963 mit den Bändchen Kiel und Lßbeck sowie Hamburg und Insel Helgoland. Später kamen viele touristische Hochburgen, wie Bamberg, Freiburg und Nßrnberg, oder Städte mit Verbindungen zum Baedeker-Verlag, wie Essen (Sitz des G. D. Baedeker Verlags), hinzu.
Angesichts der bis 1990 bestehenden Teilung der Stadt Berlin sollten fĂźr alle West-Bezirke zu ihrer besseren touristischen ErschlieĂung Stadtteil-Bände ediert werden. Diese begannen 1967 mit SchĂśneberg und endeten mit Zehlendorf im Jahr 1987. Lediglich fĂźr NeukĂślln wurde der Plan nicht realisiert.
Aufgrund der relativ leichten EinreisemÜglichkeiten von Bundesbßrgern nach Ost-Berlin stellte dessen berßhmte Museums-Landschaft ein lohnendes zusätzliches Reiseziel fßr die Besucher von West-Berlin dar. So kam es 1968 zu einer Separat-Ausgabe fßr Ost-Berlin. Nur fßr Leipzig wurde 1973 ein Band zu einer in der DDR gelegenen Stadt publiziert, der ihrem Status als Drehscheibe des Ost-West-Handels geschuldet war.
Nach der deutschen Wiedervereinigung fand keine weitere ostdeutsche Stadt Eingang in die Reihe. Sie waren schon (Dresden, 1986) oder wurden nun in die jeweiligen Baedeker-Allianz-Regionalbände eingebunden.
Ăsterreich, Schweiz und Frankreich
Schon 1964 war eine Beschreibung der Mozart-Stadt Salzburg von Kurt Pomplun in der Reihe zu finden. Es folgten 1969 Graz und Innsbruck sowie 1979 das von Gerhard Peters bearbeitete Wien. Auch zwei Schweizer Städten war jeweils ein Bändchen gewidmet: Genf (1972) und Basel (1978), wohingegen der 1975 fĂźr ZĂźrich angekĂźndigte Band nicht zur Ausgabe kam. Obwohl StraĂburg streng genommen nicht zu den rein deutschsprachigen Städten gehĂśrt, wurde es wohl aufgrund seiner besonderen historischen und sprachlichen Entwicklung sowie der Grenznähe zu Deutschland 1973 in die Reihe aufgenommen.
Fremdsprachige Ausgaben
Die Tradition der englisch- und franzĂśsischsprachigen Städteausgaben wurde auch nach 1945 wieder aufgenommen. So gesellten sich zu den Städte-Bänden Frankfurt am Main, MĂźnchen, KĂśln, Berlin und Salzburg ihre vorwiegend im Ausland vertriebenen Pendants: Frankfurt and the Taunus (1951), Munich and its environs (1950), Berlin (englische Ausgaben: 1965 [groĂe Ausgabe], 1971 [kleine Ausgabe]; franzĂśsische Ausgabe: 1971) und Salzburg (englische Ausgabe: 1964); teilweise gab es Folgeauflagen. 1974 folgten noch Ăbersetzungen des Bändchens fĂźr Baden-Baden ins FranzĂśsische und Englische. Insgesamt dĂźrfte allen diesen fremdsprachigen Bändchen der verlegerische Erfolg gefehlt haben, denn Nachfolger fĂźr das Gros der anderen Städte gab es nicht.
Ăra der Baedeker-Allianz-ReisefĂźhrer von 1979 bis 2012
Verlagsentwicklung
Nach Kurt Mairs Tod 1957 Ăźbernahm dessen Sohn Volkmar (* 1931) die VerlagsfĂźhrung. 1972 zog der Baedeker AutofĂźhrer-Verlag dann von Stuttgart nach Ostfildern-Kemnat in das neue Verlagsgebäude der Mair-Gruppe. Nachdem Karl Friedrich Baedeker im Jahr 1979 und kurz darauf auch sein Sohn gestorben waren, erwarb die Langenscheidt KG den Freiburger Teil des Verlagshauses. 1987 schlossen sich schlieĂlich die beiden Verlagshäuser Baedeker AutofĂźhrer-Verlag und Karl Baedeker Verlag zur Karl Baedeker GmbH mit Sitz in Ostfildern/Kemnat zusammen. Dieser Verlag wurde 1997 von Mairs Geographischer Verlag, der zur MairDumont-Gruppe gehĂśrt, mit allen Namensrechten erworben. Als Chefredakteur fungiert gegenwärtig Rainer Eisenschmid sowie als Verlegerin und GeschäftsfĂźhrerin Stephanie Mair-Huydts.
Vorbemerkungen zu den Baedeker-Allianz-ReisefĂźhrern
Im FrĂźhjahr 1979 begann noch der Baedeker AutofĂźhrer-Verlag mit der Reihe der Baedeker-Allianz-ReisefĂźhrer, die bis 2012 den klassischen Baedeker-Band repräsentierten. Da der klassische Autoreisende immer mehr durch den Flugreisenden abgelĂśst wurde, folgte auch das Konzept diesem Trend, bei dem nicht mehr die Reise selbst mit den verschiedensten Fahrtrouten und den interessantesten Zwischenstationen, sondern das Reiseziel im Blickpunkt der Darstellung steht. Herausgeber der Reihe war Peter Baumgarten. Die Palette reichte vom klassischen Länderband Ăźber Bände fĂźr bestimmte Urlaubsregionen bis hin zu Städteausgaben fĂźr grĂśĂere Metropolen. Dabei wurden die roten StadtfĂźhrer, die ursprĂźnglich auch fĂźr die grĂśĂeren Städte erstellt worden waren, schrittweise durch die Baedeker-Allianz-Ausgaben ersetzt. Lediglich fĂźr kleinere Orte, fĂźr die aus GrĂźnden des Stoffumfangs das grĂśĂere Format nicht wirtschaftlich gewesen wäre, wie Leipzig, LĂźbeck oder Regensburg, und als âKleine Ausgabeâ fĂźr Berlin wurde die StadtfĂźhrer-Reihe parallel zu diesen Ausgaben fortgefĂźhrt bis zur Einstellung der Reihe 2010.
Baedeker-Allianz-ReisefĂźhrer im Hochformat
Die ersten Ausgaben, die der alten Bundesrepublik und einigen europäischen Ländern, wie Frankreich, Italien, Jugoslawien und Griechenland, gewidmet waren, wurden in einem sehr schlanken Hochformat von 14,5 cm Ă 26,5 cm, ähnlich den frĂźheren AutoreisefĂźhrern, in einem stabilen Pappeinband angeboten. Beide Buchdeckel zierte auĂen eine identische Farbfotografie eines landestypischen Reiseziels, wie auch die Bandbeschriftung auf der Buchvorder- und RĂźckseite identisch war. Die Bände waren u. a. mit einer hinten eingeklebten âGroĂen Autokarteâ, die das Fahrzeug-Länderkennzeichen trug, in den Text gedruckten Stadt- und Umgebungsplänen, Fotografien der bedeutendsten touristischen Ziele und Tabellen zu prägnanten Landes- und Reiseinformationen ausgestattet. Die Gliederung umfasste vier Hauptpunkte in folgender Reihenfolge: allgemeine Vorstellung des Reiselandes, alphabetisch geordnete Reiseziele, Praktische Informationen (u. a. Sprache, Reisezeit und Verkehrsmittel, Unterkunft, Bewirtung und Einkauf sowie Hinweise zu speziellen Destinationen) und Register. Den europäischen Reiseländern folgten dann bereits 1981 auch auĂereuropäische Destinationen, wie die Karibik, Mexiko, New York oder Tokio.
Baedeker ReisefĂźhrer âDDRâ im Hochformat
1980 war durch eine Lizenznahme beim Leipziger Tourist Verlag erstmals auch das Gebiet der DDR in vollem Umfang in der Palette der Reiseländer vertreten. Laut Impressum war der Inhalt vom Tourist-Verlag erarbeitet worden und hatte im Baedeker Verlag nur seine Endfassung erhalten. Dadurch war einerseits die unbeanstandete Mitnahme des ReisefĂźhrers in die DDR gesichert, weil ansonsten nicht dem âkulturellen Erbeâ zuzurechnende westliche Druckerzeugnisse in die DDR nicht eingefĂźhrt werden durften, und konnte durch das abschlieĂende Layout im Hause Baedeker zumindest dessen verlegerischen Erfordernissen Rechnung getragen werden. Erstaunlicherweise blieb aber die auf der Basis der marxistischen Geschichtsauffassung konzipierte 9-seitige Chronologie zu den wichtigsten Ereignissen in der deutschen und der DDR-Geschichte, bei der u. a. der Grundlagenvertrag von 1972 textlich hervorgehoben ist, unverändert.
FĂźr den an jĂźngerer deutscher Geschichte Interessierten dĂźrfte der Band heute eine sehr anregende LektĂźre bieten, sind doch die von der DDR-FĂźhrung aufgrund des geteilten Deutschlands fĂźr den Tourismus getroffenen spezifischen Reiseregelungen, dem Baedekerschen ReisefĂźhrerkonzept folgend, detailliert beschrieben worden.cite-ref-81[81] Dies beginnt beim Kleinen Grenzverkehr und der Auflistung der fĂźr die Einreisenden ausschlieĂlich passierbaren GrenzĂźbergänge, geht weiter mit den Zoll- und Devisenbestimmungen einschlieĂlich des Mindestumtauschs sowie den restriktiven Aus- und Einfuhrbestimmungen und endete bei der polizeilichen Meldepflicht fĂźr in der DDR ankommende Reisende. Erwähnenswert ist auch der im Band zunächst gegebene Hinweis zum Wegfall der Sommerzeit in der DDR ab 1981,cite-ref-82[82] der dann auf der RĂźckseite des Vorsatzes als unzutreffend korrigiert wurde.
Der auf dem Vorderdeckel mit dem Kronentor des Dresdner Zwingers geschmĂźckte DDR-Band erschien ohne den Zusatz und das Logo âAllianzâ auf dem Einband und im Buchtitel. Lediglich die Autokarte wich bei ihrer Beschriftung mit âBaedeker-Allianz-ReisefĂźhrerâ insoweit nicht vom Standard ab.
Baedeker-Allianz-Reisefßhrer im 8°-Buchformat
Auf das doch recht unhandliche Hochkantformat mit steifen Buchdeckeln wurde später zu Gunsten eines Broschureinbands im normalen Buchformat verzichtet. Durch die Flexibilität der Broschur war wieder ein angenehmerer Transport mĂśglich. Die groĂe Hauptkarte war nun in den Plasteumschlag, der die empfindlichere Broschur schĂźtzen sollte, eingelegt.
Von September 2010 an wurden die Baedeker zusätzlich mit einem separat beiliegenden, 16-seitigen âSpecial Guideâ ausgeliefert. Dieser behandelt fĂźr die Urlaubsregionen vor allem geographisch, kĂźnstlerisch, kulturell oder auch kulinarisch besonders prägnante Themen.
Baedeker-Allianz-ReisefĂźhrer Asien. Ostasienâ˘SĂźdasien und USA im 12°-Buchformat
Nur einmal noch kehrte der Verlag bei dieser Reihe zum ursprĂźnglichen Baedekerformat und klassischen Einband (hier in rotem Leinen) der ReisehandbĂźcher zurĂźck, das letztmals beim Länderband USA (1974, 1979, 1983) verwendet wurde: beim Ăźber 1000 Seiten starken Band Asien. Ostasienâ˘SĂźdasien, bei dem es sich allerdings um eine Lizenznahme des beim Far Eastern Economic Review in 13. Auflage erschienenen Titels All-Asia-Guide handelte. Mit dem 75 DM teuren Band werden nach einer gedrängten Ăbersicht Ăźber die Region, beginnend mit Bangladesch und endend mit Vietnam, die Staaten Ost- und SĂźdasiens beschrieben. Die hinten eingeklebte Karte steuerte Mairs Geographischer Verlag bei.
Zu dem auch in der Baedeker-Allianz-Reihe fortgesetzten Länderfßhrer USA vergleiche die unter dem Punkt Baedekers Autofßhrer-Verlag gemachten Ausfßhrungen.
Baedekerausgaben seit 2013
Baedeker-Allianz-Reisefßhrer (Restbestände)
Der Verlag bot bis 2016 noch drei ältere Titel an: Ruhrgebiet, Griechische Inseln und Russland â Europäischer Teil.
Baedeker-ReisefĂźhrer
Ab 2013 kam eine neu gestaltete Baedeker-Generation auf den Markt. Der Zusatz âAllianzâ ist weggefallen, der Bandname ist in einer Grotesk-Schrift gestaltet. Der blaue Farbstreifen an der Oberkante des Einbands blieb aber erhalten. Die mit abgerundeten Ecken â diese gab es schon einmal bei den Baedeker-Shell-AutofĂźhrern â versehenen BroschĂźren sind erstmals mit Infografiken (siehe unter âAusstattungâ) ausgestattet und werden unter dem Motto âWissen Ăśffnet Weltenâ verlegt. Die noch in vier Teile gegliederten Baedeker-Allianz-Ausgaben wurden um einen Abschnitt âErleben und GenieĂenâ erweitert, womit sie den Zeitgeist nach der Jahrtausendwende widerspiegeln dĂźrften. Die groĂe Hauptkarte fand nun Platz in einer gesonderten, verschlieĂbaren KunststoffhĂźlle, die die Handhabung deutlich verbesserte. Lieferbar sind gegenwärtig Ăźber 100 Bände mit Reisezielen in allen Erdteilen, ausgenommen die Antarktis.
Baedeker SMART ReisefĂźhrer
Als Neuerscheinungen 2015 bietet der Verlag auch so genannte Baedeker SMART ReisefĂźhrer an, die vom Verlag als kompakte ReisefĂźhrer in Ringbindung beschrieben werden. Die aktuellen BaedekerâFarben âRot/Blauâ sind unter Eindruck des Reihennamens hier oben auf dem Frontcover nur noch in einem rechteckigen Feld enthalten. Der Einband trägt nun ein ganzseitiges landestypisches Foto. Sie sind, unter BerĂźcksichtigung des reduzierten Textumfangs, fĂźr manche Destinationen vergleichsweise etwas teurer als ihre normalen Baedeker-ReisefĂźhrer-Pendants.
Baedeker mit Alphabet-Titel und Baedeker SMART ReisefĂźhrer ab 2018
2018 wurde das Erscheinungsbild der Reihe nochmals Ăźberarbeitet: Der Reihentitel wurde auf ein rotes Rechteck reduziert, vom âAllianz-Blauâ ist nur noch eine schmale Unterlegung des in weiĂen Majuskeln gedruckten Reihennamens geblieben. Dadurch wird dem Titelfoto als Blickfang grĂśĂere Dominanz eingeräumt. Beim roten Titelfeld fällt die frei stehende Initiale des Titels ins Auge, der in einer gesonderten Zeile der in einer Schrift mit Serifen ausgeschriebene Bandname folgt. Die Buchseiten werden im Moleskine-Stil durch ein farblich abgestimmtes Gummiband zusammengehalten. Das Aufklappen der Hauptkarte erleichtert eine Easy-Zip-AusfĂźhrung. Beibehalten wurde das bisherige Niveau der Preisstufen, das durch den Bandumfang bestimmt wird.cite-ref-83[83]
Die SMART-Bände erhielten nun Einbände mit zwei Coverfotos. Sie sind durch einen breiten waagerechten roten Streifen mit dem in Schreibschrift gehaltenen Bandnamen getrennt.
Bis zur Umstellung aller Titel auf die neue Ausstattung mit inhaltlicher Aktualisierung werden Ausgaben mit beiden Varianten noch parallel vertrieben.
Gestaltung der Ausgaben
Einband
Vorbemerkung
Der erste von Karl Baedeker Ăźberarbeitete Band der âRheinreiseâ von 1835 (D 1) wurde noch in zeittypischem Leineneinband mit aufgeklebtem RĂźckenschildchen ausgeliefert, unterschied sich also nicht von anderen ReisebĂźchern der damaligen Zeit. Erst ab 1839 nahm Baedeker eine besondere kĂźnstlerische Einbandgestaltung seiner ReisefĂźhrer vor.
Die meisten Varianten bei der Einbandgestaltung nebst -mustern dĂźrfte der Band Schweiz mit seinen fremdsprachigen Pendants Suisse (ab 1852) und Switzerland (ab 1863) aufweisen. Nach der ersten und einzigen Schweiz-Ausgabe im gelben Biedermeier-Pappband von 1844 folgten von 1848 bis 1852 Ausgaben in rotem Leinen mit verschiedenen Biedermeiermustern, gefolgt von roten Leineneinbänden im typischen Baedekerstil ab 1853 â anfangs mit Kassettierung, wobei hier auch eine sehr seltene Leinenstruktur (Versuchsaufbindung?) bei Suisse von 1862 (F 45a) vorkommt, und später dann mit Prägelinien. SchlieĂlich folgte 1930 auch noch eine Ausgabe in 4 broschierten rosafarbenen Teilbänden in einem illustrierten Schuber (âFutteralâ). Bei mehreren Auflagen kommen zusätzlich Schutzumschläge vor.
Biedermeier-Einband
⢠Gelber Pappband
Die von 1839 (D 2) bis 1855 (D 7b) verlegten Bände der Rheinreise, die im selben Jahr neu erschienenen Bände fĂźr Belgien (Auflagen bis 1855, D 266c) und Holland (Auflagen bis 1854, D 261b) sowie der Schweiz-Band von 1844 (nur hier, D 289) wurden in gelbe Biedermeier-Pappeinbände gebunden, die mit schwarzen Miniaturen aus dem behandelten Reisegebiet, wie Allegorien, Landschaften und Bauwerken, häufig auch mit Wappendarstellungen fĂźr die jeweiligen Landesteile â entworfen von David Levy Elkan â bedruckt waren. Diese Einbandart wurde auch bei Le Rhin (F 2 bis 4c) von 1846 bis 1856 verwendet.
⢠Roter Leineneinband
Drei Ausgaben der Schweiz von 1848 bis 1852 wurden mit einem roten Leineneinband aufgebunden, der fĂźr jede Auflage unterschiedliche Prägungen im Biedermeierstil aufwies. FĂźr Mittel- und Norddeutschland erschien die Auflage von 1851 vollständig und die Auflage von 1853 teilweise mit Biedermeierornamentik, hier wohl unter Verwendung von Einbandrestmaterial. Ebenso finden sich Biedermeierornamente bei der Ausgabe fĂźr Ăsterreich, SĂźd- und Westdeutschland von 1851, bei der 5. Auflage von 1853 (D 54a) war nur noch der BuchrĂźcken damit ausgestattet, die Buchdeckel waren schon kassettiert.
Rotbrauner und grĂźnlicher Leineneinband
Bei den ersten beiden Auflagen des Bandes Handbuch fßr Reisende durch Deutschland und den Oesterreichischen Kaiserstaat von 1842 und 1844 (D 38, 39) war der kassettierte Leineneinband zumeist noch in rotbrauner Farbe gehalten; es gibt auch Exemplare der 3. Auflage, die nochmals in diesem Einband verkauft wurden. Von der Erstausgabe liegen ausnahmsweise auch grßnliche Einbände vor.
Klassischer roter Leinen- oder Halbleineneinband
Bei der 3. Auflage des Reisehandbuchs âDeutschland und der Ăsterreichische Kaiserstadtâ von 1846 wurde von Karl Baedeker zum ersten Mal ein roter Leineneinband verwendet. Er sollte zusammen mit der goldgeprägten Beschriftung, die sich im Laufe der Zeit immer wieder veränderte, zum Markenzeichen des Baedeker werden. Vorbild war das Konkurrenzprodukt des englischen Reiseliteraturverlegers John Murray. Noch war es ein schlicht gestaltetes Einbandmuster mit genarbtem Grund und rechteckiger Kassettierung, der nur 1851 bis 1853 durch das Zwischenspiel im Biedermeierstil unterbrochen war. Am Ende der 1870er Jahre kommt dann der âklassischeâ Baedeker-Einband mit der charakteristischen Druckgestaltung und den eingeprägten Zierlinien zum Einsatz. Aufgrund seiner Verwendung weit Ăźber ein halbes Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, bei nun hohen Auflagen vieler Ausgaben, erlangte er einen groĂen Bekanntheitsgrad.
1889 wurde â versuchsweise? â abweichend vom âBaedeker-Rotâ ein rosafarbener Leineneinband verwendet. Ein ähnlicher Farbton ist dann auch bei einigen Ausgaben der 1920er Jahre zu finden, wobei es sich hier aber wahrscheinlich um ein Ausbleichen aufgrund minderwertigen Materials handelte. Die letzteren Einbände sind auch nur in Halbleinen ausgefĂźhrt, so dass Buchdeckel und BuchrĂźcken unterschiedliche FarbtĂśne zeigen.
Der Verlagsname war bei den englischen und nur einigen wenigen deutschen Ausgaben in Kursivschrift, dagegen bei den meisten franzĂśsischen und deutschen Ausgaben in normaler, aufrecht stehender Schrift eingedruckt. Auch die Schreibweisen waren unterschiedlich: âBaedekersâ in Deutsch, âBaedekerâsâ auf Englisch und âBaedekerâ auf FranzĂśsisch.
Halbleineneinband mit aufgeklebtem Titelschild
Bei der SeparatâAusgabe fĂźr Berlin und Umgebungen von 1883 gab es, sehr wahrscheinlich als Provisorium, einen Halbleineneinband mit aufgeklebtem Titelblatt, dass fĂźr diesen Zweck leicht in GrĂśĂe und Gestaltung modifiziert worden war. Daneben hatten diesen Einband auch die Sprachlehren fĂźr die russische Sprache, die als Ergänzung zu den ReisefĂźhrern fĂźr Russland (beides: 1883-1914) geliefert wurden, und die Separat-Ausgabe fĂźr Athen von 1896.
Roter Kunstlederband
FĂźr die AutoreisefĂźhrer von 1953 bis 1978 wurde ein hochformatiger roter Kunstlederpappband, der mit einem roten Schutzumschlag versehen war, verwendet. Auf dem Schutzumschlag war das jeweilige Reisegebiet des Bands skizzenhaft dargestellt.
Rot-blauer Pappband
Diese Einbindungsart in zwei Formaten wurde fßr einen Teil der frßhen Baedeker Allianz Reisefßhrer verwendet. Die beiden Farben, die durch den Schriftzug Baedeker und das Firmenlogo des Allianzkonzerns ergänzt werden, symbolisierten die beiden Partnerunternehmen, die fßr den Verlag der Reisefßhrer verantwortlich zeichneten.
Broschuren
⢠Klassische rote Broschur
Ab den 1930er Jahren wurden einzelne Ausgaben auch broschiert verkauft. Mit diesem Einband wurde z. B. der im Goethe-Jahr 1932 fĂźr Weimar und Jena, Rudolstadt, Ilmenau aufgelegte aktualisierte Auszug aus dem ThĂźringen-Baedeker von 1925 (D 237) verkauft, wobei hier die BuchrĂźckseite beigefarben blieb. Dieser Ausgabe folgten 1933 Berlin und Potsdam. Kleine Ausgabe (D 222) sowie Rom und Umgebung (D 415), 1935 MĂźnchen und Umgebung, Augsburg (D 253) sowie 1936 Berlin und Potsdam (D 221), die ausschlieĂlich so erschienen sind. Dagegen erschienen die Ausgaben MĂźnchen und SĂźdbayern (39. Auflage, D 165) und ThĂźringen (3. Auflage, D 238) 1935 sowohl broschiert als auch gebunden. Nach 1945 wurde auf diese Einbandvariante bei den StädtefĂźhrern fĂźr den deutschsprachigen Raum und die Kompakt-ReisefĂźhrer zurĂźckgegriffen.
⢠Rot-gelbe Broschur
Die vom Baedeker AutofĂźhrerâVerlag fĂźr den Shell Touring Service gelieferten Shell AutofĂźhrer fĂźr Deutschland sind zweifarbig gehalten. Dem BaedekerâRot hat sich Gelb als Markenfarbe des Shell-Konzerns zugesellt, dessen Markenzeichen, eine gelbe Jakobsmuschel, ebenfalls den Umschlag ziert.
⢠Rot-blaue Broschur
Diese Einbindungsart wurde fßr die meisten der von 1979 bis 2012 ausgelieferten Baedeker Allianz Reisefßhrer und die aktuell verlegten Baedeker Reisefßhrer verwendet. Zum Schutz der Broschur waren die Bände zum Teil mit einem durchsichtigen Plasteumschlag versehen worden.
Seit 2013 erscheinen die Bände mit einem neuen Logo, einem schmaleren blauen Streifen und abgerundeten Ecken in einem sogenannten âFlexi-Coverâ (Verlagsangabe) ohne Plasteumschlag; auch der Reihenzusatz âAllianzâ kam nun in Wegfall.
Gestaltung des BuchrĂźckens beim klassischen Format bis 1945
1851 zeigten die roten Leineneinbände Verzierungen im Biedermeier-Stil (siehe nebenstehende Abbildung: Deutschland I.) und knßpften damit an die gelben, mit Ansichten bedruckten Pappbände an, die zuerst verwendet worden waren. Bereits seit 1846 gab es die ursprßngliche Leinengestaltung, die ab 1852 mit stark gliedernden waagerechten Prägelinien aufwartete (Paris 1860). Bei der um 1880 folgenden, klassisch gewordenen Baedeker-Einbandgestaltung (bis 1945) waren die Rßckenlinien schmaler und in ihrer Anzahl reduziert (Indien 1914).
Der Verlagsname und der Buchtitel wurden dem Buchrßcken zumeist waagerecht eingeprägt wie auf dem Vorderdeckel. Es kommt jedoch abweichend auch eine vertikale Textanordnung zum Zuge (Schlesien 1938), die bei den Broschureinbänden ab den 1930er Jahren Standard war (Berlin 1936). Aus Platzgrßnden musste bei den Separat-Aufbindungen von Teilreisegebieten auf die Rßckentitelei verzichtet werden; lediglich die Nummer des Teilbands war eingedruckt (Sßdbayern 1914).
Titelei der Einbände in Leinen- und Halbleinen
Die Bände in Leinen- und Halbleinen Einband wurden grundsätzlich mit einer goldfarbenen Titelei versehen, die unter starken LichteinflĂźssen zum Verblassen neigt. Je nach verwendeten Farbqualitäten und der Unterbringung der Bände in der Hand von Käufern und Sammlern ist die Leuchtkraft auch heute noch mehr oder weniger gut erhalten; insbesondere die mit Schutzumschlägen und damit einem gewissen Lichtschutz versehenen Exemplare weisen aktuell noch eine kräftig leuchtende Goldfarbe auf. Die Farben aus wirtschaftlichen Krisenzeiten mit vergleichsweise minderwertigem Einbandmaterial neigen häufig zu einem besonders starken Verblassen. Bei vielen Bänden aus der Inflationszeit (1919â1923) kommen zusätzlich auch starke AblĂśsungen der Farbe von der Einbandoberfläche vor, so dass teilweise nur noch die geprägten Buchstabenfelder zu erkennen sind. In den späten 1930er Jahren wurden aus EinsparungsgrĂźnden auch andere dunkle Farbpigmente fĂźr die RĂźckenbeschriftung verwendet.
Schutzumschläge
Etwa vom Jahr 1900 an, in wenigen Fällen auch noch frßher, wurden die Baedeker-Reisefßhrer mit Schutzumschlägen versehen, um den Einband bis zum Verkauf zu schßtzen. Auf diesen schlichten ockerfarbenen Umschlägen sind der Titel, die Anzahl der Karten, Pläne und Panoramen, das Ausgabejahr sowie manchmal der Ladenpreis genannt. Bei diesen Schutzumschlägen werden von den Sammlern noch immer Neuentdeckungen gemacht, da sie von den Käufern aufgrund ihrer Schmucklosigkeit vor dem Gebrauch sehr oft weggeworfen wurden und auch keine Verlagsaufzeichnungen dazu mehr existieren.
Ab Ende der 1920er Jahre fand ein neuer Typ von Schutzumschlägen Verwendung. Er sollte zur AbsatzfĂśrderung als Blickfang fĂźr die Käufer den schon Ăźber 50 Jahre unverändert verwendeten Bucheinband optisch aufwerten, indem er das Rot der Buchdeckel, das zum Markenzeichen geworden war, wiederholte, aber zusätzlich auf der Vorderseite eine stumme Skizze des im Baedeker behandelten Reisegebiets lieferte. Teilweise wurden auch Landschaftsabbildungen oder markante Gebäude (z. B. das StraĂburger MĂźnster oder das Breslauer Rathaus) verwendet. Die roten Schutzumschläge fĂźr die Bände im klassischen Baedeker-Format wurden auch nach 1945 weiter eingesetzt, trugen nun aber vorwiegend Wappensupralibros. Allerdings wurde bei der letzten Ausgabe fĂźr GroĂbritannien (Great Britain, 3 Bände von 1966 bis 1970) nochmals in leicht abgewandelter Form und mit Beschriftung auf die klassische Reisegebietsskizze zurĂźckgegriffen. Diese Umschläge waren auch laminiert, wie die Schutzumschläge der AutoreisefĂźhrer, die bereits ab 1953 verlegt wurden. Auch bei deren Umschlägen wurden die im Band behandelten Reiseländer in einer dreifarbigen Gebietsskizze dargestellt.
Bei den broschierten Baedeker Allianz-Ausgaben, deren Einband selbst schon grafisch gestaltet war, setzte man dann lediglich als Schutz vor Gebrauchsspuren durchsichtige Plasteumschläge ein, die hinten auch die groĂe Reisekarte mit aufzunehmen hatten.
Textneutrale Einlegemappen und Ausgaben im Schuber
Einlegemappen
Um bei der Mitnahme des Baedekers das Gewicht reduzieren zu kĂśnnen, empfahl der Verlag â teilweise auf beigelegten Hinweiszetteln â, die Gaze im Bedarfsfall am RĂźcken des Buchblocks an den dafĂźr vorgesehenen Stellen aufzuschneiden, um Teile eines Baedekers fĂźr kleinere Reisegebiete separat mitfĂźhren zu kĂśnnen. Zum Schutz dieser so gewonnenen Hefte bot Baedeker spezielle Einlegemappen mit dem titelneutralen Eindruck Baedekerâs Reisehandbuch â englische und franzĂśsische Pendants liegen mit den Titeln Baedekerâs Guide Books und Guides Baedeker vor â zum Preis von 1.- Mark an, in die die Teilbände eingelegt wurden. Ein Halteband verhinderte das Herausfallen. Mitunter wurden diese HĂźllen auch benutzt, um ebenso aufgeteilte ReisefĂźhrer konkurrierender Ausgaben, wie z. B. Meyers ReisebĂźcher, aufzunehmen (siehe Beispielbild). Allerdings machten die Käufer trotz der Verlagswerbung von dieser AufbewahrungsmĂśglichkeit kaum Gebrauch; sie scheuten zumeist die ZerstĂśrung des Originaleinbands. Entsprechend selten tauchen die Leinendecken heute auf.
Teilbände in Schubern
Da sich die Aufteilung umfangreicher Bände bei Bergwanderungen aber von vornherein anbot, offerierte der Verlag hier bei zwei Titeln mit Reisezielen im Hochgebirge auch eine Ausgabevariante in Teilbänden. So erschien 1914 der Band Sßdbayern neben einem Gesamtband auch in fßnf einzelnen Bändchen nebst einem Registerband in einem mit der abgekßrzten Titelei der Ausgabe bedruckten Pappschuber. Auch eine kleine Binderate der 1930 erschienenen 38. Auflage des Bandes Die Schweiz, Chamonix, die oberitalienischen Seen wurde 1931cite-ref-schuber-53-1[53] in vier kartonierten Teilen in einem illustrierten Schuber, der Verlag bezeichnete ihn als Futteral, ausgeliefert. Aber diese mehrbändigen Versionen blieben Ladenhßter, gekauft wurden vor allem die Einbandausgaben. Deshalb belieà es der Verlag bei diesen beiden Versuchen.
Typografie
Auflagennummerierung
Die Nummerierung der einzelnen Auflagen orientiert sich an einem Stammbaum-Modell: Wurden einzelne Reisegebiete aus GrĂźnden des Stoffumfangs aufgeteilt, folgten die nunmehrigen Teilbände in ihrer Auflagennummerierung der ursprĂźnglichen Gesamtausgabe. So gibt es zum Beispiel keine erste Auflage des Bandes Nordwest-Deutschland. Vielmehr ist dieser erstmals 1889 als 23. Auflage nummeriert in AnknĂźpfung an die bisherigen Ausgaben fĂźr Gesamtdeutschland auf den Markt gekommen. Dieses Prinzip fĂźhrt in letzter Konsequenz dazu, dass der zu den Olympischen Sommerspielen 1936 fĂźr Nord-Deutschland, einschlieĂlich Berlin, aufgelegte Separat-Band der 6. Auflage des Bandes Das Deutsche Reich und einige Grenzgebiete ebenso als 6. Auflage firmiert, obwohl es zuvor gar keine 1. bis 5. Separat-Ausgabe gab.
Allerdings wurden die Regionalbände fĂźr Deutschland ab 1920, wie beispielsweise Brandenburg, Sachsen oder Schlesien, die strenggenommen auch Teilgebiete der frĂźheren Ausgaben fĂźr Nordost-Deutschland umfassten, sowie Nordbayern, Franken, Bayerischer Wald, Schwarzwald oder WĂźrttemberg und Hohenzollern, die zuvor im Band SĂźddeutschland bearbeitet worden waren, mit einer eigenständigen Auflagenzählung versehen. Dies traf sinngemäà auch auf die Städtebände Berlin, die ab 1878 in drei Auflagen zunächst als âSeparat-Abdruckeâ aus Nord-Deutschland erschienen waren, sowie MĂźnchen und Umgebung (EA 1935) zu.
Angabe des Erscheinungsjahrs
Auch der Baedeker Verlag folgte der verlegerischen Praxis, bei der am Ende eines Jahres erschienene Titel bereits mit dem Erscheinungsjahr des Folgejahrs auf dem Titelblatt versehen wurden. Dies ergibt sich aus vielfach anzutreffenden zeitgenĂśssischen Eintragungen der Ersterwerber zum Datum des Kaufs in den Bänden. Da die Bibliographien von Hinrichsen und sonstige Sammlerkataloge regelmäĂig den Titelblattangaben folgt, lässt sich bei den einzelnen Titeln neben den Kaufeintragungen weitere Aufklärung nur durch die AnkĂźndigungen im BĂśrsenblatt fĂźr den Deutschen Buchhandel, vor allem aber auch eine Registrierungssignatur mit Jahresangaben derjenigen Bibliotheken finden, bei denen zum Zeitpunkt der Neuerscheinung Pflichtexemplare einzureichen waren, wie der Deutschen Nationalbibliothek oder anderer Landesbibliotheken. So trägt der Band Indien mit der Titelblattangabe â1914â die DNB-Signatur â1913 A 848â.cite-ref-88[88] Er muss also bereits 1913 als Neuzugang erfasst worden sein. Selbst die vom Baedeker Verlag 1998 edierte Schrift Baedeker. Ein Name wird zur Weltmarke (S. 111) vermerkt hier als Jahr der Erstauflage nicht ganz korrekt â1914â.
Ausstattung (Ansichten, Karten, Währungstabellen etc.)
Ansichten
Im Gegensatz zu vielen anderen Konkurrenzprodukten enthielten die Baedeker der klassischen Zeit bis 1945 in der Regel keine Ansichten von Landschaften, Städten oder Gebäuden. Lediglich in den ganz frĂźhen Bänden der Rheinreise bis 1864 und der Schweiz bis 1867 sowie in den ersten beiden Auflagen von Palästina und Syrien (hier: Jerusalem) und der Ăgypten-Bände wurden Lithografien oder Holzstiche aufgenommen. Dies traf auch auf ihre fremdsprachigen Pendants zu. Anzumerken ist, dass der Verlag die Anzahl der Ansichten in zeitgleich und zum selben Preis erschienenen deutsch- und fremdsprachigen Ausgaben unterschiedlich handhabte. So waren beispielsweise den Bänden Rheinlande (13. Auflage) zwĂślf und Bords du Rhin (6. Auflage) vier Lithographien beigegeben. Beide waren laut vorderem Einbandspiegel 1864 zum Preis von â1 Thlr. 10 Sgr.â lieferbar.
Mitte der 1850er Jahre setzte der Verlag auch den Blaudruck bei Ansichten ein, wie zum Beispiel bei den Bänden Rheinlande und Schweiz (beide 1856) sowie Le Rhin (1854) ein.
Nach Verlagsauffassung verteuerten die Illustrationen, die ohne grĂśĂeren Nutzen fĂźr den Leser waren, da dieser sich an Ort und Stelle selbst sein Bild von den SehenswĂźrdigkeiten machen konnte, nur unnĂśtig die Herstellung und trieben damit die Verkaufspreise in die HĂśhe. Dementsprechend wĂźrden sie sich in letzter Konsequenz als Verkaufshemmnisse erweisen. So verschwanden sie ab Mitte der 1890er Jahres wieder aus den Bänden.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wieder durchgängig schwarz-weiĂâZeichnungen zur Auflockerung der Reisegebietsbeschreibung verwendet, die aber kostengĂźnstig zusammen mit dem Text gedruckt werden konnten. Beginnend 1974 mit dem Länderband USA mit Farbfotos und dann durchgängig bei der konzeptionell vĂśllig neugestalteten BaedekerâAllianz-Reihe ab 1979 wurde von den modernen typographischen Mitteln zur anschaulicheren Darstellung von Reisezielen und einzelnen Reiseobjekten umfassend Gebrauch gemacht (Farbfotografie, dreidimensional gestaltete Gebäudeschnitte etc.), da diese inzwischen kostengĂźnstig verfĂźgbar und auf dem ReisefĂźhrer-Markt Standard geworden waren.
Beilagen und Beibindungen zu aktuellen Ereignissen
⢠Beilagen
Wenn auf Veränderungen in einem Reisegebiet reagiert werden musste, ohne dass gerade eine Neuauflage eines Bandes anstand, bei der man den Inhalt entsprechend anpassen konnte, wurden vorhandenen Auflagen kostenlose Beilagen beigegeben und auch die Buchhändler mit diesen versehen, damit sie diese den bei ihnen vorhandenen Lagerbeständen beifĂźgen konnten und sie damit auf den neuesten Stand brachten. So gab es 1897 und 1904 bei den deutschen und englischen Ăgypten-Bänden von 1885 und 1902 fĂźr die jeweils neu erĂśffneten Museen in Gizeh und Kairo 24-seitige BroschĂźren mit Lageplänen, deren Inhalt in die nächsten Folgeauflagen eingearbeitet wurde.
Beilagen gab es aber auch zu aktuellen Ereignissen, die nur von kurzer Dauer waren und deshalb keine langfristige inhaltliche Anpassung eines Bandes erforderten. Nur in Form von Beilagen wurde deshalb auf die Industrieausstellung von Paris 1855 sowie die Weltausstellungen von London 1862, Paris 1867, 1889 und 1937, Wien 1873, St. Louis 1904 oder Brßssel 1910 reagiert. Ebenso informierten Beilagen ßber die Internationale Baufachausstellung 1913 und die Internationale Ausstellung fßr Buchgewerbe und Grafik (Bugra) 1914, die beide in Leipzig abgehalten worden waren. Später wiesen beigelegte Hinweiszettel noch u. a. auf die Passionsspiele in Oberammergau 1922 und 1930 hin oder beschrieb ein Plan fßr das Reichssportfeld, der mehreren Baedeker-Ausgaben fßr das Olympiajahr 1936 beigelegt war, die Lage der Wettkampfstätten auf dem Berliner Olympiagelände.
SchlieĂlich wurden auch noch in jĂźngerer Zeit Beilagezettel verwendet, so z. B. fĂźr den Band BerlinâTiergarten von 1984 mit einer selbstklebenden Umrisskarte von GroĂ-Berlin, die Ăźber die im Band bereits vorhandene geklebt werden sollte, um die neue Stadtbezirksgliederung im Osten der Stadt korrekt abzubilden. Aus den Stadtbezirken WeiĂensee und Lichtenberg waren Teile ausgegliedert worden und bildeten mit Wirkung vom 5. Januar 1979 den neuen eigenständigen Stadtbezirk Marzahn.cite-ref-89[89]
Meistens wurden die Beilagen vom Verlag nachgeliefert, so dass sie vom Buchhändler in die bei ihm vorhandenen Exemplare erst noch einzulegen waren, was sehr oft einfach unterblieb. Da darßber hinaus bei losen Blätter die Gefahr des Verlusts aus den Baedekern generell recht hoch war, sind diese zumeist sehr rar. Bände mit vorhandenen Einlagen werden deshalb mit zum Teil erheblichen Preisaufschlägen gehandelt.
⢠Beibindungen
Vor dem Ersten Weltkrieg gab es zu verschiedenen Ausgaben fĂźr Reisegebiete des Orients Zensurzettel (siehe unten unter Zensurzettel).
Weiter ist die Ausgabe Berlin und Potsdam. Kleine Ausgabe anzufĂźhren, die Anfang 1933 erschien (D 222). Bei der im Jahr 1934 anstehenden Binderate wurde vor das StraĂenverzeichnis ein Nachtrag eingebunden, der die seit 1933, zum Teil aus politischen GrĂźnden, vorgenommenen Umbenennung von StraĂennamen auffĂźhrt. So war aus dem Reichskanzlerplatz der Adolf-Hitler-Platz oder dem Platz vor dem Brandenburger Tor der Hindenburg-Platz geworden. Aber auch BahnhĂśfe hatten neue, vielfach noch heute verwendete Namen, wie Ostkreuz, Innsbrucker Platz oder SchĂśneberg, erhalten, die im Nachtrag aufgelistet wurden.
Errata-Zettel
In der Erstausgabe des englischsprachigen LondonâBaedekers von 1878 (E 196) wurde vor dem Titelblatt ein beigefarbener Errata-Zettel eingebunden, der zu 13 Seiten des Bands kleinere Korrekturen enthielt.
Gebäudegrundrisse
Von den wichtigsten sakralen (Kirchen, Synagogen, Moscheen, KlÜster) und profanen Bauwerken (SchlÜsser, Museen und Galerien sowie Üffentlichen Bibliotheken und Verwaltungsgebäuden) wurden Grundrisszeichnungen angefertigt und in die Baedeker aufgenommen. Da diese in den Text gedruckt werden konnten, wurde von diesem Illustrationsmittel rege Gebrauch gemacht.
Infografiken
Aktuell werden sogenannte Infografiken als innovatives Medium eingesetzt, um leicht verständlich mit einem schnellen Ăberblick Reisewissen präsentieren zu kĂśnnen. Ăber QR-Codes, die in die Grafiken eingedruckt und Ăźber Smartphones zu scannen sind, kĂśnnen auf weiterfĂźhrenden Websites oder Videos zusätzliche Informationen abgerufen werden.
Karten und Pläne
⢠Kartengestaltung in der Anfangszeit
Zunächst wurden die kartographischen Beigaben von der âKartographische[n] Anstalt Eduard Wagnerâ aus Darmstadt geliefert. Die meisten Karten und Pläne der Anfangszeit waren dabei in schwarz-weiĂ, teilweise mit roten Eisenbahnlinien und hellblauen Fluss- und Meereseinzeichnungen bei den groĂformatigen Hauptkarten, gehalten. In den 1840er Jahren wurden die Hauptkarten teilweise auf Leinen aufgezogen, um sie robuster fĂźr die Handhabung zu machen. Anfang der 1850er Jahre gab es auch Hauptkarten auf sehr dĂźnnem blauen Papier (z. B. Mittel- und Norddeutschland (D 96) und Ăsterreich, SĂźd- und West-Deutschland (D 54a), beide 1853 in 5. Auflage).
⢠Stadtpläne in Blaudruck Mitte der 1850er Jahre
Mitte der 1850er Jahre setzte der Verlag auch den Blaudruck fĂźr die Stadtpläne ein, wie zum Beispiel bei den Bänden fĂźr Belgien (1854), Deutschland und Ăsterreich, Paris und SĂźdbayern, Tirol und Salzburg, Ober-Italien (alle 1855) sowie die Schweiz (1856).
Um die Pläne und Karten, fĂźr deren Genauigkeit und Detailreichtum der Baedeker gerĂźhmt wurde, in noch besserer Qualität den ReisefĂźhrern beigeben zu kĂśnnen, beschloss Wagner 1872, mit Ernst Debes zusammenzuarbeiten, der vom Verlag Justus Perthes aus Gotha kam. Die Karten, die nach der Fusion entstanden, sind in ihrer Erscheinung vielfältig. Zwischen den MaĂstäben ändern sich Farbauswahl und die Art der Reliefdarstellung. Vor allem wurden Schraffen, in Richtung des Gefälles verlaufende Linien, verwendet. HĂśhenlinien, die am Ende des 19. Jahrhunderts wichtigste Methode zur Darstellung der Formen der Erdoberfläche, fanden kaum Verwendung. Später wurde mitunter Reliefschummerung verwendet.
⢠Umzug von Debes & Wagner nach Leipzig
Nachdem der Baedeker Verlag 1872 nach Leipzig umgezogen war, folgte auch die âGeographische Anstalt Wagner & Debesâ 1873 dorthin und lieferte das Gros der Karten und Pläne fĂźr die Baedeker bis 1945. Ab 1873 fĂźhrte Eduard Wagners Sohn Heinrich Wagner zusammen mit Ernst Debes den Betrieb weiter. Neben diesen zeichneten unter anderen der Berliner Heinrich Kiepert (Palästina 1875 und UnterâĂgypten 1877), Johann August Kaupert und Leopold Kraatz sowie der Ăgyptologe Richard Lepsius (Unterâ und OberâĂgypten) Karten fĂźr Baedeker.
⢠Hauptkarte des Reisegebiets
Grundsätzlich wurde fĂźr das behandelte Reisegebiet mindestens eine groĂe Ăbersichtskarte, die entweder vor oder nach dem Haupttext eingebunden war, mitgeliefert. Bei der englischen Erstausgabe London von 1878 (Stadtplan) einmalig und durchgängig ab der Ausgabe Griechenland (1883, D 467) konnte diese auch in einer Tasche in der RĂźckendecke separat beigefĂźgt sein. Diese Kartenanordnung ist u. a. noch bei den Bänden Indien (1914, D 499), das Deutsche Reich und einige Grenzgebiete (1936, D 228) und SĂźddeutschland (1937, D 83) sowie nach 1945 in der 2. Auflage, des StadtfĂźhrers fĂźr Stuttgart von 1955 (K 633), zu finden. In den Bänden Grèce (1910, F 216) und Indien trat bei den Binderaten aus den späten 1930er Jahren eine schräge Leinenlasche an die Stelle Deckeltasche.
Auch beim Stadtfßhrer von Stuttgart (1949 ff.) und einigen Bezirksfßhrern von West-Berlin wurden die Karten herausnehmbar in die Broschur eingelegt, um die Benutzerfreundlichkeit zu erhÜhen. Ein Manko der broschierten Stadtfßhrer stellen nämlich die vollständig eingebundenen Stadtpläne dar, deren Lesbarkeit in ihrem Mittelteil nahe der Bindung deutlich eingeschränkt ist. Bei den Stadtfßhrer-Ausgaben fßr Berlin von 1975 und 1979 wurde sogar ein ßber das Format der Broschuren hinausgehender Stadtplan beigegeben.
⢠Plananhang
Es kommt auch eine Zusammenfassung von Karten und Plänen in einem separaten Plananhang vor, wie bei den Städten Berlin, London oder Paris.
⢠Stempel zur Verkaufsfähigkeit von 1940
Ab 1940 mussten kriegsbedingt die seit dem 1. Januar 1933 erschienenen Ausgaben mit einem Stempel versehen werden, der ihre Verkaufsfähigkeit gemäà der Verordnung Ăźber die VerĂśffentlichung kartographischer Darstellungen (KartVerĂśffVO, RGBl. 1940 I S. 294), zu der zwei DurchfĂźhrungsbestimmungen ergingen, dokumentierte. Danach durften in den Baedekern Darstellungen bestimmter kriegsrelevanter Ărtlichkeiten nicht oder nicht so detailliert enthalten sein, dass sie von Kriegsgegnern fĂźr militärische Zwecke verwendet werden konnten.
⢠Hauptkarte in modernen Ausgaben
Auch die Baedeker-Allianz-Reisefßhrer und die neue Baedeker-Generation ab 2013 verfßgen ßber eine separate, zusammengefaltete Hauptkarte, die in den hinteren Teil des Umschlags bzw. eine eingebundene durchsichtige Tasche eingelegt ist und einer vollwertigen, in dieser Qualität auch einzeln zu erwerbenden Karte oder einem Stadtplan entspricht.
KonversationsbĂźcher und Sprachlehren
Um dem Reisenden eine schnelle Verständigung auf seinen Reisewegen zu ermĂśglichen, verlegte Baedeker bereits ab 1836 ein Travellerâs Manual of Conversation (Conversationsbuch fĂźr Reisende) in vier Sprachen (englisch, deutsch, franzĂśsisch und italienisch). Diesem fĂźr englische Reisende bestimmten Taschenbuch sind dann 1864 auch Ausgaben fĂźr deutsche und franzĂśsische Leser gefolgt. Die BĂźcher beschränkten sich auf ein Wortverzeichnis und kurze Fragen, da der Verlag beim Benutzer Grundkenntnisse in diesen vier Sprachen voraussetzte.
Der fĂźr den Mitteleuropäer wesentlich fremderen russischen Sprache widmete dann der Verlag einen erstmals 1883 (Folgeauflagen 1888, 1897,cite-ref-90[90] 5. Auflage 1912) erschienenen gesonderten Band Kurzer Leitfaden der russischen Sprache, dem ab 1893 eine franzĂśsische Variante Manuel de langue russe (Folgeauflagen 1897, 1903, 1922) und 1914 noch eine englische Ausgabe Manual of the Russian Language folgten. Nur dem Band Schweden, Norwegen war von Beginn an (1879) ein DänischâNorwegisch-Schwedisch-SprachfĂźhrer beigebunden.
Im Ăbrigen wurden im EinfĂźhrungsteil in vielen Bänden grundsätzliche Hinweise zu denjenigen Sprachen gegeben, denen der Reisende auf seinen Routen vor allem begegnen wĂźrde. Etwas ausfĂźhrlicher waren diese in den Orientbänden Palästina und Syrien sowie Ăgypten mit AusfĂźhrungen zur arabischen Sprache gehalten.
Lesebändchen
Die gebundenen Baedeker wurden zumeist mit zwei Lesebändchen in roter und grßner (später blauer) Farbe versehen. Diese ermÜglichten dem Leser ein wiederholtes rasches Zugreifen auf gerade benÜtigte Reiseinformationen.
Panoramen
Insbesondere bot sich fĂźr Bände, die ein gebirgiges Reisegebiet beschreiben, an, die optische Attraktivität durch die Aufnahme von auseinanderfaltbaren Panoramen zu erhĂśhen, die eine Rundsicht von bekannten, leicht zugänglichen BerghĂśhen bieten. Schon die frĂźhen SchweizâBände enthielten ein Panorama vom Rigi. Soweit nicht Karl Baedeker die Panoramen im eigenen Haus fertigen lieĂ, so bei vielen Schweiz-Bänden, wurden diese von Eduard Wagner geliefert. Aber auch die Firma F. A. Brockhaus steuerte zum Beispiel ein Panorama vom Piz Languard (Suisse, 1863), bei. Später folgten Panoramen auch in den Bänden fĂźr SĂźdbayern (ab 1874), Schweden und Norwegen (ab 1891), ĂsterreichâUngarn (ab 1910) und Ober-Italien (ab 1906).
Auch imposante Stadtansichten animierten den Verlag zur verkaufsfÜrdernden Aufnahme von Panoramen, zumal diese ein Reiseziel in seiner Wirkung auf den Benutzer plastisch illustrierten. Hier sind die Bände fßr Griechenland (ab 1883) mit einem Panorama von Athen, Palästina und Syrien (ab 1875) mit einem solchen von Jerusalem oder Mittel-Italien und Rom (1874 bis 1903) mit einem Rom-Panorama zu nennen. Zunächst wurden die Panoramen im Stichtiefdruck hergestellt, später als kostengßnstigere Lithographien oder im Buchdruck.
Plananhang
Bei den Ausgaben, die den touristisch bedeutendsten Hauptstädten Europas bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs als Städteband gewidmet waren, wurden die wichtigsten Stadtkarten und -pläne in einem gesonderten Plananhang am Ende des Bandes zusammengefasst und als Broschßre mit Kartoneinband und einer Seitenzählung eingebunden. Sie waren dadurch leicht aus dem Baedeker herausnehmbar und konnten so separat benutzt werden. Plananhänge sind ab den 1880er Jahren in den Bänden fßr Berlin (nur 1927), London, Mittel-Italien und Rom sowie Paris zu finden.
Sterne fĂźr besondere SehenswĂźrdigkeiten
Ab 1846 wurden nach dem Vorbild Murrays in der dritten Auflage von Deutschland und der Oesterreichische Kaiserstaat besonders bemerkenswerte Sehenswßrdigkeiten mit einem Baedeker-Stern versehen.cite-ref-91[91] Dieser galt lange Zeit als hÜchste Auszeichnung im Fremdenverkehr. Um unter den hervorgehobenen Besuchszielen die unbedingt sehenswerten dem Reisenden ans Herz zu legen, wurde später ein Doppelstern vergeben, der auch in den aktuellen Ausgaben noch verwendet wird.
Einfache Sterne fanden auch bei der Bewertung der Qualität von herausgehobenen Hotels und Gasthäusern Anwendung. Diese konnten bei dem Verlag gegenßber nachgewiesenen Mängeln auch wieder ab- und, bei vorgenommener Abhilfe durch die betreffenden Häuser, auch wieder neu zuerkannt werden.
Im Zusammenhang mit den Baedeker-Sternen ist der sog. Baedeker Blitz (Baedeker raids) zu sehen. Damit werden in GroĂbritannien Angriffe der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs zwischen April und Juni 1942 auf kulturhistorisch wertvolle Städte wie Exeter, Bath, Norwich, York und (nach einem Angriff auf KĂśln) auf Canterbury bezeichnet. Sie waren nach einem Angriff der Royal Air Force auf LĂźbeck auf einer Pressekonferenz des Auswärtigen Amts angekĂźndigt worden als Attacken auf Städte, die âim Baedeker drei Sterne habenâ. Dass Hitler die Ziele persĂśnlich ausgesucht habe, fällt ins Reich der Legende.
Vergleichende Geld-Tabellen
Den Bänden bis 1914 wurde häufig als Frontispiz oder vor dem Schmutztitel eine Währungstabelle vorangestellt. Sie erleichterte die Umrechnung der Preise des Reiselandes in diejenigen des Herkunftslandes des Benutzers erheblich, zumal vor 1900, in GroĂbritannien sogar bis 1971, viele Währungen nicht dezimal ausgestaltet waren. Die Umrechnungskurse dokumentieren bei vielen europäischen Währungen die enormen Wertveränderungen, die bis zur EinfĂźhrung des Euro eingetreten waren, wodurch sie letztendlich nivelliert wurden. So kostete beispielsweise 1874 eine Mark nur 0,60 holländische Gulden und mussten fĂźr einen franzĂśsischen Franc noch 0,80 Mark bezahlt werden â ein Betrag, der auch fĂźr das vergleichbare MĂźnznominal der Ăźbrigen Mitgliedsländer der Lateinischen MĂźnzunion, wie die Schweiz, Belgien oder Griechenland, galt (vgl. nebenstehende Abbildung). Zum Vergleich auch Nicht-Eurowährungen: Ein russischer Rubel wertete damals 3,20 Mark, ein Pfund Sterling 20 Mark, und es waren fĂźr ein tĂźrkisches Pfund 18,50 Mark zu entrichten.
Wappen und Wappentafeln
Karl Baedekers Lieblingsband, Baedekers Schweiz, wurde von 1851 bis 1867 noch mit einer kolorierten Wappentafel der Schweizer Kantone als Frontispiz ausgestattet. Die 22, auf den Seitenrand gedruckten Kantonalwappen umgaben einen Reisläufer, der einen Schild mit dem Schweizerischen Landeswappen hält. Ebenso wurden in Baedekers Mittel-Italien und Rom ab 1889 die Wappen der Päpste mit Angabe der Dauer ihrer AmtsfĂźhrung in schwarz-weiĂ abgebildet. Bei den Folgeauflagen der deutschen Regionalbände ab 1936, Schwarzwald, Schlesien, SĂźdbayern und Harz, und den Ausgaben fĂźr die dem Deutschen Reich unmittelbar vor oder im Zweiten Weltkrieg angeschlossenen Gebiete, Tirol, Elsass und Wien und Niederdonau, wurde das Stadtwappen an den Beginn der Beschreibungen der grĂśĂeren Städte gesetzt. In der Ausgabe fĂźr Berlin von 1936 ist es auf der RĂźckseite des Titelblatts abgebildet. Diese Praxis wurde auch bei den Städtebänden nach 1945 fortgefĂźhrt, die bis zur Umstellung auf ein farbiges Frontfoto zusätzlich das Stadtwappen auf dem Vorderdeckel trugen. Letzteres traf auch auf die beiden englischsprachigen Ausgaben fĂźr London von 1951 und 1955 zu.
Widmungssentenzen
Bei den ersten Auflagen des Bandes fĂźr Deutschland und Ăsterreich war auf das Titelblatt die erste Strophe des Liedes âDeutscher Ehrenpreisâ gesetzt, fĂźr den 1810 Schmidt von LĂźbeck den Text geschrieben hatte. Später trat an die Stelle dieses nationalen Lobliedes bei vielen deutsch- und franzĂśsischsprachigen Ausgaben, nunmehr auf der TitelrĂźckseite, eine Reisesentenz von Johann Michael Moscherosch, die mit seinem Pseudonym Philander von Sittewald. 1650 unterschrieben ist:
Wer reisen will,
Der schweig fein still,
Geh steten Schritt,
Nehm nicht viel mit,
Tret an am frĂźhen Morgen,
Und lasse heim die Sorgen.cite-ref-92[92]
Bei den Rheinlande-Bänden ab den 1850er Jahren wurden erst zwei, dann drei Strophen des Lied vom Rhein (1814) von Max von Schenkendorf, dem bedeutenden Dichter der Befreiungskriege, dem Buch vorangestellt. Nach 1918 wurden mitunter auch Zitate aus Goethes Faustcite-ref-93[93] oder, in den Ausgaben fßr die deutschen Regionen, Verse mit Bezug auf die im Band behandelten geographischen Räume aufgenommen.cite-ref-94[94]
Bei den englischsprachigen Bänden wurde ein Wunsch zur mÜglichst guten Aufnahme des Buchs beim Publikum von Geoffrey Chaucer abgedruckt.cite-ref-95[95]
Zensurzettel
Um vor dem Ersten Weltkrieg der Zensur durch die tĂźrkischen BehĂśrden zu entgehen, die zur Wegnahme der Baedeker fĂźhren konnte, empfahl der Verlag mit vor dem Titelblatt eingebundenen (auch beigelegten oder eingeklebten) Zensurzetteln u. a. fĂźr die Bände Konstantinopel und das Westliche Kleinasien von 1905 und 1914 (D 497, 498) sowie Palestine and Syria (E 257) und Palestine et Syrie (F 219) â beide 1906 â, die Baedeker vor der Ankunft in einem tĂźrkischen Hafen oder an der Grenze in die Rocktasche zu stecken.cite-ref-96[96]
CD-ROMs
Nur ein Intermezzo geblieben ist der erste Versuch des Verlags zur multimedialen ReisefĂźhrer-Präsentation mittels CD-ROM in der 2. Hälfte der 1990er Jahre. FĂźr die PC-Betriebssysteme Windows 3.1/95 und 3.11/95 sowie Mac 7.01 wurden durch den MĂźnchener systhema Verlag fĂźr ausgewählte, besonders beliebte Reiseziele unter dem Titel multimedia.abenteuer CD-ROMs mit der rot/blauen âBaedeker-Allianzâ-Optik produziert und mit einem ebenso gestalteten Booklet, das Installations- und Bedienungshinweise gab, ausgeliefert. Die CD-ROMs wurden auf der Grundlage der jeweiligen Buchausgaben erarbeitet, wiesen aber einen durchaus eigenständigen Inhalt auf. So boten sie neben den auch in den BĂźchern zu findenden Fotos und Texten auch Videos und Dia-Shows sowie animierte Karten und ein ReisewĂśrterbuch mit Aussprache. In dieser Form sind die Reiseländer Italien und die USA, die Insel Bali sowie die Städte Rom und Paris bearbeitet worden. Allerdings mag die Handhabung einer CD-ROM unterwegs nicht so praktikabel sein, als dass sich dieses ReisefĂźhrer-Format als vollwertige Alternative zum gedruckten Buch durchsetzen konnte.cite-ref-97[97]
E-Books
Von MAIRDUMONT werden von den Titeln der Baedeker-Reihe auch E-Books, laut Verlag unter BerĂźcksichtigung der gesetzlichen Buchpreisbindung, bis zu 30 % gĂźnstiger als die Druckausgabe in den Formaten EPUB, das mit den meisten gängigen Lesegeräten, wie Tolino, Sony Reader, Kobo, TrekStor oder BeBook gelesen werden kann, und PDF angeboten. Bei den EPUB-Titeln sind im Text Internet-Links vorhanden, mit denen â formatbedingt nur online â auf ergänzende Materialien des Verlags zu dem jeweiligen ReisefĂźhrertext (Karten, Grafiken etc.) zurĂźckgegriffen werden kann. Nach Verlagsangaben werden zur Vermeidung von missbräuchlichen Weitergaben oder Verwendungen die E-Books mit einem so genannten Wasserzeichen markiert, anhand derer sich der Erstkäufer identifizieren lässt.
Sonderausgaben fĂźr Unternehmen und Vereinigungen sowie Kongressveranstalter
Vorbemerkungen
Der Verlag stellte bereits in der klassischen Baedeker-Zeit in begrenztem Umfang seine ReisefĂźhrer auch Unternehmen und Vereinigungen zur VerfĂźgung, damit diese entsprechende Sonderausgaben fĂźr ihre Geschäftsfreunde erstellen kĂśnnen; diese Praxis reicht bis in die Gegenwart. Der einfachste Weg zur Nutzung der Baedeker ist dabei das Anbringen eines zusätzlichen Eindrucks zum Verwendungszweck oder des Firmenlogos auf dem Einband bei ansonsten unverändertem Bandinhalt. Alternativ wird auch der vollständige Buchinhalt verwendet, aber dieser wird in einen nicht baedekertypischen Einband eingebunden, zumeist unter HinzufĂźgen von Anlassseiten des Herausgebers. Diese Ausgaben sind äuĂerlich nicht mehr sofort als Baedeker erkennbar.
Die anerkannt hohe Qualität der Karten und Texte der Baedeker veranlasste auch nicht selten grĂśĂere Vereinigungen, bei der DurchfĂźhrungen ihrer Tagungen oder Kongresse zur Gestaltung der Tagungsmaterialien auf AuszĂźge aus Baedeker-Bänden der laufenden Produktion zurĂźckzugreifen, um damit den Teilnehmern fundierte Beschreibungen des Veranstaltungsorts und seiner Umgebung sowie der wichtigsten SehenswĂźrdigkeiten an die Hand geben zu kĂśnnen. Dabei erfolgte die Ăbernahme der Baedeker-Angaben zum Teil wortwĂśrtlich, aber auch nur mehr oder weniger bearbeitet. Die Einbände zeigen nicht selten eine weitgehende Ăbereinstimmung mit der Baedeker-Optik, so dass in diesen Fällen eine Aufbindung durch den Baedeker-Verlag nahe liegt oder zumindest die Bereitstellung der Einbände fĂźr die Buchbindearbeiten in Betracht kommt. SchlieĂlich werden auch nur AuszĂźge aus Stadt- oder Landschaftsbeschreibungen nebst dazugehĂśrigen Karten oder sogar nur einzelne Karten zur eigenständigen Verwendung durch den jeweiligen Herausgeber bereitgestellt.
Ausgaben bis 1945
1885 fertigte der Verlag fĂźr den Internationalen Geologiekongress einen Auszug aus dem Band Allemagne (F 27) von 1884 und band ihn unter dem Titel Berlin et ses environs in typischer Baedekerausstattung auf. Erneut gab es diesen Titel 1908 zum 12. Internationalen Pressekongress. Eine reguläre franzĂśsischsprachige Beschreibung Berlins befand sich dagegen vor 1945 nicht im Verlagsprogramm. FĂźr die Firma Burrough Welcome and Co. (London-Sidney-Cape Town) lieferte der Verlag den Band Londres (F 203) als Werbeausgabe, wobei vor dem Titel noch einige Illustrationen eingefĂźgt wurden und er einen dunkelroten Sondereinband erhalten hatte. 1903 gab es denselben Titel fĂźr die Internationale Telegraphenkonferenz in London im originalen Baedekereinband, versehen mit dem Aufdruck âConfĂŠrence TĂŠlĂŠgraphique Internationaleâ und einer Wappendarstellung auf dem Vorderdeckel.
Beispiele fĂźr Ausgaben mit einer auszugsweisen Baedekerverwendung sind die mit einem Schutzumschlag versehene Festschrift zur Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure gehalten zu Frankfurt am Main vom 27.â30. August 1877 oder der FĂźhrer von Budapest. Aus AnlaĂ der III. Wanderversammlung des Internationalen Verbandes fĂźr MaterialprĂźfung der Technik 1901 in Budapest. Im ersten Beispiel wurden Karten und Pläne sowie Teile der Ortsbeschreibungen u. a. von Frankfurt, Mainz und Darmstadt der 19. Auflage von Rheinlande von 1876 (D 18) Ăźbernommen und dabei sogar Unrichtigkeiten des Originals korrigiert.cite-ref-98[98] Bei der Ausgabe fĂźr Budapest wurden Passagen und der Stadtplan aus dem Band Ăsterreich-Ungarn (D 192) bzw. Ăsterreich (D 88) von 1898 von dem Architekten Anton PalĂłczi und F. Just ergänzt und umgearbeitet verwendet sowie Fotos Budapester SehenswĂźrdigkeiten von KĂĄroly Divald beigefĂźgt.cite-ref-99[99]cite-ref-sonderausgaben-100-0[100]
Ab Ende der 1920er Jahre räumte der Verlag anderen Reiseliteratur-Verlagen auch Reproduktionslizenzen fßr seine Karten ein, so beim Postreisebuch von Dresden, wo auf den Dresdner Stadtplan und eine Sachsenkarte zurßckgegriffen wurde, oder 1931 beim Stadtfßhrer Prag und seine Umgebung vom Wiener Verlag Dr. Hans Epstein.cite-ref-sonderausgaben-100-1[100]
Ausgaben nach dem Zweiten Weltkrieg
Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren nutzten Unternehmen die noch immer gegebene Popularität der Reihe und lieĂen kleine Teilauflagen mit Zudrucken oder in besonderen Einbänden fertigen, um sie an Kunden zu Werbezwecken zu verteilen. Hervorzuheben sind hier zunächst die DĂźsseldorfer MineralĂślfirma MIHAG (ca. 1953-1967) und die ebenfalls dort ansässige Nordwestdeutsche Ausstellungsgesellschaft (NOWEA). Seitens der MIHAG gelangten zwischen 1956 und 1963 sechs Regionalbände, u. a. Schwarzwald (1956), Ruhrgebiet (1959) und Schleswig-Holstein (1963), zur Ausgabe. Sie waren in einen hellgrĂźnen Plasteeinband mit dem MIHAG-Logo und einem zusätzlichen farbigen Werbeblatt aufgebunden worden. Die NOWEA legte ebenfalls 1956 ihre erste Sonderausgabe des Bands Schwarzwald im grauen Plasteeinband mit goldfarbenem Firmenlogo vor und lieĂ einschlieĂlich ihres Schleswig-Holstein-Bands im Jahre 1963 noch drei Ausgaben folgen, darunter der fĂźr das seit 1961 geteilte Berlin von 1964. In den Bänden waren zusätzlich Hinweise zu den von der NOWEA veranstalteten Messen enthalten. Bereits 1951 hatte die in Kiel ansässige Landesbank und Girozentrale Schleswig-Holstein die erste Schleswig-Holstein-Ausgabe von 1949 mit einem Zudruck zum Weihnachtsfest versehen; die Bank hatte fĂźr das Zustandekommen dieser 1. Auflage auch einen Kredit gegeben, da der Verlag nach seinem Wechsel von Leipzig nach Malente keinen Lastenausgleich erhalten hatte.cite-ref-susanne-m-ller-1945-72-2[72] Ebenfalls 1963 erschien anlässlich der Internationalen Gartenschau in Hamburg ein verlagsseitiger Auszug aus dem Regionalband Hamburg und die Niederelbe von 1962 unter dem Titel Hamburg und Insel Helgoland. Einigen Exemplaren wurde eine Werbebeilage der Ausstellungsleitung zur IGA beigegeben. SchlieĂlich veranstaltete 1974 die Berliner Weberbank zu ihrem 25. Firmenjubiläum fĂźr die Freunde ihres Hauses eine Faksimile-Sonderausgabe der 2. Auflage des Berlin-Bandes Berlin nebst Potsdam und Umgebungen. Separat-Abdruck aus der 19. Auflage von Baedekerâs Nord-Deutschland, der eine Anlasskarte beigelegt war.
Neben den vorgenannten Ausgaben, die fast vollständig im Baedeker-Katalog von Hinrichsen erfasst sind, gibt es nach 1945 eine Vielzahl von Unternehmensausgaben fĂźr Geschäftskunden, deren ĂuĂeres sehr oft ein rein firmentypisches Layout aufweist, wie z. B. ein blau/weiĂ broschierter ReisefĂźhrer Leipzig der Deutschen Kreditbank, unter dem sich die 5. Auflage von Baedekers Leipzig von 1995 verbirgt.
Reprint- und Faksimileausgaben
Um bestimmte frĂźhe, nur noch in geringen StĂźckzahlen und zumeist nur zu sehr hohen Preisen verfĂźgbare Ausgaben einem breiteren Leserkreis wieder zugänglich zu machen, legte der Verlag zu Verlagsjubiläen Reprintausgaben auf, so fĂźr Berlin (Separat-Ausgabe von 1878) und Deutschland und der Ăsterreichische Kaiserstaat (Ausgabe von 1846).
Von anderen Verlagen wurden weitere seltene Ausgaben, teilweise als Faksimile, erneut verÜffentlicht, so unter anderen die recht seltenen Ausgaben Athen von 1896 (Pierway Inc., Eric P. und Peter Waschke, Vancouver) sowie Weimar und Jena von 1932 und Indien von 1914 (beide Verlag Fines Mundi, Saarbrßcken). Zu ihrem 25-jährigen Jubiläum veranlasste die Berliner Weberbank 1974 den Faksimiledruck der zweiten Separatausgabe fßr Berlin von 1880. Mit diesen mehr oder weniger originalgetreuen Drucken wird fßr die Liebhaber der Reiseliteratur zumindest der Inhalt der heute raren Bände erschlossen.
Gegenwärtig werden aber auch zunehmend jĂźngere und dementsprechend noch häufig auf dem Antiquariatsmarkt verfĂźgbare originale BaedekerâAusgaben zumeist in reduzierter Ausstattung â so fehlen häufig die ausklappbaren Faltkarten und Farbdrucke â als Taschenbuch nachgedruckt, zum Teil als Book-on-Demand im Ausland.
Auszeichnungen
⢠Bereits 1858 erhielt Baedeker fßr seine Reisefßhrer hohe Wertschätzung durch die renommierte Fachzeitschrift Petermanns Geographische Mitteilungen.cite-ref-102[102]
⢠Auf der Weltausstellung in Chicago 1893 wurde der Verlag fĂźr den Band âUnited Statesâ mit einer Medaille ausgezeichnet.
⢠Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 wird den Baedekerâschen ReisehandbĂźchern eine Grand-Prix-Auszeichnung zuerkannt.
Werbung des Verlags
Beispiele fßr Werbeeinträge
in den Bänden
Eigenwerbung in der Presse und den Bänden selbst
Zunächst waren unter den dem Bandinhalt vorangesetzten Verlagsmitteilungen auch Hinweise auf lieferbare andere Bände zu finden, so z. B. in der zweiten Auflage der âRheinreise von StraĂburg bis DĂźsseldorfâ von 1839 (D 2), wo fĂźr die im selben Jahr erstmals erschienenen Titel âBelgien. HandbĂźchlein fĂźr Reisendeâ (D 262) und âHolland. HandbĂźchlein fĂźr Reisendeâ (D 259) geworben wurde. Ein farbiger Einkleber mit dem Verlagsprogramm auf dem Vorderspiegel ist dann u. a. in der 2. Auflage des Holland-Bandes von 1845 (D 260) zu finden. Weiter machte Baedeker die Ăffentlichkeit durch das Versenden von Rezensionsexemplaren auf Neuerscheinungen aufmerksam. Die daraufhin in der Presse, u. a. in der KĂślnischen Zeitung, der Preussischen (Adler-)Zeitung, den St. Galler Blättern oder der Augsburger Allgemeinen Zeitung, verĂśffentlichten Buchbesprechungen (âUrtheile der Presseâ) druckte Baedeker in den 1850er Jahren in seinen ReisehandbĂźchern vor dem Titelblatt ab. Seit 1859 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde nur noch das Verlagsprogramm auf dem vorderen Einbandspiegel und dem Vorsatz aufgelistet. Die Auflistung umfasste entweder nur deutschsprachige Ausgaben oder gemischtsprachige, in denen auch franzĂśsisch- und englischsprachige Titel enthalten waren. Dabei waren der Titel, die Ausstattung (u. a. Anzahl der Karten und Pläne sowie der Panoramen und Grundrisse) und der aktuelle Preis der Bände angegeben.
Mitunter wurden den Bänden aber auch Werbezettel fßr andere Ausgaben beigelegt; mit einem solchen wurde beispielsweise im Band Berlin (20. Auflage, 1927, D 220) auf den 1928 in 2. Auflage erschienenen Brandenburg-Band (D 230) hingewiesen.cite-ref-werbet-tigkeit-104-0[104]
Anzeigenwerbung betrieb der Verlag neben den Ăźblichen Anzeigen im BĂśrsenblatt dagegen nur in beschränktem Umfang, und er beteiligte sich auch nur gelegentlich an Buchausstellungen. Er betrachtete insbesondere die Bände Russland, Palästina und Syrien, Griechenland und Ăgypten als ânoble Reklameâ fĂźr seine ReisefĂźhrerproduktion.cite-ref-105[105]
Nach 1945 wurde die Titelwerbung auf den hinteren Einbandspiegel verschoben. FĂźr einzelne Ausgaben wurden sog. Waschzettel hergestellt, die den Inhalt des vorliegenden Bandes vorstellten.
SchlieĂlich setzte der Verlag zur VerkaufsfĂśrderung auch Umschlagstreifen (sog. Buchschleifen) ein, mit denen auf den Inhalt des Bändchens hingewiesen wird, wie u. a. bei der 38. Auflage von âSchweizâ 1930cite-ref-schweiz-1930-52-1[52], dem Band âRomâ von 1933 (D 415) fĂźr das auĂerordentliche Heilige Jahr 1933/34cite-ref-106[106], der 42. Auflage von âSĂźdbayernâ (1958), der 4. Auflage des StadtfĂźhrers âMĂźnchen und Umgebungâ (1960) oder der 7. Auflage von âBerlin. Handbook for Travellersâ (1965). Da diese aber bei der Benutzung eher hinderlich waren, wurden diese von den Käufern zumeist entfernt. Somit kann deren Verwendung, vor allem vor 1945, nur im geringen Umfang und meist nur durch Zufallsfunde nachgewiesen werden.
Fremdwerbung in den Bänden
Ehernes Prinzip fßr Karl Baedeker war von Beginn an der Verzicht auf jegliche Werbung von Unternehmen, um zu vermeiden, dass der Verlag in eine wirtschaftliche Abhängigkeit insbesondere von Beherbergungs- und Bewirtungshäusern gerät. Dies hätte mÜglicherweise inhaltliche Kompromisse bei den Bänden zur Folge gehabt und damit den Ruf der Baedeker als objektive Reisefßhrer gefährdet. Auf diesen Umstand wurde vom Verlag im Vorwort der meisten Ausgaben ausdrßcklich hingewiesen.
Eine erste Ausnahme ergab sich nach dem Ersten Weltkrieg. Aufgrund der fortschreitenden Inflation war die Marktsituation kaum noch kalkulierbar. An einer Hereinnahme von Anzeigen in den deutschen Regionalbänden konnte nicht mehr vorbeigegangen werden. Allerdings wurden diese Anzeigen Ăźber die Stiftung âInvalidendankâ abgewickelt, also eine den Kriegsinvaliden verpflichtete Institution. Weiter wurden angesichts der nachklingenden Weltwirtschaftskrise, wohl um die Rentabilität der Ausgaben zu verbessern, bei den 1932 erschienenen Bänden Deutschland (D 227) und Weimar und Jena, Rudolstadt, Ilmenau (D 252) sowie den 1933 aufgelegten Titeln Berlin und Potsdam. Kleine Ausgabe (D 222) und Rom und Umgebung (D 415) erneut Inserate aufgenommen. Die Werbeeinträge wurden zum groĂen Teil von der Hotellerie gebucht. Aber auch Produzenten von Reiseutensilien, wie die Firma Zeiss fĂźr Ferngläser oder Peek & Cloppenburg fĂźr Reisekleidung, sowie Banken und ReisebĂźros oder das Jenaer Planetarium (Weimar und Jena) machten Reklame fĂźr sich. Im Band Berlin und Potsdam. Kleine Ausgabe von 1933 findet sich sogar ein noch vor der nationalsozialistischen Machtergreifung gebuchtes Inserat des groĂen Berliner Kaufhauses Nathan Israel, das sich in jĂźdischem Eigentum befand.
SchlieĂlich kam es nach dem Zweiten Weltkrieg bei einigen Stadtbänden (z. B. in Hamburg und die Niederelbe 1951 nach der Ablehnung eines finanziellen Zuschusses durch die Hamburger WirtschaftsbehĂśrde im November 1950cite-ref-107[107]) erneut zur Aufnahme von Inseraten. Die Werbeeinträge in den ersten Nachkriegsjahren dĂźrften der allgemein noch angespannten wirtschaftlichen Situation geschuldet sein, der sich auch der Baedeker Verlag anpassen musste. Nochmals findet sich dann Werbung in den 1970er Jahren in den kleinformatigen StadtfĂźhrern und Bezirks-Baedekern von West-Berlin, um mit diesen Einnahmen ihr Erscheinen zu unterstĂźtzen. Bei dieser handelte es sich zumeist um Werbung von Unternehmen, die nicht unmittelbar mit der Reiseorganisation im Zusammenhang standen, so dass eine inhaltliche Einflussnahme auf die Baedeker hier wohl nicht zu besorgen war. Sehr oft war die Frankfurter Allgemeine Zeitung alleiniger Interessent bei den StadtfĂźhrern und setzte dabei sicher das BildungsbĂźrgertum als deren dominierende Käuferschicht voraus.
Grundsätzlich folgten die Werbeeinträge dem Hauptteil mit den Reiseinformationen innerhalb des Bandes. Allein bei Baedekers Berlin. Kleine Ausgabe von 1933, einer Broschurausgabe, trägt auch die Buchrßckseite zusätzlich zu den Werbeseiten im Bandinneren einen Reklameaufdruck fßr den 1932 auf den Markt gekommenen Farbfilm Agfa-Isochrom.
Verlagsprospekte
⢠Prospekte bis 1918
Im Sommer 1905 legte der Verlag einen vierseitigen Faltblattprospekt mit Jugendstilornamentik auf der vorderen Umschlagseite und der Abbildung eines stilisierten Baedekers mit der Aufschrift âBaedekerâs Reisebuchâ auf. In derselben AusfĂźhrung liegt ein weiterer Prospekt vom Sommer 1913 vor, der einen Probeplan von Bayreuth enthielt. Und schlieĂlich erschien mit unverändertem Titelblatt anlässlich der von Mai bis Oktober 1914 geplanten Internationalen Ausstellung fĂźr Buchgewerbe und Graphik in Leipzig (Bugra), die durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh unterbrochen wurde, ein zwĂślfseitiger Verkaufsprospekt. Der, wie die Vorgänger auch, als Wegwerfartikel auf stark holzhaltigem Papier gedruckte Prospekt informierte mit kommentierenden Angaben und Preisen detailliert Ăźber die 1914 lieferbaren deutschsprachigen Baedeker-Ausgaben und listete die entsprechenden Titel in Englisch und FranzĂśsisch kurz mit auf. EinfĂźhrend wurden Reisehinweise fĂźr die in den Baedekern behandelten Reiseziele und ein ganz knapper Abriss zur Entstehungsgeschichte der Reisebuch-Reihe geliefert. FĂźr Besucher der Ausstellung wurden der aktuelle Leipziger Baedeker-Stadtplan mit Einzeichnung des Ausstellungsgeländes unweit des VĂślkerschlachtdenkmals eingedruckt und die Informationen zur Ausstellung (Erreichbarkeit, Eintritt, Kataloge etc.) bereitgestellt.
⢠Prospekte von 1919 bis 1945
Anfang der 1920er Jahre nahm der Verlag die Produktion von Verlagsprospekte wieder auf. Das besondere Augenmerk des Verlages lag nun auf den Regionalbänden fĂźr Deutschland â dies spiegelt die damalige Devisenknappheit in der deutschen BevĂślkerung als Hindernis fĂźr Auslandsreisen wider. Sie erhielten in der Regel eine vierseitige Einlage âBaedekers Deutschlandbändeâ mit der aus den Bänden selbst bekannten Deutschlandkarte, in die die Grenzen der einzelnen Bearbeitungsgebiete rot eingedruckt waren. Zusätzlich waren aufgelisteten Orts- und Gebietsangaben die jeweils in Betracht kommenden Regionalbände zugeordnet. Am Schluss der zumeist bei Grimme & TrĂśmel in Leipzig gedruckten Prospekte waren zumeist Hinweise auf gesonderte Ausgaben fĂźr die englischen und franzĂśsischen Ausgaben angegeben
Von 1937 (3teilig) und 1938 (4teilig) liegen Verlagsprogramme in Leporelloform vor.cite-ref-werbet-tigkeit-104-1[104] Ein Faltblatt als Bestellkarte mit der Abbildung des rot-weiĂen Schutzumschlags, das auf den 1938 in 1. Auflage verlegten AutofĂźhrer Deutsches Reich aufmerksam machte, erschien im selben Jahr. Es wurde auch im Band Deutsches Reich (6. Auflage, 1936) in der Binderate von 1938 gefunden. Spätestens Anfang 1937 erschien ein achtseitiges Leporello (155 Ă 107 mm) âWohin soll ich reisen?â. Mit ihm präsentierte der Verlag sein beachtliches Lagerangebot in allen drei Sprachen der Baedeker-HandbĂźcher und die fĂźr das FrĂźhjahr 1937 geplanten Neuerscheinungen. Unter letzteren sind zu finden Great Britain und die Schweiz (zugleich die letzten Auflagen bis 1945) sowie SĂźddeutschland. Der ebenfalls avisierte Band Rom und Umgebung gelangte dagegen nicht zur Neuausgabe. Weiter sind u. a. erwähnt die bereits im Vorjahr zur Olympiade erschienenen Bände Das Deutsche Reich, Norddeutschland sowie Berlin und Potsdam sowie die fremdsprachigen Titel Austria (1929), Canada (1922), Allemagne (1936) und Palestine et Syrie (1912).
⢠Prospekte nach Ende des Zweiten Weltkriegs
Ab den 1950er Jahren wurden dann in grĂśĂerem Umfang jährliche Verlagsverzeichnisse in Leporelloform oder als Faltblätter bzw. BroschĂźren fĂźr die Neuerscheinungen und die lieferbaren Titel zur Verteilung Ăźber den Buchhandel erstellt. Es gab fĂźr einzelne Bände (z. B. Schwarzwald, 1956) auch Faltblätter in Baedekerrot, die innen das Inhaltsverzeichnis und eine Mustertextseite enthielten.
Antiwerbung als Propagandamittel
Im Ersten Weltkrieg wurden vom franzĂśsischen Verlag Hachette Werbemarken verwendet, die zum Kauf der eigenen ReisefĂźhrerproduktion, den âGuides Bleusâ, und dem Boykott der in Frankreich gut eingefĂźhrten franzĂśsischsprachigen Baedeker aufriefen.cite-ref-109[109]
Baedeker als Sammelobjekt
Kataloge, Bibliographien, Schriftenreihen
Einer ersten Bibliografie der Baedeker, die von Alex W. Hinrichsen (1936â2012) erstellt worden war, folgte vom selben Autor 1988 ein erster Katalog, der 1991 als Baedekerâs ReisehandbĂźcher 1832â1990 in zweiter Auflage erschien und noch immer maĂgebend ist. Die von Hinrichsen vorgenommene Nummerierung der Titel wird auf dem Antiquariatsmarkt und von der Sammlerschaft ausschlieĂlich benutzt. Sie wurde fĂźr die Ausgaben bis 1945, die vorwiegend gesammelt werden, wie folgt strukturiert:
⢠Die deutschsprachigen Titel beginnen mit D 0 (Rheinreise o. J., ca. 1832) und enden mit D 499 (Indien, 1914). Dabei dßrfte die 1943, kurz vor der ZerstÜrung des Verlagsgebäudes erschienene Nummer D 171, Tirol (41. Auflage), die späteste Ausgabe sein, sieht man von den beiden OT-Ausgaben von 1944 ab, die nicht fßr den regulären Handel bestimmt waren.
⢠Mit E 1 (Rhine, 1861) beginnen die englischsprachigen Titel, sie enden mit der Nummer E 266 fßr die 4. Auflage von Canada (1922). Der zuletzt erschienene Titel war allerdings der 1939, kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, verÜffentlichte Band Madeira (E 243).
⢠SchlieĂlich beginnen auch die franzĂśsischsprachigen Titel mit der Rheinreise (Le Rhin) als F 1 und enden bei der Nummer F 226 (Les Etats-Uni [USA], 1905). Die jĂźngste Ausgabe war hier Allemagne (F 40), die in 15. Auflage im Olympiajahr 1936 in den Handel kam.
FĂźr die Ausgaben nach 1945 bietet sich ein weitaus komplizierteres Bild, da hier eine Vielzahl verschiedener Typen von ReisefĂźhrern erschienen war, die zur besseren Ăbersicht der Katalogbenutzer von Hinrichsen jeweils zusammengefasst wurden. So erhielten:
⢠die bis 1963 weitestgehend in klassischer Baedeker-Manier erschienenen Regionalbände als Kennbuchstaben ein N (1â43),
⢠die StadtfĂźhrer ein K (1â704 mit jeweils einer Zehnergruppe pro Titel, um auch die Folgeauflagen problemlos einreihen zu kĂśnnen. Dies reichte aber zumindest bei den touristischen Hochburgen Bamberg und NĂźrnberg mit vielen Folgeauflagen nicht zu),
⢠die KompaktâReisefĂźhrer ebenfalls ein K (901â908),
⢠die Shell-AutofĂźhrer ein G (1â94),
⢠die AutoreisefĂźhrer â groĂe LänderfĂźhrer ein H (1â219),
⢠die Länderreisefßhrer (nur USA) ein L (1 und 2 fßr seine, bis Redaktionsschluss, zwei Auflagen),
⢠die Baedekers Allianz Reisefßhrer die Buchstaben A, B oder C.
FĂźr Reprintausgaben, auch fĂźr solche auĂerhalb des Baedeker Verlags erschienene, wurde ein R vergeben. Im Hinrichsen-Katalog von 1991 wurden nur 12 Ausgaben aufgelistet; zwischenzeitlich kam es jedoch zu weiteren VerĂśffentlichungen von Reprints.
FĂźr die Sammler von Baedekern gab Alex W. Hinrichsen zwischen 1980 und 1992 eine Schriftenreihe mit 24 Heften und einer Sonderausgabe (1984) heraus, ursprĂźnglich Mitteilungen fĂźr Baedeker-Freunde(1980-5/1983), danach Reiseleben (6/1983â14/1987) und schlieĂlich Reisen und Leben genannt.
Antiquarisches Baedeker-Angebot
Während es aufgrund der schon grĂśĂeren AuflagenhĂśhen im Zusammenhang mit einem guten Absatz etwa ab den 1880er Jahren von den Titeln fĂźr die Hauptreiseziele, wie Deutschland, Italien, Ăsterreich oder die Städte Paris und London, ein recht breites Angebot auf dem Antiquariatsmarkt gibt, sind die frĂźhen Ausgaben der Baedeker aus den 1840er bis 1860er und teilweise den 1870er Jahren, insbesondere die noch im Biedermeiereinband ausgelieferten, zumeist recht gesucht. Aber auch einige Erstauflagen späterer Titel und Bände fĂźr Reiseziele mit noch nicht allzu groĂen TouristenstrĂśmen zur Zeit ihres Erscheinens, so dass auch die Verkaufszahlen der Ausgaben beschränkt waren, wie Syrien und Palästina, Griechenland oder Russland, sind nicht so häufig zu finden. In nicht ganz so groĂem Umfang werden auch einige Regional- und Städteausgaben aus der Zwischenkriegszeit angeboten, wie OstseekĂźste, Schlesien oder WĂźrttemberg sowie Berlin, MĂźnchen und Augsburg oder Rom. SchlieĂlich sind durch die ZerstĂśrung des Leipziger Verlagsgebäudes vorhandene Lagerbestände schwerer verkäuflicher oder erst kurz vor dem Bombardement fertiggestellter Titel mit verbrannt, so dass sich dadurch ihr Angebot stark verknappt hat und sie zu entsprechend hohen Preisen gehandelt werden. Zu diesen Ausgaben gehĂśren z. B. der Indien-Band von 1914, die aktualisierte Separatausgabe aus dem ThĂźringen-Band von 1925 fĂźr die Goethe-Wirkungsstätten von 1932 oder die 41. Auflage fĂźr Tirol von 1943.
Weniger bibliophiles Interesse wecken dagegen die meisten Ausgaben nach 1945. Trotzdem haben die Erstausgaben der neuerstellten Städtebände (Leipzig, Stuttgart, Frankfurt am Main) und die weiteren Ausgaben der Reihe Baedekers StadtfĂźhrer, die in den 1960er und 1970er Jahren in ihrer Anmutung durchaus noch an die klassischen Baedeker-Ausgaben der Vorkriegszeit anknĂźpften, oder die seltenen Touropa-Ausgaben von 1957 auch viele Liebhaber. Gerade die nicht selten in vielen Auflagen Ăźber mehrere Dezennien verlegten StadtfĂźhrer spiegeln nämlich gut nachvollziehbar die neuere Stadtentwicklung der behandelten touristischen Ziele und die Veränderungen in ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Leben im Laufe der Zeit wider. Sie sind aber trotz ihrer nicht nur geringen Auflagen im Antiquariatshandel zunehmend seltener zu finden. Aufgrund ihres eher unscheinbaren ĂuĂeren und der fĂźr den Alltagsgebrauch eingetretenen teilweisen Inaktualität wurden und werden sie nämlich häufig weggeworfen und gehen dadurch dem Sammlermarkt allmählich verloren.
Lizenzausgaben
Deutsche Ausgaben
U. a. von mehreren Titeln der zwischen 1953 und 1979 bei Baedekers AutofĂźhrer-Verlag erschienenen AutoreisefĂźhrer und der Baedeker-Allianz-ReisefĂźhrer (bis 2012) legte Bertelsmann fĂźr seinen Buchclub Lizenzausgaben auf, an denen sich teilweise noch weitere Buchgemeinschaften beteiligten.
Ausgaben der britischen Automobile Association (AA)
Von der britischen Vereinigung The Automobile Association wurden von vielen Ausgaben der Baedeker-Allianz-Reihe Lizenzausgaben mit ähnlicher Ausstattung veranstaltet. Die Umschläge waren in Baedeker-Rot gehalten, trugen ein Frontfoto und waren mit einem weiĂen Baedeker-Schriftzug auf blauem Grund sowie dem Logo AA der Automobile Association versehen. Es wurden Country Guides (LänderfĂźhrer), Regional Guides (RegionalfĂźhrer) und City Guides (StadtfĂźhrer) verlegt. Zusätzlich gab es unter dem Titel Baedeker/AA Mapes Landkarten und StraĂenatlanten.
FranzĂśsische Ausgaben von Hachette
Beim Pariser Verlag Hachette Livre erschienen verschiedene Städte- und Länderbände, u. a. der umfangreiche Länderband USA von 1974 als Êtats unis, der in Abkehr der sonst verwendeten rot-blauen Einbandgestaltung in blau-schwarz, eine Reminiszenz an die Guides bleus, gehalten ist.
Italienische Ausgaben des Istituto Geografico De Agostini
Das 1901 gegrĂźndete Verlagshaus Istituto Geografico De Agostini, heute De Agostini editore, mit Sitz in Novara Ăźbernahm vor allem Bände der groĂen Metropolen der Welt, wie New York, London oder Moskau, und diverse Länderbände (Ăgypten, Spanien oder Frankreich).
Sonstige Lizenzausgaben
Weitere BaedekerĂźbernahmen sind aus den Niederlanden (Kosmos, heute: Kosmos Uitgevers, Amsterdam), Schweden (Esselte), Spanien (Sociedad General EspaĂąola de Libreria) und Israel (Schocken) bekannt.cite-ref-110[110]
Ausstrahlung der Baedeker-Reihe
Dem Baedeker ähnlich gestaltete Reisefßhrer
Nicht wenige in- und ausländische Verlage versuchten, die Popularität des Erscheinungsbilds und des Inhalts der Baedeker fĂźr eigene Verlagsprojekte zu nutzen: So wurden teilweise die Texte und Karten verwendet, die inhaltliche Gliederung Ăźbernommen und die klassische Baedeker-Einbandgestaltung mit dem roten Leinen und der in Goldfarbe geprägten Titelei nachgeahmt, ohne jedoch den Reihennamen selbst im Buchtitel zu verwenden.cite-ref-111[111] Hier sind insbesondere die TCI-ReisefĂźhrer des italienischen Automobil-Klubs (Touring Club Italiano) zu nennen, dessen Vorsitzender Luigi Vittorio Bertarelli sich zuvor vergeblich um eine Kooperation mit dem Baedeker Verlag bemĂźht hatte und deshalb ab 1914 mit der eigenen Herausgabe von ReisefĂźhrern begann, die Italien (zunächst sieben Bände geplant) und seine damaligen Kolonien beschreiben sollte; die Klubmitglieder erhielten die Ausgaben kostenlos.cite-ref-112[112] Aber auch die roten Einbände einiger der frĂźhen Grieben-ReisefĂźhrer des Berliner Verlagsbuchhändlers Albert Goldschmidt um 1860 waren den Baedekern zum Verwechseln ähnlich.cite-ref-113[113] Der A. Hartlebenâs Verlag trat sogar erst 1878, als die Baedeker erstmals mit dem dann 65 Jahre verwendeten klassischen Einbandmuster ausgestattet wurden, mit seinen rot in Baedeker-Manier eingebundenen ReisefĂźhrern auf den Plan. Da die Reihe bis 1915 in grĂśĂerem Umfang verlegt wurde, muss wohl von einem Einverständnis des Baedeker-Verlags mit dieser Praxis ausgegangen werden.cite-ref-114[114]
Pseudo-Baedeker
⢠Reisefßhrer und Festschriften
Teilweise wurde der populäre Reihenname auch fĂźr andere ReisefĂźhrer, sonstige FĂźhrer oder sogar vĂśllig andersgeartete Schriften benutzt. Diese so genannten Pseudo-Baedeker fĂźhrten also den Titelnamen Baedeker auf â nicht immer in der korrekten Schreibweise â, um entweder eigene Konkurrenzprodukte besser verkäuflich zu machen (âKiesslings Berliner Baedekerâ) oder darauf aufmerksam zu machen, dass der Leser durch eine Reise, eine Veranstaltung oder einen sonstigen Gegenstand der Betrachtung gefĂźhrt wird. Mitunter wurde dabei der Einband so nachgeahmt, dass er einem echten Baedeker zum Verwechseln ähnlich war. Dies trifft auf einen 1899 vom Lesezirkel Hottingen herausgegebenen Band Baedekerâs Orient zu. Er wurde von dem Archäologen Hugo BlĂźmner als Erinnerungsbuch (64 Seiten und eine Routenkarte) Ăźber eine fiktive Mitgliederschiffsreise von Hottingen bis Jeddo zu einer Festveranstaltung des Lesezirkels am 18. März 1899 verfasst. Zumeist lehnten die Gestalter sich aber nur mehr oder weniger an das Original an, so dass fĂźr den Benutzer auf den ersten Blick erkennbar war, dass er keinen ReisefĂźhrer aus dem Hause Baedeker vor sich hatte. So gab es in dieser Form einen Fest-Bädeker zur Feier der silbernen Hochzeit des Herrscherpaares von Oesterreich-Ungarn. 24. April 1879 (Franz Joseph I. und Elisabeth).cite-ref-115[115] oder den Wiener Baedeker. Wanderungen durch Wien und Umgebungen zur Weltausstellung 1873 von B. Bucher und K. Weiss.
⢠Der so genannte The Bomberâs Baedeker
Ein Baedeker der anderen Art wurde der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg ab Anfang 1943 an die Hand gegeben; 1944 erschien eine zweite Auflage. Die vom britischen Foreign Office & Ministry of Economic Warfare, Enemy Branch, herausgegebene Ausgabe The Bomberâs Baedeker. A Guide to the Economic Importance of German Towns and Cities enthielt eine Auflistung von Ortschaften im Deutschen Reich als potenzielle Bombenziele. Diese wurden in zwei BroschĂźren (Band I: Aachen bis KĂźstrin, Band II: Lahr bis Zwickau) näher beschrieben und mit Prioritätskategorien von zunächst 1 (wesentlicher Betrieb in einem wichtigen Industriezweig) bis 3 und in der Ausgabe von 1944 zusätzlich mit â1+â (Anlagen und Betriebe von auĂerordentlicher Bedeutung fĂźr die deutsche KriegsfĂźhrung) versehen. Die Ausgabe von 1944 enthielt sogar Orte mit weniger als 1000 Einwohnern, wenn sie aus britischer Sicht kriegswichtig waren.cite-ref-116[116]
⢠Werbeschriften
Die Bekanntheit der Marke Baedeker konnte auch zu reinen Reklamezwecken ausgenutzt werden, indem Werbeschriften wie Baedeker aufgemacht wurden. Dadurch sollte das Kundeninteresse besonders geweckt werden. Diese kurzlebigen Druckwerke wurden schon aus AktualitätsgrĂźnden nach ihrer LektĂźre zumeist weggeworfen und tauchen heute nur sehr selten auf. Das abgebildete Beispiel zeigt einen in Baedeker-Rot gehaltenen Werbeprospekt der damals in der Wiener Goldschmiedgasse 4-6 ansässigen Firma Koppel, Frisch & Cie. von 1908/09, die als kaiserl. und kĂśnigl. Hofâund Kammer-Lieferant fĂźr hochwertige Stoffe fĂźr sich warb. Sogar der vielen Baedekern beigegebene Spruch von Philander von Sittewald wurde dabei verfremdet Ăźbernommen: Wer kaufen will, der wähl' fein still, Gehâ steten Schritt, Nehm' â Geld bloss mit â Tretâ an am frĂźhen Morgen Und lasse heim die Sorgen. Ph. Vom Dresdner Schokoladeunternehmen Jordan & Timaeus ist eine Werbeausgabe âBaedeker's Schlaraffenlandâ bekannt (um 1880), die in einer täuschend echt nachempfundenen roten Leinwandkassette anstelle eines Buchtextes 5 Schokoladenriegel enthielt.cite-ref-117[117] Wahrscheinlich aus den 1930er Jahren stammt eine aufklappbare Buchattrappe in Baedekerrot mit marmoriertem Schnitt und goldgeprägtem Aufdruck âBaedeker's-Reisebegleiterâ, die Nähutensilien fĂźr die Reise bereit hielt.
BĂźcher mit Bezug auf den Baedeker
⢠Werner Bergengruen: Baedeker des Herzens. Verlag Tradition, Berlin 1932. (dieser Titel musste auf Intervention des Baedeker Verlags umbenannt werden, erschien dann als Badekur des Herzens)
⢠Arthur Holitscher: Narrenbaedeker: Aufzeichnungen aus Paris und London. mit Holzschnitten von Frans Masereel. S. Fischer Verlag, Berlin 1925.
⢠Kurt Mßnzer, Hermann Struck: Der gefßhlvolle Baedeker. Auch ein Handbuch fßr Reisende durch Deutschland, Italien, Schweiz und Tirol. Deutsches Verlagshaus Vita, Berlin 1911.
⢠Ludwig Thoma: Käsebiers Italienreise. (= Piper-Bßcherei. 199). Piper Verlag, Mßnchen 1964. (enthält Baedeker-Zitate)
⢠Jules Verne hat in mehreren seiner Romane Baedeker erwähnt, so in Clovis Dardentor, wo er, als die Romanhelden die Insel Mallorca erreichen, den Hinweis gibt: âWenn man ein Land nicht kennt, tut man am besten, seinen Baedeker zu Rate zu ziehenâ. (A. Hartlebenâs Verlag, Wien / Pest / Leipzig 1897, S. 78).
Buchreihe Was nicht im âBaedekerâ steht
Ab 1927 erschien im Piper Verlag die Reihe Was nicht im âBaedekerâ steht in 17 Bänden. Zu den Schutzumschlägen bzw. Buchdeckeln von 14 dieser Titel, die broschiert, als Pappband oder mit dem Verlagssignet versehene Leinenausgabe erschienen sind, zeichnete der Grafiker Walter Trier die farbigen Illustrationen auf gelbem Grund. Bei den Ăźbrigen drei Bänden gestaltete einer der Illustratoren zu den Texten auch den Schutzumschlag. Bei der erst 1938 erschienenen 2. Auflage des Rom-Bandes von 1938 ist der Gestalter des nicht mehr reihentypischen Umschlags nicht ersichtlich.
Die mit Eugen Szatmaris Beschreibung von Berlin beginnenden und einer Ăźberarbeiteten Fassung des Bandes fĂźr Rom von Hermann von Wedderkop 1938 endenden Texte wurden von verschiedenen, häufig ortsansässigen KĂźnstlern, wie Otto Pankok, Olaf Gulbransson oder Ernst Aufseeser, aber auch Henri Matisse, Pablo Picasso und Jean Cocteau, mit schwarz-weiĂ Illustrationen versehen. Der Band II zur Stadt Wien wurde auch in englischer Ăbersetzung vorgelegt. Die Reihe versteht sich als augenzwinkernder Gegenentwurf zu den sehr sachlichen und auf das Wesentliche beschränkten Baedeker-Inhalten und wird aus dem subjektiven Blickwinkel der jeweiligen Autoren des Reisegebiets gespeist.
1995 und 1997 legte die Connewitzer Verlagsbuchhandlung aus Leipzig von 5 Titeln Reprintausgaben vor.cite-ref-118[118]
Buchreihe Wat niet in Baedeker staat
Die Idee des Piper Verlags wurde 1930 vom Amsterdamer Verlag A. J. G. Strengholt aufgegriffen. Unter dem Titel Wat niet in Baedeker staat erschienen Bände zu den Städten Amsterdam (1930, 1932), Rotterdam (1931) und Den Haag (1931). UrsprĂźnglich waren noch 7 weitere Titel geplant, die aber nicht erschienen. Im Gegensatz zur Piper-Reihe, bei der nur ausnahmsweise mehr als ein Autor pro Band zu Wort kam, wurden in den drei niederländischen Reihenbänden kaleidoskopartig Artikel verschiedener Verfasser von den jeweiligen Herausgebern zu einem Ganzen zusammengestellt und illustrieren bei den ersten beiden Bänden neben den Ăźberwiegenden Zeichnungen auch Fotos die literarischen Darstellungen. Im Band fĂźr Rotterdam sind sogar ausschlieĂlich Fotografien enthalten.
Sonstiges
⢠In dem HĂśrspiel âProfessor van Dusen â Stimmen aus dem Jenseitsâ (Fall Nr. 42) von Michael Koser, produziert 1980 vom RIAS Berlin, zitiert der Reporter Hutchinson Hatch den fiktiven Baedeker âBand Mitteldeutschland, Ausgabe 1903â mit der Beschreibung des fiktiven Kurortes âBad Emsingen, FĂźrstentum Schleus-Reitz-Wittgensteinâ. (CD, Track 1, 0:40â2:15, Verlag Maritim/HighscoreMusic)
⢠Selbst Konkurrenzprodukte zitierten den Baedeker zur Untermauerung eigener Angaben. So wurde 1860 im Lloyd-ReisefĂźhrer Von Wien nach Triest zur besonderen Wirkung des Markusplatzes auf den Betrachter bei Vollmond darauf hingewiesen, dass âBädeker, dem man Sentimentalität sicher nicht vorwerfen kann, der aber gesunden Sinn fĂźr Natur- und KunstschĂśnheit hat, ⌠ausdrĂźcklich (bemerkt): 'Von wunderbarster Wirkung aber ist der Markusplatz mit seiner Umgebung ⌠in einer hellen Mondnacht.'âcite-ref-119[119] Das Zitat wurde hĂśchstwahrscheinlich dem damals aktuellen Baedeker Deutschland und das Ăśsterreichische Ober-Italien von 1858, S. 142, entnommen.
⢠Seiner Genauigkeit verdankt der Baedeker auch seine Erwähnung in der humoristischen britischen Oper La Vie Parisiennecite-ref-120[120] von Alan Patrick Herbert und A. Davies-Adams (die sich entgegen weitverbreiteten Angaben nur vage am franzĂśsischen Original von Jacques Offenbach (siehe Pariser Leben) orientiert).cite-ref-121[121] Im Libretto von A. P. Herbert heiĂt es: âFor Kings and Governments may err // But never Mr. Baedeker.â
⢠Das Grimmsche WĂśrterbuch zitierte zum Stichwort âErwandernâ den âSchweizâ-Baedeker.cite-ref-122[122]
⢠Adolph von Menzel bildete 1892 auf seinem Gemälde Auf der Fahrt durch schÜne Natur einen Bahnreisenden mit einem Baedeker in der Hand ab.cite-ref-123[123]
⢠T. E. Lawrence (Lawrence von Arabien) soll wegen der Genauigkeit der Karten ständig die englischsprachige Ausgabe von Palästina und Syrien von 1912 (Palestine and Syria, 5. Auflagen) mit sich gefßhrt haben, während er mit seinen arabischen Bundesgenossen von 1916 bis 1918 gegen die Tßrken den Arabischen Befreiungskrieg fßhrte.
⢠Der deutsche Astronom Freimut BÜrngen benannte den im Jahre 1995 in der Sternwarte Tautenburg von ihm entdeckten Asteroiden 23578 nach Karl Baedeker.
⢠Auf der IC-Linie 5 von KÜln nach Leipzig ßber Hannover, Magdeburg und Halle/Saale verkehrte 2001 und 2002cite-ref-124[124] der IC Karl Baedeker, der als IC 624 von KÜln nach Leipzig und IC 625 in der Gegenrichtung lief. Die beiden 8- (IC 624) bzw. 10-seitigen (IC 625) Zugleporellos fßr die Fahrgäste enthielten kurze biografische Daten des Verlagsgrßnders und einen Hinweis auf Leipzig als ehemaligen Verlagssitz.
⢠Im Heft 719 des Journal de Tintin vom August 1962 beschreibt Fernand Cheneval mit dem kleinen Comic Monsieur Karl â âInventeurâ du Tourismue die Entstehung des Baedekers in den 1830er Jahren und seine Entwicklung zum weit verbreiteten ReisefĂźhrer.
⢠U. a. in den Filmen Zimmer mit Aussicht und Tod auf dem Nil mit Peter Ustinov ist der Baedeker als Reisebegleiter ins Bild gerßckt.
Siehe auch
Literatur
⢠Peter H. Baumgarten, Monika I. Baumgarten (Hrsg.): Baedeker. Ein Name wird zur Weltmarke. Karl Baedeker, Ostfildern 1998, ISBN 3-89525-830-X.
⢠Alex W. Hinrichsen: Baedeker´s ReisehandbĂźcher 1832â1990; Bibliographie 1832â1944; Verzeichnis 1948â1990; Verlagsgeschichte. 2. Auflage. Ursula Hinrichsen Verlag, Bevern 1991, ISBN 3-922293-19-0.
⢠englisch: Alex W. Hinrichsen: Baedekerâs Travel Guides 1832â1990. Bibliography 1832â1944; Listing 1948â1990. History of the publishing house. 2. Auflage. 2008 (Teildigitalisat).
⢠Ursula Hinrichsen (Hrsg.): Mitteilungen fĂźr Baedeker-Freunde (ab Heft 6, 1983 Reiseleben und ab Heft 15, 1987 Reisen und Leben). 24 Hefte. Ursula Hinrichsen Verlag, Holzminden 1980â1992, ISSN 0936-627X (Online).
⢠Burkhart Lauterbach: Baedeker und andere ReisefĂźhrer. Eine Problemskizze. In: Zeitschrift fĂźr Volkskunde. Halbjahresschrift der Deutschen Gesellschaft fĂźr Volkskunde. Jahrgang 85. Verlag Otto Schwartz & Co, GĂśttingen 1989, ISSN 0044-3700, S. 206â234 (Digitalisat).
⢠Katja Mittl: Baedekers Reisehandbßcher. Funktionen und Bewertungen eines Reisebegleiters des 19. Jahrhunderts. (= Alles Buch. Studien der Erlanger Buchwissenschaft. Band 22). Universität Erlangen-Nßrnberg, Erlangen 2007, ISBN 978-3-940338-02-0 (PDF).
⢠Otto Mßhlbrecht: Baedeker (1. Art.). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 759 f.
⢠Susanne MĂźller: Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des ReisefĂźhrers 1830â1945. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2012, ISBN 978-3-593-39615-6.
⢠Karl Friedrich Pfau: Baedeker (2. Art.). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46, Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 180â182.
⢠Elias Weirauch: Die Karten in Baedeker-Reisefßhrern zwischen 1827 und 1945. Eine Kulturgeschichte des Reisens und der Reisefßhrer. AV Akademikerverlag, Saarbrßcken 2014, ISBN 978-3-639-78680-4.
Weblinks
Commons
: Baedeker
â Sammlung von Bildern
⢠Offizielle Website des Baedeker Verlags
⢠Verlagsgeschichte des Baedeker Verlags bei Baedeker.com
⢠Mythos Baedeker. In: Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
⢠Private Website fßr Baedeker-Sammler
⢠Liste aller deutschsprachigen Baedeker von 1828 bis 1944
⢠Digitalisierte Baedeker-Ausgaben im Internet Archive
⢠Historische Baedeker-Reisehandbßcher im travel!digital Corpus
Anmerkungen
cite-note-11. â Im BĂśrsenblatt (z. B. 1872 Nr. 140 S. 2273) war allerdings längere Zeit die ursprĂźngliche Schreibweise des Namens zu finden.
cite-note-22. â Die erste Ausgabe der Rheinreise von Mainz bis KĂśln von 1828 als Digitalisat
cite-note-44. â Digitalisat des Bands von 1835 von der Uni KĂśln.
cite-note-55. â Vergleiche dazu den Artikel von Heinrich Krohn: Karl Baedeker und seine Konkurrenten. In: Reisen und Leben. Heft 16, 1988, S. 5 ff.
cite-note-66. â Karl-Heinz Zimmer: Personenschifffahrt auf der Mosel in alter Zeit - Die Eiljachten: Der erste Ăśffentliche Personenverkehr auf der Mosel (Digitalisat) auf www.regionalgeschichte.net vom 14. Juli 2010.
cite-note-71. Das Buch wurde in der im 19. Jahrhundert bekannten Verlagsbuchhandlung von LÊon Saunier erworben, die Zweigstellen in Danzig, Stettin und Elting unterhielt und 1926 ihr 100-jähriges Jubiläum begehen konnte; siehe die Jubiläumsschrift als Digitalisat.
cite-note-88. â Digitalisat des Bands von 1839 von der Landesbibliothek Rheinland-Pfalz.
cite-note-99. â Vergleiche zu diesen ReisefĂźhrern die AusfĂźhrungen auf der englischen Wikipedia.
cite-note-1010. â Vergleiche zu diesem Unternehmen den Eintrag bei zeno.org.
cite-note-1111. â Vergleiche die Ausgabe auf Google online.
cite-note-1212. â Ein lange unbekannt gebliebener âBaedekerâ: Bad Bertrich im Uesbachthale an der Mosel. In: Mitteilungen fĂźr Baedeker-Freunde. Heft 2, 1980, S. 24.
cite-note-1313. â Eine Online-Version stellt die Bayerische Staatsbibliothek bereit.
cite-note-1414. â Digitalisat bei Google.
cite-note-belgienxv-1515. â K. Baedeker: Belgien. Handbuch fĂźr Reisende. 5. Auflage. Karl Baedeker, Coblenz 1853, S. XV.
cite-note-1616. â VII. Eilwagen. und VIII Eisenbahn. In: K. Baedeker: Belgien. Handbuch fĂźr Reisende. 5. Auflage. Coblenz 1853, S. XV ff. (online)
cite-note-1717. â K. Baedeker: Holland. 2. Auflage. Karl Baedeker, Coblenz 1845 (online)
cite-note-1818. â Digitalisat der Ausgabe: Bayerische Staatsbibliothek ([1])
cite-note-1919. â Der 1767 in Frankfurt am Main geborene und am 24. Oktober 1851 in Eisenach verstorbene Hofrat und Oberpostkommissar Franz M. Diez war Herausgeber von Post- und Reisekarten. Vergleiche zu ausgewählten Arbeiten von Diez die Webseite Journals.
cite-note-202. Die Graveur- und Druckerfamilie Walker, die aus den Brßdern John Charles, und Alexander bestand, produzierte unter dem Namen J. & C. Walker im 19. Jahrhundert hochwertige Land- und Seekarten fßr verschiedene Institutionen, unter anderen auch fßr die Britische Admiralität und das Londoner Verlagshaus John Murray fßr deren Reisefßhrer. John Walker selbst, der von 1787 bis 1873 lebte, arbeitete wie schon sein Vater gleichen Namens als Hydrograph bei der East India Company.
cite-note-2121. â John Murray: A Hand-Book for Travellers on the Continent [...]. London MDCCCXXXVIII [1838] (Digitalisat der Open Library).
cite-note-2222. â In ähnlichem Sinne auch im Vorwort zu John Murrays Southern Germany von 1843 (3., berichtigte und erweiterte Auflage), Digitalisat im Internet-Archiv.
cite-note-2323. â J[oseph]. Lehnhardt: Illustrations to the hand-book for travellers on the continent; contained in a series of maps of the most frequented roads through Holland, Belgium and Germany [...]. The Rhine through Holland to Basle and Constance. Carl JĂźgel, Frankfurt M. 1840.
cite-note-243. Soweit bekannt, kommt nur bei dieser Ausgabe eine Einbandgestaltung in gemischtem Muster vor: Während die Buchdeckel eine geprägte Kassettierung, die bis ca. 1877 bei Baedekern verwendet wurde, aufweisen, ist der Buchrßcken mit geprägten Biedermeierornamenten verziert, mit denen nur einige wenige Ausgaben zu Beginn der 1850er Jahre versehen wurden, wie Schweiz, Mittel- und Nord-Deutschland.
cite-note-254. Die Einbände dieser Ausgabe wurden zumeist schon mit dem zu dieser Zeit ßblichen Kassettenmuster eingebunden. Eine wohl nur kleine, frßhe Binderate kam aber nochmals mit Biedermeierverzierungen und einer besonderen Zierschrift des Verlagsnamens vor (Restverwertung?)
cite-note-265. Der irrtßmlich aufgefßhrte Plan fßr Triest ist in dieser Auflage nicht enthalten, da die Stadt und Umgebung hier noch nicht Gegenstand der Reisebeschreibung war. Zusätzlich eingebunden wurde dagegen eine Karte des Salzkammerguts.
cite-note-2727. â Digitalisat der Ausgabe in der Universitätsbibliothek Heidelberg.
cite-note-2828. â Es wird in Beiträgen zur Entstehungsgeschichte dieses Bandes häufig angegeben, dass Karl Baedeker die Pariser Weltausstellung von 1855 in seinem Manuskript Ăźbersehen habe. Dies wird auf die zunächst nicht vorhergesehene mehrjährige Bearbeitungszeit des ReisefĂźhrermanuskripts und die Fertigstellung der Ausgabe erst kurz vor Beginn der Weltausstellung zurĂźckgefĂźhrt. Allerdings erscheint eher unwahrscheinlich, dass der so akribisch und auf Aktualität bedachte Autor die Vorbereitung eines solch wichtigen internationalen Ereignisses nicht bekannt gewesen sein sollte. Viel eher kommt in Betracht, dass er angesichts der nur kurzen Dauer des Ereignisses dieses in einem gesonderten Text wĂźrdigen wollte, der den zur Zeit der Weltausstellung verkauften Exemplaren beigelegt werden konnte. So vermied er fĂźr die Käufer der Bände nach der Weltausstellung obsoleten Text; die Ausgaben wurden schlieĂlich Ăźber einen längeren Zeitraum verkauft. FĂźr diesen Umstand spricht auch die Tatsache, dass fĂźr spätere Weltausstellungen, wie London 1862, Wien 1873, Paris 1889 oder St. Louis 1904, auch jeweils nur lose Beilagen gedruckt wurden.
cite-note-2929. â Deutsche Allgemeine Zeitung, 17. März 1857 (Anno-Digitalisat)
cite-note-3030. â Baedeker, Karl: Die Rheinlande von der Schweizer bis zur Holländischen Grenze, auf MDZ-Digitalisat
cite-note-3131. â Vergleich das Digitalisat der Heidelberger Universität.
cite-note-3232. â Geschichte der Reihe auf der offiziellen Web-Seite der âBlue Guidesâ
cite-note-3333. â Siehe BĂśrsenblatt 1872 Nr. 140 S. 2273.
cite-note-3434. â Vergleiche fĂźr Thomas Nicholas die englische Wikipedia.
cite-note-3535. â Es handelt sich um den ca. 1789 in London geborenen Kartografen, Drucker und Verleger Benjamin Rees Davies. Er starb am 16. Dezember 1872 in seinem Wohnhaus (auch Sitz seines Unternehmens) an der Ecke George Street/Euston Square.
cite-note-3636. â Alex W. Hinrichsen: Neue Erkenntnisse in der Baedeker-Forschung. In: Reiseleben. 1986, Heft 13, S. 18â36 (online).
cite-note-3737. â Baedekers Griechenland, Leipzig 1904, S. VI (4. Auflage)
cite-note-3838. â Zur Entstehungsgeschichte des GriechenlandâBaedeker vergleiche auch Hans-JĂśrg Kalczyk: âHabbo Gerhard Lolling und der Baedeker von Griechenlandâ. in: Reisen und Leben, Heft 18, 1989, Ursula Hinrichsen, Holzminden 1989.
cite-note-3939. â Vergleiche die Biografie von Lechat beim franzĂśsischen Institut fĂźr Kunstgeschichte INHA (Digitalisat)
cite-note-4040. â RuĂland. Karl Baedeker Verlag, Leipzig 1912, S. XXIX.
cite-note-thorbecke-4141. â Der frĂźh verstorbene Hallenser Orientalist und Arabist Heinrich Thorbecke verfasste eine positive Rezension zur deutschen und englischen Erstauflage in der Jenaer Literaturzeitung Nr. 15 von 1877.
cite-note-4242. â Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg.
cite-note-4343. â Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg.
cite-note-4444. â Hinrichsen: Baedekerâs ReisehandbĂźcher 1832â1990. S. 43.
cite-note-titelblattangabe-jahr-4545. â Auf dem Titelblatt ist das Folgejahr als Erscheinungsjahr angegeben
cite-note-4646. â Olga Meraviglia: Eine Mittelmeerfahrt. Intime Reiseerinnerungen. Leykam, Graz 1910, S. 171
cite-note-4747. â Vergleiche zu dessen Redaktionstätigkeit den autobiografischen Beitrag von Gerhard Peters: Redakteur an Baedekers ReisehandbĂźchern 1925â1934. In: Reisen und Leben. Heft 15, 1987.
cite-note-4848. â Baedekers WĂźrttemberg und Hohenzollern, Verlag Karl Baedeker, Leipzig 1925, S. V
cite-note-4949. â Das Titelblatt des Nachdrucks weist zwar noch das Ausgabejahr der ursprĂźnglichen Publikation (1913) aus. Aufgrund der Anzeigen im vorderen Spiegel dieser und anderer Baedeker-Ausgaben von 1925 bis 1927 lässt sich das Erscheinungsjahr auf 1926 eingrenzen. In jenem Jahr erschien auch die 30. Auflage des neuen Ăsterreich-Bandes fĂźr die Republik.
cite-note-5050. â Judith C. Joos: Trustees for the Public? Britische Buchverlage zwischen intellektueller Selbständigkeit, wirtschaftlichem Interesse und patriotischer Verpflichtung zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Verlag Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2008, S. 114 ff.
cite-note-5151. â Vergleiche zu diesem Autor die franzĂśsische Wikipedia.
cite-note-schweiz-1930-5252. â Werbeanzeige des Verlags Karl Baedeker zur Erscheinung des Bandes in neuer Auflage mit farbigem Schutzumschlag und Reklamestreifen in: BĂśrsenblatt fĂźr den Deutschen Buchhandel, BĂśrsenverein Deutsche Buchhändler, Leipzig, Nr. 145 vom 26. Juni 1930, S. 4885 [2].
cite-note-schuber-5353. â Die Datierung ergibt sich aus der im Teilband mit eingebundenen Bestandsliste des Vorderspiegels, in der bereits die Bände fĂźr Paris, Oberitalien und Norwegen von 1931 aufgefĂźhrt sind.
cite-note-5454. â Gerhard Peters: Redakteur an Baedekers ReisehandbĂźchern 1925â1934. In: Reisen und Leben. Heft 15, 1987 (online-Version)
cite-note-5555. â Vergleiche die italienische Wikipedia.
cite-note-5757. â Vergleiche den Gesetzestext (RGBl. I Nr. 69 vom 27. Juni 1933, S. 393 (online))
cite-note-5858. â Peter H. Baumgarten, Monika I. Baumgarten (Hrsg.): Baedeker. Ein Name wird zur Weltmarke. Karl Baedeker, Ostfildern 1998, S. 53 f. Die RĂźckzahlung des Darlehens wurde 1943 unter Auflagen niedergeschlagen.
cite-note-5959. â Berlin und Potsdam. Karl Baedeker Verlag, Leipzig 1936, S. 72.
cite-note-6060. â Arnd KrĂźger: Die Olympischen Spiele von 1936 und die Weltmeinung. Bartels & Wernitz, Berlin 1973, ISBN 3-87039-925-2.
cite-note-6161. â Gerhard Peters: Redakteur an Baedekers ReisehandbĂźchern 1925â1934. In: Reisen und Leben, 1987, Heft 15.
cite-note-6262. â Das Generalgouvernement. Reisehandbuch. Karl Baedeker. Mit 3 Karten und 6 Stadtplänen, Leipzig 1943; Volltextdigitalisat auf mapywig.org.
cite-note-6363. â GĂśtz Aly / Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne fĂźr eine neue europäische Ordnung, Frankfurt a. M., Fischer Taschenbuch Verlag 2004, hier das Unterkapitel: Baedekers Generalgouvernement, S. 188 ff.
cite-note-6464. â Dies wird mit Einzelheiten im Vorwort hervorgehoben, Das Generalgouvernement. Reisehandbuch. Karl Baedeker, Leipzig 1943, S. V.
cite-note-6565. â Information der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zum Institut fĂźr Deutsche Ostarbeit, Krakau
cite-note-6666. â Das Generalgouvernement. Reisehandbuch. Karl Baedeker, Leipzig 1943, S. 135f.
cite-note-6767. â L. Laurence Boyle: Chronologische Ăbersicht des Verlags Karl Baedeker. In: âReiselebenâ, Heft 8, 1984, S. 9â12 (online)
cite-note-6868. â Vergleiche die Abbildung des Vorderdeckels des - hier abweichend in Pappe gebundenen Archivexemplars des Baedeker Verlags ohne OT-Logo - Bandes im Verkaufsarchiv einer Berliner Antiquarin.
cite-note-6969. â Vergleiche z. B. die Anordnung Ăźber eine weitere KĂźrzung des Erholungsurlaubs der Beamten und Angestellten im Ăśffentlichen Dienst fĂźr das Urlaubsjahr 1943 vom 2. März 1943 (RGBl. I Nr. 22, S. 122 alex.onb.ac.at), die Anordnung Ăźber den Erholungsurlaub der Beamten, Angestellten und Arbeiter im Ăśffentlichen Dienst fĂźr das Urlaubsjahr 1944 vom 13. April 1944 (RGBl. I Nr. 16, S. 94 alex.onb.ac.at), die Anordnung Ăźber eine vorläufige Urlaubssperre fĂźr die Beamten vom 24. August 1944 (RGBl. I Nr. 37, S. 176 alex.onb.ac.at) oder die Verordnung zur Einschränkung des Reiseverkehrs vom 1. Februar 1945 (RGBl. I Nr. 4, S. 21 alex.onb.ac.at).
cite-note-7070. â Michael Wild: Baedekeriana. An Anthology. The Red Scar Press 2010, S. 121
cite-note-7171. â Frankfurt am Main. Karl Baedeker Verlag, Hamburg 1951, S. 76.
cite-note-susanne-m-ller-1945-7272. â Susanne MĂźller: Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des ReisefĂźhrers 1830â1945. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2012, S. 53.
cite-note-7373. â vgl. MĂźnchen und Umgebung. Karl Baedeker, Hamburg, und Richard Pflaum Verlag, MĂźnchen 1960, S. 33 (Gedenktafel)
cite-note-7474. â SĂźdbayern. Karl Baedeker, Hamburg, und Richard Pflaum Verlag, MĂźnchen 1953, S. 314, 331.
cite-note-freiburger-ausgaben-7575. â Eine Zusammenstellung aller von 1948 bis 2002 erschienenen Bände ist unter der Kurz-Titelliste der sog. âFreiburger Ausgabenâ 1948â2002 zu finden.
cite-note-7676. â Baumgarten: Baedeker. Ein Name wird zur Weltmarke. S. 91.
cite-note-7777. â Auch im StadtfĂźhrer Bonn von 1977 wurde auf Seite 107 [nn], unter âStadtfĂźhrerâ, eine Erstauflage Paris von 1977 zum Preis von 6,90 DM aufgefĂźhrt. Erneut wurde der Band u. a. im StadtfĂźhrer Basel (1978, S. 128 [nn]) nunmehr als fĂźr 1979 vorbereitet angezeigt.
cite-note-7878. â Baedekers Vogesen / Elsass. Kompakt-ReisefĂźhrer. Baedekers AutofĂźhrer-Verlag, Stuttgart 1978, S. 96 [nn].
cite-note-7979. â Baedekers Augsburg. Kurzer StadtfĂźhrer. Karl Baedeker Verlag, Freiburg 1977, S. 35 [nn]. Vgl. auch die nur acht Ausgaben umfassende Katalogisierung der Deutschen Nationalbibliothek.
cite-note-8080. â Baedekers DDR. Deutsche Demokratische Republik. Baedekers AutofĂźhrer Verlag, Ostfildern-Kemnat 1980, S. 301 [nn].
cite-note-8181. â Die strikte Befolgung der Reisebestimmungen war damals fĂźr bundesdeutsche und Westberliner Reisende oberstes Gebot, um jegliche Komplikationen mit den DDR-BehĂśrden von vornherein zu vermeiden, in deren Ergebnis es durchaus zu empfindlichen, in Deutscher Mark (DM) zu entrichtenden Geldstrafen oder, bei schweren Straftaten nach DDR-Recht sogar zu Freiheitsentziehungen fĂźhren konnten.
cite-note-8282. â Baedekers DDR. Baedekers AutofĂźhrer Verlag, Ostfildern-Kemnat 1980, S. 254.
cite-note-8383. â Verlagsprogramm 2018. MAIRDUMONT, Ostfildern 2018, S. 12 ff.
cite-note-846. Der Buchrßcken wurde bei späteren Ausgaben neu gestaltet.
cite-note-857. Bei der laut Verlagsangaben auf dem Titelblatt 3. Auflage von 1847 waren zu der im Vorjahr erstmals erschienenen 3. Auflage, von der ein Verlagsreprint von 1977 vorliegt, einige Karten und Pläne ergänzt sowie der zwischenzeitlich beim Ausbau der Eisenbahnlinien eingetretene Fortschritt in der Post- und Eisenbahnkarte eingezeichnet. Der Text wurde ganz leicht von 686 auf 684 Seiten gekßrzt. Die Einbandgestaltung war aber identisch.
cite-note-868. Bei Ăsterreich, SĂźd- u. West-Deutschland von 1853 (4. Aufl., D 54a, Deutschland I.) trug nur noch der BuchrĂźcken Biedermeierverzierungen, der Vorderdeckel wies dagegen wieder das Kassettenmuster auf (vgl. dazu die folgende Abbildung der verschiedenen BuchrĂźcken).
cite-note-879. Die abgebildete symmetrische Leinenstruktur innerhalb der Kassettierung ist bislang nur bei diesem Band bekannt. MĂśglicherweise handelt es sich um eine Probeaufbindung.
cite-note-8888. â Vergleiche den DNB-Eintrag.
cite-note-8989. â Erstaunlicherweise enthielt der im Band abgedruckte Plan bereits den neuen ostberliner (21.) Stadtbezirk âMarzahnâ ohne nähere Erläuterung zu seiner Neubildung, die der Korrekturzettel zwar nun gibt, ihn aber nicht mehr abbildet, sondern kartographisch nur die Ăźberholte Bezirksgliederung liefert. Das Einkleben wĂźrde den textlichen Mangel also nur verschlimmbessern.
cite-note-9090. â Kurzer Leitfaden der Russische Sprache, 1897 (Digitalisat)
cite-note-9191. â Peter H. Baumgarten, Monika I. Baumgarten (Hrsg.): Baedeker. Ein Name wird zur Weltmarke. Karl Baedeker, Ostfildern 1998, S. 32.
cite-note-9292. â Vgl. z. B. Karl Baedeker: Handbuch fĂźr Reisende in Deutschland und dem Oesterreichischen Kaiserstaat. Verlag Karl Baedeker, Coblenz 1853, S. II.
cite-note-9393. â Karl Baedeker: Mittelmeer. Verlag Karl Baedeker, Leipzig 1934, S. IV)
cite-note-9494. â vgl. Karl Baedeker: Schlesien. 2. Auflage. Verlag Karl Baedeker, Leipzig 1938, Schmutztitel: Auszug aus Eichendorffs Gedicht Abschied.
cite-note-9595. â Die englische Widmung lautet: Go, little book, God send thee good passage. And specially let this be thy prayer: Unto them all that thee will read or hear. Where thou art wrong, after their help to call, Thee to correct in any part or all. (vgl. z. B. Karl Baedeker: The United States with excursions to Mexico, Cuba, Porto Rico, and Alaska. Verlag Karl Baedeker, Leipzig 1909, S. IV).
cite-note-9696. â Die Texte lauten wĂśrtlich auf Deutsch: âDer Ăbereifer der tĂźrkischen Zensur erstreckt sich bisweilen auf ReisehandsbĂźcher. Man vermeidet Schwierigkeiten, wenn man das Buch vor dem Ăberschreiten der tĂźrkischen Grenze oder vor der Ankunft in einem tĂźrkischen Hafen in die Rocktasche steckt.â und franzĂśsisch: âLe zèle intempestif de la censure turque n'ĂŠpargne mĂŞme pas les guides du voyageur. Afin d'ĂŠviter des dĂŠsagrĂŠments, on fera bien, avant de franchir les frontières du pays ou d'entrer dans un port turc, de mettre son guide en sĂťretĂŠ dans une de ses poches.â
cite-note-9797. â Die technologische Entwicklung hat vor allem mit der Internet-Nutzung durch Smartphones und Tabletcomputer einen anderen Weg beim Einsatz elektronischer Medien als alternativer ReisefĂźhrer beschritten.
cite-note-9898. â Im Vorwort dankt die Redactions-Commission âHerrn Carl Bädecker (sic!) aus Leipzigâ fĂźr die ZurverfĂźgungstellung des Baedeker-Materials.
cite-note-9999. â Zu dem Architekten Antal PalĂłczi (â 1927) und dem Fotografen KĂĄroly Divald (â 1897) vergleiche die ungarische Wikipedia.
cite-note-sonderausgaben-100100. â Hinrichsen: Baedekerâs ReisehandbĂźcher 1832â1990. Ursula Hinrichsen Verlag, Bevern 1991, S. 281.
cite-note-10110. Hinweise zu den Telegrafiekonferenzen von 1868 bis 1908 in: Julius Hatschek (begonnen), Karl Strupp (fortgesetzt): WĂśrterbuch des VĂślkerrechts und der Diplomatie. Band 2, Walter de Gruyter, Berlin und Leipzig 1925, S. 708 (Digitalisat)
cite-note-102102. â August Petermann: Mittheilungen aus Justus Perthes geographischer Anstalt Ăźber wichtige neue Erforschungen auf dem Gesamtgebiete der Geographie. Jahresband 1858.
cite-note-10311. Zu der groĂformatigen blauen Buchhändlermarke vergleiche den Artikel zu Ăditions Klincksieck.
cite-note-werbet-tigkeit-104104. â Alex W. Hinrichsen: Zur Werbetätigkeit des Verlages Karl Baedeker. In: Reisen und Leben. Heft 18, 1989 (online)
cite-note-105105. â Alex W. Hinrichsen: Baedekerâs ReisehandbĂźcher 1832â1990. Ursula Hinrichsen Verlag, Bevern 1991, S. 50.
cite-note-106106. â Die Buchschleife kommt in 2 Varianten mit minimalen Abweichungen bei den verwendeten Drucktypen vor.
cite-note-107107. â Kurt Eitner, Alex W Hinrichsen: Die Chronologie der Baedeker von Hamburg und Schleswig-Holstein zwischen 1949 und 1983. In: Reisen und Leben. Heft 20, 1990.
cite-note-10812. Die Werbeschrift wurde hier erkennbar bereits verlagsseitig mit dem Namen der ausgebenden Ferber'schen Universitätsbuchhandlung in GieĂen versehen. Diese Buchhandlung hatte zuletzt unter der Leitung des ehemaligen Vorstehers des BĂśrsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, gestanden, bis er sie 2005 an die Thalia-Gruppe verkaufte.
cite-note-109109. â Der Text auf der Marke lautet wĂśrtlich Ăźbersetzt: ââGuides bleusâ sind franzĂśsisch, Hachettes-Verlag, im Verkauf bei allen Buchhandlungen. Kaufen Sie keine Baedeker; Sie wĂźrden das Geld Deutschland zuwenden.â
cite-note-110110. â Vergleiche die kurzen AusfĂźhrungen zum Stand der Lizenzausgaben 1990 bei Alex W. Hinrichsen: Baedekerâs ReisehandbĂźcher 1832â1990. Ursula Hinrichsen Verlag, Bevern 1991, S. 227 f.
cite-note-111111. â Paul L. Feser: Baedeker-Imitationen. in Reisen und Leben. Heft 24, 1992, (online)
cite-note-112112. â Baldo Podic: T.C.I. â der italienische Baedeker. In: Reiseleben, Heft 13, 1986, S. 6 ff. (online)
cite-note-113113. â Vergleiche z. B. den Band fĂźr die Schweiz von 1865 (online)
cite-note-114114. â Reinhard Ăhlberger: Falsche Baedeker in groĂem Stil. In: Reisen und Leben. Heft 6, 1983 (online)
cite-note-115115. â Der rote Leinenband wurde von einem ComitĂŠ der âEintrachtâ, Verein des Administrations-Personales der Wiener Journale, J. StĂśckholzer von Hirschfeld, Wien 1879, herausgegeben und hat 48 Seiten nebst 8 Holzstich-Porträts.
cite-note-116116. â Siehe dazu: Felix Bach, Stefan Schmunk, Cristian Secco, Thorsten WĂźbbena: Bomberâs Baedeker â vom Text zum Bild zur Datenquelle (online).
cite-note-117117. â Vergleiche die Abbildungen auf der Website von Ketterer's 391. Kunst-Auktion MĂźnchen (Digitalisat).
cite-note-118118. â Vergleiche die Katalogeinträge bei der DNB portal.dnb.de
cite-note-119119. â [August Mandls]: Von Wien nach Triest, nebst den Fahrten von Bodenbach, OlmĂźtz, Krakau, Linz, Pesth nach Wien und von Triest nach Venedig. Reisehandbuch fĂźr alle Stationen der K. K. Priv. SĂźdbahn. Literarisch-Artistische-Abtheilung des Ăsterreichischen Lloyd, 2. Auflage. Triest 1860, S. 207.
cite-note-120120. â A. P. Herbert, A. Davies-Adams: La Vie Parisienne. A Comic Opera in Three Acts (Very remotely related to the Offenbach opera with the above title). Ernest Benn Limited, London 1929. Baedeker-Zitat auf S. 39.
cite-note-121121. â Auch der Baedeker-Verlag selbst spricht von âder englischen Ăbersetzung des Librettos zu Jacques Offenbachs Operette âLa Vie Parisienneââ, z. B. auf seiner Webseite (Memento des Originals vom 9. Juni 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.baedeker.com. Herbert und Davies-Adams unterstreichen allerdings mit einer Vorbemerkung auf S. 5: âThis is not a translation, or even, strictly, an âadaptationâ [âŚ] We have borrowed from MM. Meilhac and HalĂŠvy the title of their libretto, but very little else. Indeed (under instruction) we have never read it.â
cite-note-122122. â Erwandern. In: Hans und Jacob Grimm: Grimmsches WĂśrterbuch. Band 3, 1862, Sp. 1043 (online)
cite-note-123123. â Susanne MĂźller: Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des ReisefĂźhrers 1830â1945. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2012, S. 134.
cite-note-124124. â Vergleiche die Webseiten ZĂźge mit Namen, bei der vor 2001 kein Eintrag des IC Karl Baedeker vorhanden ist, und Datenbank Fernverkehr Bhf. Leipzig, die ab 2003 keinen Eintrag des IC Karl Baedeker mehr erhält.